Do., 22.08.2019

Uni-Serie, Folge 31: Biologe Nils Hasenbein betreut acht Völker für die Lehre Sommertracht von Uni-Bienen

Nils Hasenbein bei den Uni-eigenen Bienenkörben.

Nils Hasenbein bei den Uni-eigenen Bienenkörben. Foto: Sabine Schulze

Von Sabine Schulze

Bielefeld (WB). Etwa 50 Millionen Blüten hat jedes einzelne Bienenvolk der Universität in diesem Jahr angeflogen, dabei 1,5 Tonnen Nektar geerntet. Das ergibt 20 bis 25 Kilogramm Honig, der im Uni-Shop verkauft wird. Vor allem aber haben Biologiestudenten, angeleitet von Dr. Nils Hasenbein und Dr. Stephan Unger, anhand der Uni-eigenen Honigbienen viel über die nützlichen Tierchen gelernt.

Am Anfang standen ein Anfängerkursus beim Imkerverein Bielefeld-Senne und zwei geschenkte Bienenvölker, die Hasenbein, sein Studienkollege Ulrich Zumkier und Doktorand Unger gemeinsam betreuten. »Gleich im ersten Jahr, 2006, haben wir eine studentische Bienen-AG gegründet«, erzählt Hasenbein, der an der Biologiefakultät der Beauftragte für Studienangelegenheiten ist. Die Zahl der Bienenvölker wuchs – »ganz typisch«, sagt Hasenbein lachend.

Aktuell hat die Universität acht Völker und vier Ableger, die geschützt auf einem umzäunten Grundstück in Uni-Nähe stehen. »Unser Ziel sind immer etwa zehn Völker. Mehr wäre zu viel Arbeit, weniger würde für die Lehre nicht reichen«, erklärt der 39-Jährige. Denn seit 2012 werden die Bienen sozusagen offiziell in Praktika und Lehre eingesetzt. »Sie sind ein gutes Beispiel für soziale Insekten wie etwa auch Termiten oder Ameisen.« Ganz nebenbei machen die Neurobiologen der Universität mit den Bienen Experimente.

Honig ist ein Nebenprodukt

Der Honig, den sie liefern, ist mithin eher ein Nebenprodukt. Deswegen auch werden die Bienenkörbe – im Laufe der Jahre ganz unterschiedlich bunt angestrichen – nicht versetzt. »Die Bienen ernten, was sie in etwa vier Kilometern Umkreis finden«, sagt Hasenbein. Die Innenstadt fliegen sie also ebenso an wie Dornberg oder den Teutoburger Wald. Entsprechend gemischt ist die Tracht.

»Beim Blick in die Waben kann man anhand der Pollenfarbe oft erkennen, welche Pflanzen die Bienen angeflogen haben könnten«, erklärt Hasenbein. Im Frühjahr fiel ihm ein sattes Gelb-Orange auf: Das dürften Krokusse geliefert haben. Und der Sommerhonig, so der Eindruck des Biologen, roch stark nach Linde. Ende Juli wurde der Sommerhonig bereits geerntet, was die fleißigen Bienen danach eintrugen, blieb dem Volk. Gleichwohl lag das Futter – Ambrosia – für den Winter schon im August parat. »15 Kilo muss man pro Volk rechnen«, erklärt Hasenbein.

Dass er einer der »Bienenväter« der Uni ist, kommt nicht von ungefähr: Schließlich hat der 39-Jährige seine Dissertation über Bestäubungsökologie geschrieben – allerdings in Kenia. »Drei Jahre hintereinander habe ich dort den Winter verbracht, weil dann die Blütezeit des Acanthus ist«, erklärt er. Mit Bienen, wie wir sie kennen, hatte er dort allerdings nicht zu tun, vielmehr mit fünf Zentimeter langen afrikanischen Holzbienen.

Ohne Bienen weniger Ertrag

Ohne die Bienen, betont Hasenbein, seien die Erträge in der Landwirtschaft deutlich geringer. Und natürlich denkt er dabei nicht nur an Honigbienen, sondern etwa auch an Wildbienen oder -hummeln. »Ihnen müssen wir vor allem Lebensraum bieten, mit Blühstreifen, Blütenwiesen und Naturschutzbereichen.« Und mit Abwechslung. »Ein Rapsfeld ist im Frühling eine hervorragende Nektarweide. Ab Mai aber ist es für eine Biene wie asphaltiert.«

Auch »aufgeräumte« Gärten und Landschaften bieten Insekten nicht viel: »Ein dauerhaft kurzer Rasen sieht nach Natur aus, aber für nektarsaugende Insekten ist er tot.« Sein Rat: Aus dem Rasen eine nicht ganz so kurz geschorene Wiese zu machen und nicht ausschließlich gefüllte Blumen wie Rosen oder Dahlien zu setzen. »In ihnen sind die Staubblätter zu bunten Blütenblättern umfunktioniert. Das sieht schön aus, nützt den Bienen aber nicht«, erklärt der Biologe.

Hasenbein, Schriftführer des Vereins »Apis«, des Fördervereins des Bieneninstitutes Münster, freut sich, dass die Imkerei wieder mehr Zulauf hat. »Vor Jahren war es noch das Hobby älterer Herren, und wir haben uns Sorgen um den Nachwuchs gemacht. Jetzt sind viele junge Frauen dabei und sind auch die Studenten interessiert.« Die Bienenkurse jedenfalls sind stets voll, und so manchem geht es nicht nur um wissenschaftliche Erkenntnisse und ökologische Zusammenhänge, sondern um den Erwerb praktischen Wissens. »Und wenn dann Jungbienen aus den Waben schlüpfen, zuerst die Fühlerchen herausstrecken, sind alle ganz bewegt und fasziniert.«

Klar, dass Nils Hasenbein selbst auch zwei Bienenvölker hat, für die sich auch bereits seine drei Kinder – acht, sechs und zweiJahre alt – interessieren.

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