Di., 20.08.2019

Land verschickt Fragebögen zu Gewaltstraftaten NRW fragt 60.000 Bürger: Wie sicher fühlen Sie sich?

Symbolbild.

Symbolbild. Foto: Jörn Hannemann

Von Christian Althoff

Bielefeld (WB). 60.000 Bürger aus NRW bekommen heute Post von der Landesregierung. Die möchte wissen: Wie sicher fühlen Sie sich? Wurden Sie schon einmal Opfer einer Gewalttat und haben die nicht angezeigt?

1.282.441 Delikte wurden der Polizei im vergangenen Jahr in Nordrhein-Westfalen bekannt, die nie­drigste Zahl seit annähernd 30 Jahren. Doch sie gibt die Realität nicht wieder, denn längst nicht alle Opfer erstatten Anzeige – weil sie sich schämen, weil sie vielleicht schlechte Erfahrungen mit Polizei oder Justiz gemacht haben, weil der Täter ein Verwandter ist, weil der Täter sie unter Druck setzt oder aus anderen Gründen.

Im Bezug auf Gewalttaten in allen nur denkbaren Formen möchte die Landesregierung dieses Dunkelfeld nun aufhellen, um ein ehrlicheres Bild zu bekommen. In 81 Städten hat das Meinungsforschungsinstitut Infas das Einwohnermeldeamt um eine repräsentative Adressenauswahl von Menschen über 16 Jahren gebeten. Die bekommen jetzt einen umfangreichen Fragebogen samt Rückumschlag zugeschickt und werden gebeten, an der anonymen Umfrage teilzunehmen.

Befragungen in vielen Teilen OWLs

In Ostwestfalen-Lippe werden nach Ministeriumsangaben Bürger in Bad Driburg, Bad Lippspringe, Bad Salzuflen, Bielefeld, Dörentrup, Espelkamp, Herford, Kirchlengern, Paderborn, Rahden und Rietberg angeschrieben. Gefragt werden sie nicht nur nach Fakten, sondern auch nach ihren Gefühlen. NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU): »Wir möchten gerne wissen, wann, wo und warum sich Menschen nicht sicher gefühlt haben. Nur so können wir etwas ändern.«

Die Fragen hat das Landeskriminalamt in Düsseldorf zusammengestellt, die Umsetzung der Befragung wurde Infas übertragen. Mit einem Ergebnis der repräsentativen Studie rechnet die Landesregierung im Sommer 2020. Reul: »Die Erkenntnisse aus der Befragung sollen Eingang finden in die Präventionsarbeit, den Opferschutz und die Arbeit im Streifendienst oder im Kriminalkommissariat.«

Mit der Studie möchte die Regierung auch das Thema Gewalt gegen Jungen und Männer aus der Tabuzone holen. Sie hofft, dass entsprechende Opfer den Fragebogen nutzen, um Erlebnisse zu schildern, die sie vielleicht bisher für sich behalten haben. Gleichstellungsministerin Ina Scharrenbach (CDU) kündigte an, unabhängig von der Studie bis zum Frühjahr eine Gewalt-Hotline für Jungen und Männer einzurichten.

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