»Pro Grün« und »Bielefeld natürlich« laden Anwohner zum Schnatgang ein
Linie 4: Zweifel an Rentabilität

Bielefeld (WB). Die Wirtschaftlichkeit der Stadtbahnverlängerung bis zur Dürerstraße ist in einem Gutachten schöngerechnet worden. Das wirft Prof. Dr. Andreas Brockhinke von der Initiative »Bielefeld natürlich« der Stadt vor.

Montag, 02.09.2019, 06:00 Uhr
Prof. Dr. Tilman Rhode-Jüchtern erläutert den Teilnehmern das Wirtschaftlichkeits-Gutachten zur Linie-4-Verlängerung. Foto: Bernhard Pierel
Prof. Dr. Tilman Rhode-Jüchtern erläutert den Teilnehmern das Wirtschaftlichkeits-Gutachten zur Linie-4-Verlängerung. Foto: Bernhard Pierel

Im kommenden Jahr soll mit dem Bau der 1240 Meter langen Verlängerung der Stadtbahnlinie 4 von der bisherigen Endstation Lohmannshof bis zur Dürerstraße begonnen werden. Neben der neuen Endhaltstelle soll auch eine neue Station »Fachhochschule« entstehen. Die Kostenschätzung für das Projekt belief sich 2016 auf 13,34 Millionen Euro.

Damit es für das Vorhaben Zuschüsse gibt, muss die Wirtschaftlichkeit nachgewiesen werden. Mit der Bewertung wurde das Gutachterunternehmen PTV Group beauftragt. Es bescheinigte dem Projekt im März einen Kosten-Nutzen-Indikator von 1,09.

»Damit ist die Schwelle der Wirtschaftlichkeit nur knapp überschritten«, sagte Prof. Dr. Tilman Rhode-Jüchtern , Vorsitzender von »Pro Grün«, bei einem Schnatgang, zu dem seine Organisation und »Bielefeld natürlich« am Sonntag eingeladen hatten. Bei der B 66 neu, die nun nicht mehr gebaut werde, liege der Kosten-Nutzen-Faktor bei 6, also viel höher, so Rhode-Jüchtern.

150 Anwohner kommen

Rund 150 Anwohner waren gestern der Einladung gefolgt und erkundeten zusammen mit den »Pro Grün«- und »Bielefeld natürlich«-Vertretern die möglichen künftigen Baugebiete, die im umstrittenen Ortsteilentwicklungskonzept Dornberg-Babenhausen angedacht sind. Auch zu deren Erschließung soll die Stadtbahnverlängerung beitragen. Beim Rundgang wurden Pflöcke eingeschlagen, die zeigen sollten, wie sich die Verlängerung der Schloßhofstraße und die dazu parallel geführte Stadtbahntrasse auf das Babenhauser Bachtal auswirken.

Brockhinke wirft der Verwaltung vor, mit Unwahrheiten gearbeitet zu haben, um die Wirtschaftlichkeit der Linien-Verlängerung zu rechtfertigen. So sei etwa durch die Linienführung kein positiver Effekt für die Erreichbarkeit der Fachhochschule gegeben. Die Wegstrecke von der bestehenden Stadtbahnhaltestelle Wellensiek zur FH betrage 280 Meter, von der geplanten neuen Haltestelle FH seien es 260. »Berücksichtigt man die zusätzliche Fahrzeit von rund fünf Minuten wird klar, dass die Nutzung der neuen Haltestelle für die Studierenden unsinnig ist.«

Dezernent widerspricht

Mit »Schönrechnen« allein habe man offenbar nicht den Nachweis führen können, dass das Projekt wirtschaftlich sinnvoll sei. Dafür sei eine standardisierte Bewertung nach dem »Mitfall-Ohnefall-Prinzip« herangezogen worden. Dabei geht es darum, wie sich das Quartier mit und ohne Stadtbahnverlängerung entwickeln würde. Für den »Ohnefall« seien »völlig abstruse Veränderungen beim Busverkehr mit massiven Zusatzkosten« angenommen worden.

In einem Schreiben an »Pro Grün« hat Planungsdezernent Gregor Moss den Vorwürfen entschieden widersprochen. Der volkswirtschaftliche Nutzen der Stadtbahnverlängerung sei eindeutig nachgewiesen worden.

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