Fr., 13.09.2019

Prozessauftakt am Landgericht um den Handel mit fast 210 Kilo Rauschgift Das Drogenkartell von Bielefeld

Strafverteidiger Clemens Louis hält dem Angeklagten Taylan C. (31) bei Prozessauftakt eine Akte vor das Gesicht.

Strafverteidiger Clemens Louis hält dem Angeklagten Taylan C. (31) bei Prozessauftakt eine Akte vor das Gesicht. Foto: Jens Heinze

Von Jens Heinze

Bielefeld (WB). Es ist eines der größten Drogenverfahren, das je vor dem Landgericht geführt worden ist: Ein aus dem kurdischen Jesidenclan M. und dem Deutsch-Türken Taylan C. (31) bestehendes Kartell soll vier Jahr lang mit 208 Kilo Rauschgift gehandelt haben. Die mutmaßlichen Dealer aus Bielefeld sollen bei den kriminellen Geschäften Hunderttausende Euro verdient haben.

Seit Donnerstag wird dem in Untersuchungshaft sitzenden Deutsch-Türken der Prozess gemacht. Taylan C., der als Kronzeuge gegen den schwer kriminellen Jesidenclan M. gilt, sagte umfassend gegen sich und seine mutmaßlichen Komplizen aus .

Zweiter Prozess gegen vier Mitglieder des Jesidenclans geplant

Seine Angaben sind immens wichtig für den anstehenden zweiten Prozess vor dem Landgericht. In diesem Verfahren müssen sich vier Angehörige des Jesidenclans wegen des Drogenhandels im großen Stil verantworten: Familienoberhaupt Adil M. (53) und seine Söhne Cihan (33), Özgür (32) und Diyar Jack (19). Der Vater und seine Sprösslinge schweigen bislang zu den Vorwürfen.

Staatsanwalt Daniel Jobes wirft Taylan C. vor, von Anfang 2015 bis zur Festnahme am 16. März dieses Jahres in den Handel mit 190 Kilo Marihuana, 16 Kilo Haschisch und zwei Kilo Kokain verstrickt gewesen zu sein. Zur Tatzeit stand der 32-Jährige wegen einer anderen Rauschgifttat unter Bewährung.

Die mutmaßlichen Dealer lebten offiziell von Sozialhilfe

Mit den vornehmlich in Bielefeld abgewickelten Drogendeals soll in gut vier Jahren ein Gewinn von mehr als 611.000 Euro erzielt worden sein. Offiziell lebten die mutmaßlichen Dealer von Sozialhilfe.

Treibende Kräfte des Kartells sollen zuerst Taylan C. und der Jesidenspross Özgür M. (32) gewesen sein. Beide kennen sich seit der ersten Klasse der Grundschule, Der Deutsch-Türke bezeichnete Özgür M. im Prozess als seinen »besten Freund« bis zur Inhaftierung. Im Frühjahr vergangenen Jahres sollen Özgürs Brüder Cihan und Diyar Jack M. in die kriminellen Geschäfte eingestiegen sein. Vater Adil M. soll im Hintergrund die Fäden gezogen haben.

Das Bielefelder Drogenkartell war international tätig

Das Bielefelder Drogenkartell war international tätig. Ihr Rauschgift bezogen die Angeklagten vor allem von einem nicht ermittelten Großdealer, den die Ermittler den »Spanier« nennen. Der Kontakt lief konspirativ über verschlüsselte Mobiltelefone ab, sagte Taylan C. »Es kam auch nie der Boss aus Spanien, sondern verschiedene Fahrer, die Autos mit gefälschten Kennzeichen fuhren«, beschrieb der Angeklagte die Lieferung der in großen Reisetaschen verpackten Drogen.

Die Kartellmitglieder sollen das Rauschgift hier in drei Depots gebunkert haben: Am Wohnsitz des Jesidenclans M. zwischen Jöllenbecker- und Schloßhofstraße, an der Ernst-Rein-Straße und an der Graf-von-Stauffenberg-Straße. An den beiden letztgenannten Orten soll Taylan C. gedealt haben.

Polizisten übersehen bei Durchsuchung ein Drogenversteck

Als Polizisten am 16. März dieses Jahres die Häuser und Wohnungen des Kartells stürmten, stellten sie fast 60 Kilo Drogen sicher. Das Kellerversteck im Haus des Jesidenclans fanden die Ermittler nicht. Als sechs Wochen später beim Clan erneut durchsucht wurde, war das Depot leer.

Kronzeuge Taylan C. ist sieben Mal vorbestraft, unter anderem wegen Rauschgiftverstößen. Aus einem Urteil des Amtsgerichts Bielefeld geht hervor, dass der 32-Jährige und sein »bester Freund« Özgür M. viel länger im Drogenhandel verstrickt waren als jetzt angeklagt. Beide sollen bereits im Jahr 2013 groß gedealt haben. Taylan C. verkaufte unter anderem einer Schülerin (15) Rauschgift.

Kommentare

Klar...

Toll, was bei uns so alles möglich ist, bis scheinbar zumindest eine Aufnahme des Verfahrens eingestilt wird.
Mir welchem Ausgang, ...wissen wir noch nicht !!!

1 Kommentare

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