Di., 10.09.2019

42-Jähriger wurde ursprünglich verdächtigt, Unternehmerfamilie erpressen zu wollen Bielefelder soll Sprengstoff gemixt haben

Das Amtsgericht in Bielefeld.

Das Amtsgericht in Bielefeld. Foto: Friso Gentsch/dpa

Bielefeld (WB/hz). Es waren schwere Vorwürfe: Weil er angeblich eine vermögende Unternehmerfamilie aus dem Kreis Gütersloh erpressen wollte, saß ein Bielefelder (42) wegen der Vorbereitung eines Sprengstoffverbrechens zeitweise in Untersuchungshaft. Die Ermittler von Kripo und Staatsanwaltschaft prüften im Zuge der angeblichen Erpressung , ob der 42-Jährige mit Drohnen seine mutmaßlichen Opfer bombardieren wollte.

Die aus dem Oktober 2017 stammenden schweren Vorwürfe sind inzwischen vom Tisch. Dennoch soll am heutigen Dienstag dem Bielefelder der Prozess wegen Verstoßes gegen das Sprengstoffgesetz gemacht werden, sagte Gerichtssprecher Dr. Roland Pohl.

Vorwurf: Sprengstoff in Wohnung gemixt

Der angeklagte Mann muss sich vor einem Amtsrichter verantworten, weil er in seiner Wohnung an der Apfelstraße vor zwei Jahren Sprengstoff gemischt haben soll. Bei der Verhaftung des Mannes stellten Ermittler 110 Gramm Aluminium und Schwefel sicher. »Experten des Landeskriminalamtes untersuchten das Gemisch und stellten fest, dass es sprengfähig war«, sagte der ermittelnde Staatsanwalt Christopher York. Angaben, was er mit dem explosionsfähigem Gemisch machen wollte, soll der 42-Jährige nicht gemacht haben, sagte York.

Wäre es beim ursprünglichen Vorwurf der Vorbereitung eines Sprengstoffverbrechens geblieben (es drohen bis zu zehn Jahre Haft), hätte sich der Bielefelder vor einer Großen Strafkammer des Landgerichtes verantworten müssen und womöglich eine mehrjährige Strafe kassiert. Dass es nun »nur« einen sogenannten Einzelrichter-Prozess am Amtsgericht gebe, liege unter anderem daran, dass ein Zeuge den Erpressungs-Vorwurf gegen den 42-Jährigen irrtümlich erhoben habe, erklärte der Staatsanwalt. Den einzigen Kontakt, den der Angeklagte mit der vermögenden Unternehmerfamilie gehabt haben soll, sei eine Art Bettelbrief um Geld gewesen. Drohungen habe es nie gegeben.

Weitere Chemikalien beim Bielefelder sichergestellt

Zudem seien weitere Chemikalien, die 2017 beim Bielefelder sichergestellt worden seien, nicht geeignet, einen Sprengstoffanschlag zu verüben, sagte Staatsanwalt York. Die Drohnen, die angeblich selbst gebastelte Bomben abwerfen sollten, hätten sich als Spielzeuge entpuppt.

Dennoch bleiben nach Abschluss der Ermittlungen eine Reihe von Fragen offen. So soll der Bielefelder im Herbst 2017 bei seiner Verhaftung Polizeiangaben zufolge an vier verschiedenen Adressen gemeldet gewesen sein. Wozu der Mann gleichzeitig vier Wohnsitze benötigte, ist bislang nicht bekannt.

 

25 Liter-Fass mit giftigem Stoff: Vor zwei Jahren ABC-Alarm ausgelöst

Zwar durfte der Angeklagte offenbar einen Teil der bei ihm gefundenen Chemikalien besitzen und lagern. Allerdings bestellte der Mann gleich im großen Stil und löste damit im Sommer 2017 einen ABC-Feuerwehreinsatz aus. An der Dornberger Wohnung des 42-Jährigen hatte ein Lieferdienst-Fahrer im Juni vor zwei Jahren ein 25-Liter-Fass mit der giftigen und leicht entzündlichen Chemikalie Methylbenzol abgeladen und stehen lassen, weil der Mann nicht zuhause war. Nachbarn sahen die orangefarbenen Warnaufkleber auf dem Fass und schlugen Alarm.

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