Mo., 23.09.2019

Demo gegen den Ausbau der B 61 in Bielefeld und Gütersloh mit deutlich mehr Teilnehmern als erwartet 1500 Radfahrer setzen ein Zeichen

Auf der Artur-Ladebeck-Straße fahren die Bielefelder Teilnehmer des Protestes zum Schenkenhof nach Isselhorst.

Auf der Artur-Ladebeck-Straße fahren die Bielefelder Teilnehmer des Protestes zum Schenkenhof nach Isselhorst. Foto: Bernhard Pierel

Von Peter Bollig und Stefan Lind

Bielefeld (WB). Mit 400 Teilnehmern hatten sie gerechnet, gekommen sind 1500: Die Fahrrad-Demo der AG Verkehrswende und der Initiative Radentscheid gegen den geplanten Ausbau der Bundesstraße 61 hat sich am Sonntag aus Sicht der Veranstalter als unerwartet großer Erfolg erwiesen.

In Bielefeld startete das Teilnehmerfeld mit 600 Fahrradfahrern zur Kundgebung nach Isselhorst vom Kesselbrink aus. Vorne weg: Andreas Finke von der Initiative Radentscheid, die auf Bielefelder Seite den Protest gegen den Ausbau der B 61 organisiert hatte.

Hinter ihm formierten sich Radler auf Renn- und Tourenrädern, auf Tandems, Liegerädern und Lastenrädern, teils bunt bemalt, ausgestattet mit Fahnen und Anhängern. Besonders augenfällig und schon bei der Bielefelder Klima-Demo am Freitag dabei waren die »Klima-Engel« vom Radentscheid in weißer Montur mit Flügeln und weißen Fahrrädern.

Eine Stunde hatten die Bielefelder für die zwölf Kilometer bis zum Schenkenhof eingeplant. Noch vor dem Ziel sollten sich die Teilnehmer der Bürgerinitiative Energiewende aus Gütersloh, die am Schenkenhof erst einmal vorbeifuhren, in Ummeln bei den Teilnehmern aus Bielefeld einreihen, um dann gemeinsam als Gruppe am Schenkenhof anzukommen.

Radschnellweg statt Autostraße

Dort bekräftigte Anette Klee, die die Veranstaltung erst vor knapp drei Wochen angemeldet hatte, in einer kurzen Rede, die immer wieder von Beifall unterbrochen wurde, die Entschlossenheit der Demonstranten: »Wir haben keine Zeit zu verlieren, um zu zeigen, was wir nicht wollen.« Ihre Forderung: »Kein Ausbau, nicht jetzt und nicht später.« Notwendig sei eine echte Verkehrswende: »Wir brauchen nicht immer mehr Autos, die uns die Luft zum Atmen nehmen.«

Obwohl der geplante Ausbau der Bundesstraße 61 (Gütersloher Straße) Bielefeld nur auf einem kurzen Stück betrifft, sieht sich auch die Initiative Radentscheid auf den Plan gerufen. Generell sei es »sinnlos, eine Straße für Autos auszubauen«, sagt Radentscheid-Sprecher Michael Schem. Denn die Zukunft der Mobilität dürfe nicht aufs Auto ausgerichtet sein. »Man sollte das Geld lieber für einen Fahrradschnellweg ausgeben«, sagt Schem. Den sieht seine Initiative insbesondere auf der Artur-Ladebeck-Straße in Bielefeld, im weiteren Verlauf als Verbindung zwischen Gütersloh und Bielefeld eben auch entlang der Bundesstraße 61.

Groß ist die Betroffenheit in Gütersloh. Felix Kupferschmidt, Sprecher der AG Verkehrswende in der Bürgerinitiative Energiewende, stellt heraus, dass die Bevölkerung überhaupt nicht mehr nach ihrem Willen befragt werde. Die Planungen seien viele Jahre alt und entsprächen nicht mehr dem Pariser Klimaschutzabkommen. Nicht nur viele Alleebäume würden dem Kfz-Verkehr zum Opfer fallen, auch eine verdoppelte Bodenversiegelung mit einer 20 Meter breiten Trasse, erheblicher Lärmzunahme und 7000 zusätzliche Fahrzeuge durch Gütersloh seien zu erwarten.

Wenig Verständnis

»Was über allem steht, ist jedoch der zunehmende Treibhausgasausstoß«, so Kupferschmidt. Damit stünde der Ausbau allen Klimaschutzbemühungen entgegen. Unter dem Eindruck der Rückmeldung aus der Bevölkerung sind die Umweltschützer, die sich seit Jahren mit dem Thema auseinandersetzen, zu dem Schluss gekommen, dass es bei den Menschen immer weniger Verständnis für weiteren Straßenbau gebe.

Die Gütersloher Ortsgruppe von »Fridays for Future« hat sich an der Fahrrad-Demo beteiligt. »Der Ausbau der B 61 ist ein Zeichen einer veralteten Planung, die nicht zur Verkehrsentlastung beiträgt, sondern lediglich das Gegenteil bewirkt. Besonders angesichts der dringend notwendigen Verkehrswende ist dies absolut nicht angemessen«, betont Aktivistin Michelle Beste.

Auch andere Aktivisten haben ihren Widerstand gegen die Pläne des Landesbetriebs Straßen NRW deutlich gemacht. Sie schrieben ihren Protest auf die Bäume der als Allee angelegten Bundesstraße. Straßen NRW indes erklärte wiederholt, dass es noch völlig unklar sei, ob und in welchem Umfang Bäume für den Straßenausbau gefällt werden müssten.

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