Sascha Grammel lässt in der ausverkauften Seidenstickerhalle die Puppen tanzen
Reif für die Insel

Bielefeld (WB). Blaue Fische mit ausgeprägtem Berliner Dialekt versuchen sich als Hypnotiseure, der Außerirdische Herr Schröder leidet unter den Auswirkungen seiner Zeitreisen und zitiert als Häuptling »Schleichende Werbung« Slogans am laufenden Band.

Sonntag, 08.09.2019, 10:47 Uhr
Gemeinsam mit Frederic Freiherr von Furchensumpf nimmt Sascha Grammel sein Publikum mit auf eine Tour nach Grammel Island. Foto: Panhorst
Gemeinsam mit Frederic Freiherr von Furchensumpf nimmt Sascha Grammel sein Publikum mit auf eine Tour nach Grammel Island. Foto: Panhorst

Der Schrecken der Meere entpuppt sich als winziger Oktopus mit Schnorchel und der Känguru-Hasen-Hybride Achim Spironsik verdingt sich als Inseltaxi. In seinem neuen Programm »Fast Fertig!« lässt Bauchredner Sascha Grammel wieder zahlreiche beliebte, aber auch neue Figuren über die Bühne tanzen. Oder im Fall von Berg Wolfgang, der in seiner Einsilbigkeit (»Bielefeld«) der Figur des holländischen Käses der Wahrheit (»Neej«) in Nichts nachsteht, auch einfach auf ihr thronen.

In der ausverkauften Seidenstickerhalle nahm Grammel die 4500 Besucher mit auf sein Grammel Island, eine Insel, auf der jede Menge Wortwitz, schräge Einfälle und liebenswerte Puppencharaktere residieren.

Der Doppelhamburger Dr. Peter Hacke

Auf ihr hat unter anderem der Doppelhamburger Dr. Peter Hacke seine neue Passion als Alleinunterhalter gefunden und führt mit hochgezogenen Gürkchen-Augenbrauen einen Persönlichkeitstest mit Sascha Grammel durch. Der erträgt unterdessen die kleinen Frechheiten seiner Puppen, die dem 45-Jährigen als Running Gag eine frappierende Ähnlichkeit mit einem Lama unterstellen. Immer wieder fällt der Bauchredner dabei bewusst aus seiner Rolle heraus und schafft damit eine Metaebene, auf der sich die Puppen ihres Puppendaseins bewusst sind.

»Wenn ich meinen Text nicht kann, dann kannst du ihn auch nicht« sagt der als Captain Jack Sparrow verkleidete Frederic Freiherr von Furchensumpf an einer Stelle und demaskiert die scheinbar so spontanen Dialoge zwischen Mensch und Figur als perfekt choreografierte Monologe. Und der Doppelhamburger Dr. Hacke antwortet auf Grammels Bemerkung »Ich wusste gar nicht, was in ihnen steckt« lapidar »Sie meinen außer ihrer Hand?«. Sascha Grammel zerstört damit gekonnt die Illusion des Eigenlebens seiner Figuren und führt das gesamte Bauchrednertum ad absurdum ohne ihm dabei seine Faszination zu nehmen.

Der Charme von Sascha Grammel

Denn obwohl wiederkehrend die Mechanik der Puppen thematisiert wird besitzen diese eine Persönlichkeit, ein Eigenleben, das selbst durch klar sichtbare Gestänge und Hilfsmittel nicht entzaubert werden kann. Die Schildkröte Josie muss nur ihren Kopf aus dem Panzer strecken und ein wohliges Raunen geht durch das Publikum, selbst eine simple Sockenpuppe ohne Augen (»Jetzt haben mich alle oben ohne gesehen«) hat ihren eigenen Charme.

Und das ist natürlich immer auch der Charme von Sascha Grammel, der es wunderbar schafft mit seinen Puppen das Herz und das Humorzentrum seiner Zuschauer zu erreichen.

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