Mi., 11.09.2019

Nach Bahnsteig-Brand: Demontage muss bis 14. Oktober abgeschlossen sein Arbeiten bei höchster Gefährdungsstufe

Abriss vom geerdeten Gerüst aus: Bei der Demontage des durch einen Brand beschädigten Dachs über den Bahnsteigen 1 und 2 des Hauptbahnhofes gelten hohe Sicherheitsstandards. Die Arbeiten müssen am 14. Oktober beendet sein.

Abriss vom geerdeten Gerüst aus: Bei der Demontage des durch einen Brand beschädigten Dachs über den Bahnsteigen 1 und 2 des Hauptbahnhofes gelten hohe Sicherheitsstandards. Die Arbeiten müssen am 14. Oktober beendet sein. Foto: Bernhard Pierel

Von Burgit Hörttrich

Bielefeld (WB). Es gilt die höchste von vier möglichen Gefährdungsstufen (null bis drei). Die Männer arbeiten in weißen Schutzanzügen mit Masken vor Mund und Nase. Sie demontieren auf 105 Metern das Dach über den Bahnsteigen 1 und 2 des Bielefelder Hauptbahnhofes.

Bei Schweißarbeiten Ende Juli hatte die Teerpappe Feuer gefangen , Glut und Rauch zogen durch die Holzkonstruktion, ließen Kunststoff verschmoren, zerstörten alle Leitungen. Seitdem ist der betroffene Bereich der Bahnsteige 1 und 2 nicht mehr zugänglich.

Das Paderborner Unternehmen Jolmes, Experte für Schadenssanierung aller Art, hat den Auftrag, unter hohen Sicherheitsvorkehrungen den betroffenen Dachabschnitt zu demontieren. Die Zeit sei dafür ein wichtiger Faktor, sagt Geschäftsführer Wilfried Jolmes: »Bis zum 14. Oktober müssen wir fertig sein, dann halten hier wieder die ICE-Züge.« Am 14. Oktober nämlich sind die Arbeiten der Deutschen Bahn an den drei Brücken Von-der-Recke-Straße, Schildescher Straße und Schillerstraße abgeschlossen, der Bahnverkehr läuft dann wieder im Normalbetrieb auf allen Gleisen.

Neues Dach erst im nächsten Jahr

Stehen bleiben nach dem Abbau nur die Metallträger, ergänzt Jolmes-Betriebsleiter Gorden Winter. Bis dann das neue Bahnsteigdach stehe, dauere es sicher noch bis ins Jahr 2020 hinein. Der Bahnsteig selber könne bis zum Baubeginn aber genutzt werden – wenn auch ohne Dach über dem Kopf für die Fahrgäste.

Zur Zeit ist der Zugang abgesperrt, genauer: eingekapselt. Sicherheitspersonal ist immer vor Ort. Die insgesamt acht Jolmes-Mitarbeiter, die mit Projektleiter Dimitri Ackermann auf der Baustelle tätig sind, ziehen sich beim Zugang in einer Schleuse um. Was sie demontieren, gilt als Sondermüll, der – zerkleinert – zunächst in weißen Säcken gelagert wird. 50 davon sind bereits gefüllt, Ackermann geht davon aus, dass noch weitere 150 dazu kommen werden. Füllmenge dann: 200 Kubikmeter.

Die weißen Säcke würden um das Hauptbahnhofsgebäude herum weggeschafft, um eben als Sondermüll entsorgt zu werden. Es werde auch mitunter nachts gearbeitet – zwischen 0 und 4 Uhr, wenn keine Züge fahren und der Strom in den Oberleitungen abgestellt werden kann.

Kosten in Höhe von 150.000 Euro

Man arbeite sich vom Zentrum des Brandes nach rechts und links außen vor, Sauger werden eingesetzt, um den Raum zwischen Bitumenhaut und Kunststoffverkleidung von herumfliegenden Kleinteilen zu befreien. Hergestellt, so Wilfried Jolmes, werde »der Status quo, die Basis, um dann mit dem Neuaufbau weiter machen zu können«. Er betont, die Arbeiten seien komplexer als man denke, das finanzielle Auftragsvolumen belaufe sich auf rund 150.000 Euro. Man arbeite mit Sachverständigen zusammen, die die gesamte Maßnahme begleiten würden. Denn auch für das Schadstoffsanierung-Unternehmen ist der Auftrag eine Premiere.

In Kunststoffhüllen eingepackt worden sind das Wartehäuschen auf dem Bahnsteig, die Fahrplanhalter, Abfallbehälter, die digitalen Anzeigetafeln, die Uhr. Wenn Kunststoff verbrenne, bilde sich Salzsäure, die vor allem Metall angreifen und beschädigen könne.

Das Gerüst, das immer geerdet sein müsse, damit es nie unter Strom geraten könne, dürfe nie über die Bahnsteigkante hinaus ragen, werde deshalb immer weiter geschoben, wenn die Männer von dort aus arbeiten. Zur Fahrleitung über den Gleisen müsse immer ein Abstand von 1,50 Meter gehalten werden. Und manchmal fährt die Nordwestbahn durch. Ackermann: »Dann bekommen wir aber vorher Nachricht.«

Bauleiter Gorden Winter geht davon aus, dass die Arbeiten bis zum Stichtag erledigt sind: »Ich hoffe, dass wir am Wochenende 12./13. Oktober nicht mehr arbeiten müssen.«

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