Do., 12.09.2019

Gesellschaftsspiel »Der große Reibach« jetzt in Bielefelder Läden erhältlich Skrupellose Banker gewinnen

Zufrieden: Thomas Middelanis (von links), Martin Middelanis und Nils Brünger mit ihrem Spiel »Der große Reibach« im Laden »Fairticken« in der Bielefelder Wilhelmstraße. Die Erfinder setzen auf Nachhaltigkeit.

Zufrieden: Thomas Middelanis (von links), Martin Middelanis und Nils Brünger mit ihrem Spiel »Der große Reibach« im Laden »Fairticken« in der Bielefelder Wilhelmstraße. Die Erfinder setzen auf Nachhaltigkeit. Foto: Hannah Hiese

Von Hannah Hiese

Bielefeld (WB). Es ist soweit: Das Gesellschaftsspiel »Der große Reibach« ist produziert und in ausgewählten Läden in Bielefeld, in anderen Städten und im Internet erhältlich. Entwickelt wurde das Spiel von vier Studenten – und das insgesamt sechs Jahre lang.

Die Erfindung des Spiels

Was mit einer fixen Idee nach einem »Die Ärzte«-Konzert in Berlin begonnen hat, ist geschafft. Die vier Bielefelder Martin Middelanis, Thomas Middelanis, Nils Brünger und Nils Büteröwe haben ihr erstes Gesellschaftsspiel auf den Markt gebracht. Sechs Jahre lang haben die Studenten dieses mit viel Liebe fürs Detail entwickelt, getestet und optimiert.

Und das Ergebnis kann sich sehen lassen: Ein fast ausschließlich nachhaltig produziertes Strategiespiel, das nicht nur Spaß macht, sondern zusätzlich auf eine humorvolle Art gesellschaftskritisch ist.

»Der große Reibach« ist ein Karten- und Brettspiel für zwei bis fünf Spieler. Empfohlen wird ein Mindestalter von 16 Jahren. Die Spieler übernehmen die Rollen von skrupellosen Bankern, die ihre Kunden vor allem als Geldquelle sehen. Der Spieler, der am Ende das meiste Geld hat, gewinnt. Und dabei sind den Bankern alle Mittel recht: Von der Beschäftigung korrupter Politiker bis zu altmodischen Banküberfällen.

Auch nach mehreren Partien scheint »Der große Reibach« seinen Reiz nicht zu verlieren. So geht es zumindest Erfinder Thomas Middelanis: »Ich spiele es nach wie vor jeden Abend mit einem Kumpel.«

Nachhaltige Produktion

Bei der Produktion des Spiels habe für die Studenten nicht der Gewinn, sondern das Thema Nachhaltigkeit im Vordergrund gestanden. Das sei schon allein wegen der kapitalismuskritischen Komponente in »Der große Reihbach« notwendig gewesen.

Das Spiel durch einen bereits bestehenden Verlag herstellen und vermarkten zu lassen, kam daher nicht in Frage. »Natürlich war das zunächst eine Überlegung. Letztendlich war der Punkt Nachhaltigkeit aber nicht mit den Verlagen zu vereinbaren«, sagt Thomas Middelanis. Oft hieß es, die Vorstellungen des Erfinderteams seien »nicht wirtschaftlich«.

Geschafft haben es die Bielefelder auch ohne fremde Hilfe. Nach Gründung eines eigenen Verlages, die »Kasimir Hahn Spielefabrik«, stand der Produktion fast nichts mehr im Wege. Nur ein Problem gab es: Den Studenten fehlte das Geld für die Herstellung.

Finanziert wurde ihr Projekt schließlich zur Hälfte durch Crowd­funding, den Rest ermöglichte ein Kredit.

Sechs Wochen lief die Spendenaktion auf der Crowdfunding-Plattform »Startnext« – insgesamt konnten dort 11.192 Euro gesammelt werden. »Am Anfang kamen die Spender größtenteils aus unserem Freundes- oder Bekanntenkreis. Mit der Zeit spendeten aber auch Menschen, die wir nicht kannten«, berichtet Martin Middelanis. Viele davon aus Bielefeld. Je nach Spendenhöhe erhielten die Unterstützer im Gegenzug für ihren Beitrag das Spiel oder ein selbstgestaltetes Poster. Viele hätten auch ganz ohne Gegenleistung gespendet.

Der Verkauf

Verkauft wird »Der große Reibach« seit etwa drei Wochen in ausgewählten Läden in Bielefeld. Dazu gehören unter anderem »Spielraum« am Sparrenberg, die Buchhandlung Schwarz in Ummeln, der Bioladen Lebensbaum in der Arndtstraße und »Fairticken« in der Wilhelmstraße.

»Uns hat das Spiel überzeugt. Vor allem die nachhaltigen Materialien passen zu unserem Laden«, sagt Lukas Klein von »Fairticken«. Auch in Berlin, Bremen, Heidelberg oder Frankfurt am Main konnten die Studenten einzelne Läden für sich gewinnen. Auf einer eigenen Website ist »Der große Reibach« außerdem online erhältlich.

»Uns ist es aber am liebsten, wenn die Leute das Spiel im Einzelhandel kaufen. Wir verdienen dann zwar deutlich weniger, das Spiel muss aber nicht versendet werden und das ist umweltfreundlicher«, betont Nils Brünger.

Wie es weiter geht

Den Kredit in Höhe von 10.000 Euro konnten die Studenten noch nicht zurückzahlen. Weil der Verkauf erst begonnen hat, sei das auch kein Wunder. Ungefähr 260 Spiele, inklusive der Exemplare für das Crowdfunding, seien bisher verkauft worden. »Uns ist es wichtig, möglichst deutschlandweit ein Netzwerk aufzubauen, so dass man das Spiel dann in jeder Stadt kaufen kann«, erklärt Martin Middelanis. Noch mehr Läden in Bielefeld würden die Studenten daher nicht zwangsläufig für den Vertrieb von »Der große Reibach« gewinnen wollen.

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