Sa., 24.08.2019

Benjamin Markwa ist erfolgreich im Handwerk angekommen Philosophie der Maurerkelle

Fertig:: Den mächtigen Backofen hat Benjamin Markwa entworfen und bis zu den interessanten Ecken selbst gebaut.

Fertig:: Den mächtigen Backofen hat Benjamin Markwa entworfen und bis zu den interessanten Ecken selbst gebaut. Foto: Michael Diekmann

Von Michael Diekmann

Bielefeld (WB). Mauern ziehen wie am Fließband ist nicht sein Ding. »Ich arbeite gern im Detail«, sagt Benjamin Markwa (27) und lehnt sich entspannt an den selbst angefertigten Backofen: »Und ich wollte einfach Spaß bei der Arbeit.« Die hat der Bielefelder, seit er sein Studium abgebrochen hat und im Handwerk Karriere macht – als Maurer- und Betonbauermeister.

Benjamin Markwa ist ehrgeizig. Und er ist neugierig. Und ehrlich. Er hat den Meisterbrief im Maurer- und Betonbauerhandwerk. »Die Berufserfahrung muss ich jetzt erst einmal erarbeiten, Stück für Stück, mit jedem Projekt«, sagt der Jungunternehmer. Schließlich ist Markwa inzwischen selbstständig, hat zwei Mitarbeiter im Team und arbeitet gerade mit an der Aufbereitung eines ländlichen Wohnsitzes. Wo er mit seinem Wissen nicht hin reiche, betont Markwa, bringe er sich eben als Subunternehmer ein und erschließe sich über die Arbeit neue Kompetenz. Wobei sein Ehrgeiz den Bielefelder nebenbei auch noch beflügelt, seine Qualifikation zum Restaurator in Schloss Raesfeld parallel zu absolvieren.

Studienwahl entpuppt sich als unglückliche Fügung

Die Biografie von Benjamin Markwa liest sich zuerst einmal klassisch. Nach dem Abitur am Gymnasium Heepen 2011 (»Ich bin da so durchgekommen«) entschließt er sich zu einem Studium. Die Fächerkombination aus Philosophie und der sagenhaften Zweitfächer-Kombi mit Physik und Wirtschaftswissenschaften entpuppt sich keineswegs als glückliche Fügung, eher als echte Belastung, die dem aufstrebenden Studiosus schon bald den Spaß an der Freude nimmt. Einziger Vorteil des technischen Physik-Studiums, gesteht Markwa im Rückblick, sei wohl, dass ihm die Mathematik-Aufgaben im Fachrechnen in der Maurerlehre leicht fielen.

Die Differenz zwischen dem studentischen Alltag und dem, was er sich an Potenzial für eine Weltveränderung in Wirtschaft und Politik ersonnen hatte, war jedenfalls so groß, dass Markwa 2014 das Studium abbrach. Bei der Baufirma Schomaker machte er ein Praktikum. Immerhin hatte ihm sein Vater empfohlen, doch lieber eine Ausbildung zu machen. Und Markwa hatte sogar Glück. Nachdem er bei der Firma Schomaker als Praktikant von Anfang an beim Bau einer Marmorterrasse Kompetenz erworben und Geschick gezeigt hatte, bekam er eine Lehrstelle. »Die Arbeit hat mir vom ersten Tag an Freude gemacht, ich bin da mit Spaß hingegangen«, schwärmt Markwa.

Aus der Sicht der Handwerkskammer OWL ist Benjamin Markwa einer jener jungen Menschen, die man gern zur Abkehr vom Studium zu einer Ausbildung im dualen System mit vielfältigen Karrierechancen bewegen möchte. Der Bielefelder ist mit seinem Ehrgeiz und Leistungswillen in den Genuss von Weiterbildungsstipendien und Fördermaßnahmen gekommen, die beispielsweise von der Stiftung Begabtenförderung berufliche Bildung (SBB) koordiniert werden.

Bruder André kümmert sich um die Buchführung

Für die Qualifikation zum Restaurator braucht man drei Teile einer Maßnahme. Neben der Denkmalpflege als Philosophie und der fachspezifischen Schulung geht es um eine Projektarbeit an einem Objekt. Markwa kam auf die Ravensburg. Deren Turm mit der Sparrenfahne ziert zwischenzeitlich sogar die Seiten seines Firmen-Bullis. Es ist, wie er betont, eine Art Visitenkarte seiner noch jungen Firma. »Wir machen ihr Zuhause zu ihrem Königreich« steht darüber.

Als junger Handwerksunternehmer hat Benjamin Markwa inzwischen Verstärkung bekommen. Sein Bruder André (30) studiert Jura, hat eine Banklehre abgeschlossen, packt zurzeit auf der Baustelle mit an, kümmert sich um das leidige Thema Buchführung. Und Bauhelfer Viktor Böhnke (26) ist auf dem Weg zum ersten Azubi der Firma. Der gelernte Bäcker entwickelt sich auf dem Bau ebenfalls zum Fachmann, freut sich Benjamin Markwa. Das Trio harmoniert nicht nur in praktischen Fragen. Ein Neuanfang in einem neuen Beruf verbindet sie. Markwa: »Man muss den Mut haben, sich neuen Herausforderungen zu stellen. Es gibt einem sehr viel.«

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