Mi., 11.09.2019

Geschichte des Bielefelder Sprengstoff-Bastlers wird immer skurriler Uni-Tipps zum Mixen von Sprengstoff

Einsatz an der Apfelstraße

Einsatz an der Apfelstraße Foto: Hans-Werner Büscher

Bielefeld (WB/hz). Die Geschichte des Bielefelder Sprengstoff-Bastlers, dem irrtümlich die Erpressung einer reichen Unternehmerfamilie im Kreis Gütersloh vorgeworfen wurde (das WESTFALEN-BLATT berichtete) , wird immer skurriler.

Der 42-Jährige will die Anleitung zum Ansetzen des laut Landeskriminalamt explosionsfähigen Aluminium-Schwefelgemisches ausgerechnet im Internet auf einer Seite einer niedersächsischen Uni gefunden haben.

In der Rubrik für den Chemieunterricht an Schulen werde von der Hochschule detailliert erklärt, wie das Gemisch herzustellen sei, sagte Verteidiger Tobias Diedrich beim Prozess gegen den Sprengstoff-Bastler am Dienstag vor dem Amtsgericht. Dass es sich um Sprengstoff handele, will der Bielefelder nicht gewusst haben, erklärte der Rechtsanwalt und präsentierte einen Ausdruck von der Uni-Internetseite. Bei der Anleitung für den Chemieunterricht sei lediglich vermerkt, dass das Zünden des Gemisches, das Eisen und Stahl zum Glühen bringt, nur von einem Lehrer durchzuführen sei.

Zu 900 Euro Geldstrafe verurteilt

Warum er zig Chemikalien bis zur Größe eines Fasses an verschiedenen Stellen in Bielefeld gehortet hatte, sagte der Sprengstoff-Bastler nicht. Der fünffache Familienvater ließ von seinem Verteidiger nur ausrichten, dass er in seiner Wohnung an der Apfelstraße 110 Gramm des explosionsfähigen Gemisches hergestellt habe. Das habe der Mann, der als selbstständiger Immobiliensanierer und -verwalter arbeite, bei Schweißarbeiten einsetzen wollen.

Der Sprengstoff-Bastler wurde letztlich wegen eines fahrlässigen Verstoßes gegen das Sprengstoffgesetz zu 900 Euro Geldstrafe verurteilt. Dem Angeklagten könne nicht bewiesen werden, dass er wirklich wusste, dass sein Gemisch explosionsfähig sei, sagte Richter Jan-Hendrik Haarmann.

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