Do., 12.09.2019

Angeklagter Heilpraktiker zeigt sich nicht geständig Kindesmissbrauch: Physiotherapeut spricht von »spezieller Therapie«

Ein Physiotherapeut aus Bad Oeynhausen und seine Frau stehen vor dem Landgericht Bielefeld.

Ein Physiotherapeut aus Bad Oeynhausen und seine Frau stehen vor dem Landgericht Bielefeld. Foto: Christian Althoff

Bielefeld (dpa). Weil er in seiner Praxis immer wieder Kinder sexuell schwer missbraucht haben soll, steht ein Physiotherapeut aus Bad Oeynhausen seit diesem Donnerstag vor dem Landgericht Bielefeld.

Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor seine berufliche Tätigkeit ausgenutzt zu haben, um an jungen Mädchen sexuelle Handlungen vorzunehmen. So soll er unter anderem mit dem Finger in sie eingedrungen sein. Außerdem soll er Fotos von nackten Patientinnen und ihres Genitalbereichs gemacht haben.

Eheferau wegen Beihilfe angeklagt

Bei Hausdurchsuchungen hatte die Polizei tausende Bilder und Videos sichergestellt, die entweder nackte Kinder zeigen oder solche, denen schwere sexuelle Gewalt zugefügt wird. In der Anklage legt die Staatsanwaltschaft dem Beschuldigten insgesamt 44 Taten seit 2010 zur Last - darunter auch einzelne Fälle von Körperverletzung und Nötigung. Die acht Opfer waren laut Anklage im Tatzeitraum zwischen sechs und zwölf Jahren alt. Wegen Beihilfe zum Kindesmissbrauch angeklagt ist seine ein Jahr ältere Ehefrau. Sie soll bei einigen Taten anwesend gewesen sein oder den Kindern gesagt haben, die Handlungen gehörten zur Therapie.

Nicht geständig

Für den übernächsten Verhandlungstag am 7. Oktober kündigten beide Verteidiger eine Aussage ihrer Mandanten an. Der angeklagte Heilpraktiker werde sich jedoch nicht geständig zeigen, sagte seine Verteidigerin. Die schriftliche erste Aussage solle eher erläutert und erklärend zu seiner »speziellen manuellen Therapie« sein. Dazu will das Gericht auch einen Physiotherapeuten als Sachverständigen laden.

NRW-Innenminister räumt Polizeipannen ein

Der Fall war im April 2019 bekannt geworden, den ersten Hinweis gab es 2017 . Wie schon nach Polizeipannen im Missbrauchsfall von Lügde hatte Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul (CDU) auch bei den Ermittlungen in Bad Oeynhausen Polizeifehler eingeräumt . So waren die Ermittlungen nur mit erheblichen Verzögerungen vorangekommen. Erst 16 Monate nach dem ersten Hinweis hatte es beim Heilpraktiker eine Durchsuchung gegeben.

Im Prozess um den hundertfachen Kindesmissbrauch auf einem Campingplatz in Lügde waren vergangene Woche zwei Angeklagte zu langjährigen Haftstrafen und anschließender Sicherungsverwahrung verurteilt worden. Die beiden hatten jahrelang insgesamt 32 Kinder sexuell missbraucht.

 

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