Der frühere Topmanager stellt sein zweites Buch »Schuldig« vor
Middelhoff gesteht Scheitern

Bielefeld/Berlin (WB). Fehler eingestehen – das war für Thomas Middelhoff in seiner Zeit als Topmanager und Vorstandschef des Gütersloher Bertelsmann-Konzerns sowie später der einstigen Karstadt-Mutter Arcandor kaum vorstellbar. Jetzt, nach der Verurteilung wegen Untreue und Steuerhinterziehung, nach fast dreijähriger Haft und inmitten der Privatinsolvenz, geht der 66-Jährige mit sich selbst ins Gericht.

Mittwoch, 21.08.2019, 04:30 Uhr
Thomas Middelhoff bei der Vorstellung seines Buches »Schuldig« am Dienstag in der Bundespressekonferenz in Berlin. Foto: dpa
Thomas Middelhoff bei der Vorstellung seines Buches »Schuldig« am Dienstag in der Bundespressekonferenz in Berlin. Foto: dpa

In seinem am Dienstag in Berlin vorgestellten zweiten Buch »Schuldig« gibt Middelhoff nicht nur Fehler zu, sondern gesteht gleich sein »totales Scheitern«. Er gibt den Geläuterten.

Es sei ein »schmerzhafter Prozess« gewesen, zu dieser Wahrheit zu finden, schreibt Middelhoff im Vorwort des 208 Seiten dicken Buches. Die Erlöse gehen in die Insolvenzmasse – zumindest bis zum Ablauf der Privatinsolvenz 2020. Das Werk hat Middelhoff seinem »Engel Nr. 1« gewidmet – seiner neuen Lebensgefährtin, mit der er in Hamburg wohnt.

»Vom Scheitern und Wiederaufstehen«

In dem Buch mit dem Untertitel »Vom Scheitern und Wiederaufstehen« macht Middelhoff deutlich, dass es zwei Leben gab und gibt: eines vor seiner Verurteilung und Inhaftierung am 14. November 2014 und eines danach. Vor dem Wendepunkt sei sein Leben »geradezu wie auf Schienen verlaufen«, trotz kleinerer Rückschläge immer in eine Richtung: »vorwärts-aufwärts«. Doch dabei sei er überheblich, maßlos, hochmütig, selbstverliebt und immer gieriger geworden. Als er einst beim Weltwirtschaftsforum in Davos noch vor Bundeskanzlerin Angela Merkel die Delegation anführte und sie ihn fragte, ob er das für richtig halte, habe er ungerührt den Weg an der Spitze fortgesetzt.

Auch wenn Middelhoff die Verurteilung zu drei Jahren Haft nach wie vor »nicht nachvollziehen« kann, so sieht der gläubige Katholik die damit verbundene Haftzeit und die Arbeit als Freigänger mit behinderten Menschen in den von Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel in Bielefeld als Geschenk Gottes. Dies habe ihm geholfen, zu sich selbst zu finden.

»Systematisch mit dem Scheitern auseinander setzen«

Er habe den Entschluss gefasst, sich »systematisch mit meinem Scheitern auseinanderzusetzen«. Er habe verstehen wollen, »was dazu führte, dass mein Leben quasi über Nacht implodierte«. Seine Erkenntnis: Er allein war verantwortlich für das eigene Scheitern. Es seien »charakterliche Verformungen« in seinem Leben, seiner Karriere entstanden, die sich weiter entwickelt hätten, weil sie nicht korrigiert wurden.

»Jetzt bin ich ein zufriedener und glücklicher Mensch, der durch die Dinge, die er selber verursacht hat, seinen richtigen Weg gefunden hat«, sagte Middelhoff am Dienstag dem TV-Sender »Welt«. Mit dem Buch wolle er anderen helfen, die in eine ähnliche Situation geraten sind, und »Jüngeren die Augen öffnen«, um seine Fehler nicht nachzumachen.

Es wäre wichtig und hilfreich, Fehler einzugestehen, sagt Middelhoff. In der Wirtschaft wie in der Politik. Als Beispiele nennt er den Dieselskandal, Verstrickungen der Deutschen Bank oder Cum-Ex-Deals – aber auch den Aufstieg der AfD als Folge des Verhaltens etablierter Parteien und Politiker.

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