So., 25.08.2019

Rentnerin hatte falsch geparkt und musste mehr als 160 Euro zahlen »Abzocke von der Stadt«

Der Weg von ihrem Auto zum Treppenhaus und bis in die Wohnung im dritten Stock ist weit. Deshalb verlädt die gehbehinderte Elisabeth Northe (82) ihre Einkäufe schon auf dem Parkplatz in den Rollator und hat dadurch deutlich Entlastung.

Der Weg von ihrem Auto zum Treppenhaus und bis in die Wohnung im dritten Stock ist weit. Deshalb verlädt die gehbehinderte Elisabeth Northe (82) ihre Einkäufe schon auf dem Parkplatz in den Rollator und hat dadurch deutlich Entlastung. Foto: Markus Poch

Von Markus Poch

Bielefeld-Senne/Sennestadt (WB). Wer kurze Zeit falsch parkt, der hofft darauf, unbemerkt davonzukommen. Er muss aber mit einem Strafzettel des Ordnungsamtes rechnen. Sofern der Falschparker erwischt wird und sich die Strafe auf 163,49 Euro oder mehr addiert, kann das zu Unverständnis führen. So ist es Elisabeth Northe aus Senne ergangen.

»Ich kann Ungerechtigkeiten nicht ertragen, und dieses ist reine Abzocke von der Stadt«, sagt die 82-Jährige. »Was ich gemacht habe, steht in keinem Verhältnis zur Strafe, die man mir aufgebrummt hat. Ich habe niemanden gefährdet und auch niemanden behindert. Wie die Behörde mich behandelt, finde ich unmöglich.«

Der Verärgerung der pensionierten Musikerzieherin vorausgegangen war eine Allerweltssituation: »Ich hatte in einem Uhrengeschäft an der Vennhofallee eine Kleinigkeit abzuholen, aber alle Parkplätze in der Umgebung waren belegt – bis auf den Behindertenparkplatz«, erklärt Elisabeth Northe. Nach dem Motto »Du bist ja schnell wieder draußen« habe sie ihren Wagen dort abgestellt. »Im Laden waren aber drei oder vier Leute vor mir dran, und ich musste 20 Minuten warten«, erinnert sie sich. Als sie kurz danach zurück zu ihrem Wagen kam, hing bereits ein Knöllchen am Scheibenwischer – über 35 Euro.

Bei der Stadt nicht als schwerbehindert geführt

Die Seniorin wird bei der Stadt Bielefeld nicht als schwerbehindert geführt und besitzt auch keinen entsprechenden Ausweis. Aber nach Operationen an der Hüfte und an beiden Knien ist sie schlecht zu Fuß und unsicher auf den Beinen. Wenigstens wieder schmerzfrei, kann sie sich in ihrer kleinen Einraum-Wohnung im Wohnpark Plettenberg noch gut bewegen und auch selbst versorgen. Jenseits der Haustür und außerhalb ihres Wagens, mit dem sie ein Stückchen Unabhängigkeit genießt, wird es dagegen schwierig: Da stützt sie sich gerne auf den Einkaufswagen oder ihren Rollator, meidet Fußwege, die nicht unbedingt sein müssen.

»Deshalb hatte ich sehenden Auges vor dem Uhrenladen geparkt und bin prompt dafür bestraft worden«, sagt Elisabeth Northe. Den Strafzettel habe sie anstandslos bezahlt, doch die richtige Empörung sei bei ihr erst eine Woche später ausgebrochen: »Da bekam ich ein Schreiben von der Stadt, in dem ich aufgefordert wurde, 74,99 Euro für die Leerfahrt eines Abschleppdienstes zu zahlen, weitere 3,50 Euro für die Zustellung dieses Bescheides und dann auch noch 50 Euro an Bearbeitungsgebühren«, berichtet die Rentnerin, die mit monatlich 926 Euro auskommen muss.

Ordnungsamt: Alle Vorgänge gesetzeskonform

Entrüstet sowie wegen des stolzen Gesamtbetrages von 163,49 Euro heiß gesprochen von Freunden und Nachbarn, wandte sie sich ans Ordnungsamt, um dessen Vorgehensweise und Preispolitik zu kritisieren, um mehr Augenmaß einzufordern. Dort bekam sie allerdings zu hören, dass alle Vorgänge gesetzeskonform gelaufen seien, die Bearbeitungsgebühren in Bielefeld sogar günstiger ausfielen als zum Beispiel in Nachbarstädten wie Osnabrück oder Münster (jeweils 90 Euro).

»Die Stadt Bielefeld denkt sich ihre Bearbeitungsgebühren nicht aus«, sagte Sachbearbeiterin Martina Freiheit auf Anfrage dieser Zeitung. »Die Gebühren entsprechen einem Durchschnittswert aller Sach- und Personalkosten, die anfallen, sobald ein Abschleppdienst involviert ist.« Bei der Blockade eines Schwerbehindertenparkplatzes werde mit dessen Alarmierung generell nicht lange gefackelt. Martina Freiheit: »Anders als bei Bußgeldern haben Behörden hier keinen Ermessensspielraum.« Die finanzielle Lage des Verursachers spiele bei Gebühren keine Rolle.

Kommentare

Man parkt nicht auf Parkplätzen, die für Schwerbehinderte ausgewiesen sind.
Das gilt für alle, die keinen solchen Ausweis haben. Punkt.
Kein Lamentieren.

Also was?

Jemand hat auf einem für Schwerbehinderte reservierten Parkplatz geparkt, ohne dazu berechtigt gewesen zu sein. Wer dabei erwischt wird, muss die Konsequenzen tragen. Größe hätte es, das zu akzeptieren. Gründe, warum das in genau diesem Fall überhaupt nicht so schlimm war oder nicht anders ging, lassen sich immer finden. Ich vermisse den Nachrichtenwert.

2 Kommentare

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