Mi., 18.09.2019

Stein symbolisiert das Ende der Bielefeld-Verschwörung – Anlaufpunkt bei Stadtführung Jetzt ist Schluss mit lustig

Roter Teppich für einen Gedenkstein: Er soll das Ende der Bielefeld-Verschwörung nach 25 Jahren symbolisieren. Und das Ende von #bielefeldmillion.

Roter Teppich für einen Gedenkstein: Er soll das Ende der Bielefeld-Verschwörung nach 25 Jahren symbolisieren. Und das Ende von #bielefeldmillion. Foto: Bernhard Pierel

Von Burgit Hörttrich

Bielefeld (WB). Der Oberbürgermeister steht unter Termindruck. Die knappe Zeit aber widmet Pit Clausen am Dienstag der »Weltpresse« (SAT 1, RTL und so), um vier Wochen nach Ausrufung des Wettbewerbes »#bielefeldmillion« ein für alle Mal festzustellen: »Ja, Bielefeld gibt es!«

Bedeutet: Keiner der gut 2000 Einsender kann den Beweis des Gegenteils antreten – alle sind widerlegt. Oberbürgermeister Pit Clausen kann die Million Euro in der Stadtkasse belassen und damit nach 25 Jahren die Bielefeld-Verschwörung (»Bielefeld gibt’s ja gar nicht«) für beendet erklären.

Clausen hegt selbst ein paar Bedenken daran. Aber zumindest ein Kapitel sei abgeschlossen, betont er. Gleichzeitig bleibt die Bielefeld-Verschwörung buchstäblich in Stein gehauen. Enthüllt wird ein Gedenkstein, ein 600 Kilogramm schwerer Findling mit der Aufschrift »Bielefeld-Verschwörung 1994-2019«. Der soll, sagt Martin Knabenreich, Geschäftsführer der Bielefeld Marketing, »bei den Stadtführungen fester Anlaufpunkt werden«.

»Wir fallen nicht auf Fakes ‘rein«

Der Stein steht auf dem Altstädter Kirchplatz, Eigentum der Altstädter Nicolai-Kirchengemeinde. Pfarrer Armin Piepenbrink-Rademacher versichert, er habe das Votum des Presbyteriums eingeholt. Dieser Stein beweise auch: »Wir fallen nicht auf Fakes ‘rein.«

Knabenreich präsentiert ein »Bielefeld-Ortsschild von 1214« (»Wenn das nicht Beweis genug ist...«) und kann nicht verhehlen, wie stolz er auf die Marketing-Aktion ist: »Ja, sie hat alle Erwartungen weit übertroffen.« Es seien Reaktionen aus aller Welt gekommen – aus Neuseeland wie aus Südamerika, berichtet hätten zum Beispiel die »New York Times«, »The Guardian«, die BBC oder die »New York Post«, Zeitungen in Japan, China, Indien, Kanada, Mexiko, Australien und zahllose soziale Medien, »sogar als Breaking News«.

Die Einsender, die die Nicht-Existenz Bielefelds unter Beweis stellen (und die Million gewinnen) wollten, seien »enorm kreativ« gewesen: »Es gab Beweisführungen in Comic-Form oder aus dem Bereich der Quantenmechanik.« Es habe nicht an Erstaunen darüber gefehlt, dass »Deutsche und speziell Bielefelder Humor« hätten.

Argumentationen aus Mathematik und Geschichte

Knabenreich legt Wert darauf, dass die Beweisversuche ob ihrer Fülle nicht etwa einfach abgetan worden seien, sondern gesichtet und wissenschaftlich überprüft worden seien. Er spricht von mitunter seitenlangen Abhandlungen mit Argumentationen aus Mathematik, Physik, Logik und Geschichte. Er räumt ein: »Für Laien waren diese Abhandlungen oft gar nicht nachvollziehbar.« Deshalb habe man sich Unterstützung bei der Universität und beim Stadtarchiv geholt.

Selbst Achim Held, der Erfinder oder zumindest derjenige, der die Bielefeld-Verschwörung als erster verbreitet hat, ist inzwischen überzeugt. »Ja, ich habe das Gefühl, dass ich tatsächlich hier bin, in Bielefeld«, versichert er. Hätte man ihm vor 25 Jahren gesagt, welche Wellen der ursprüngliche Studenten-Ulk dereinst schlagen würde, er hätte es nicht geglaubt, so Held. Für ihn ist der Erfolg der Marketing-Aktion aber auch eine Aufforderung an die Bielefelder, »nicht mehr mit ihrer Stadt zu fremdeln, sondern selbstbewusst für Bielefeld einzutreten«.

Wer sich in die »Beweislage« einlesen möchte: Eine Auswahl der aufwendigsten Einsendungen gibt es hier. Und damit Bielefeld auch etwas hat von der Aktion, werden unter allen Teilnehmern Besucher-Wochenenden in Bielefeld verlost. Das könnte den Städte-Tourismus ankurbeln.

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