Mi., 25.09.2019

50 Grundstücksbesitzer sollen die Chance haben, Steine kostenlos zu entsorgen Politik contra Schottergärten

Schottergärten sind SPD, Grünen, Bürgernähe/Piraten ein Dorn im Auge. Sie wollen Richtlinien dagegen.

Schottergärten sind SPD, Grünen, Bürgernähe/Piraten ein Dorn im Auge. Sie wollen Richtlinien dagegen. Foto: Bernhard Pierel

Von Burgit Hörttrich

Bielefeld  (WB). Jeder kennt sie: graue, geschotterte Steinflächen, darin zurecht gestutzter Bux oder ein einsamer, junger Baum. Und: Sie scheinen sich immer weiter zu vermehren. Mit einem Antrag für den Ausschuss für Umwelt und Klimaschutz (1. Oktober) wollen SPD, Grüne, Bürgernähe/Piraten der vermeintlich »pflegeleichten« (Vor-)Gartengestaltung einen Riegel vorschieben.

Dabei setzen sie nicht nur auf Richtlinien und Verbote, sondern auf Einsicht und Anreiz. So sollen die ersten 50 Grundstücksbesitzer, die aus ihrer Schotterfläche wieder einen naturnahen Garten machen wollen, ihre Steine kostenlos abfahren und entsorgen lassen können.

Vor allem aber soll in Bebauungsplänen künftig festgeschrieben werden, dass im jeweiligen Geltungsbereich Stein-, Schotter- und Kiesgärten nicht erlaubt sind. Martin Wörmann, Leiter des städtischen Umweltamtes, unterstützt das: »Die Formulierungen in neuen Bebauungsplänen müssen zweifelsfrei und klar sein, was die Gestaltung von Vorgärten angeht.«

Nachträgliches Verbot nicht möglich

Im Nachhinein lassen sich geschotterte Grundstücksflächen nicht verbieten. Es gebe jedoch Städte, die eine Satzung für die Begrünung von Stellplatz- und Lagerflächen erlassen hätten. Bei der Neuaufstellung von Bebauungsplänen greift die Landesbaugesetzgebung. Darin heißt es: »Die nicht überbaubaren Grundstücksflächen zwischen Baugrenzen und Straßenbegrenzungslinien (Vorgarten) sind als Vegetationsflächen anzulegen und dauerhaft zu unterhalten.«

Schon heute werde im Baugenehmigungsverfahren die Einhaltung dieser Festsetzung geprüft und bei Bedarf eingefordert. Allerdings: Eine dauerhafte Kontrolle von Vorgärten ist wohl schon allein aus Personalgründen nicht möglich. Martin Wörmann, der im Naturschutzbeirat über die Problematik von Schottergärten sprach, versichert: »Städtische Vorgartenkontrolleure wird es nicht geben.« Dabei sei klar, dass bei einer Bauabnahme Gärten selten bis nie bereits angelegt seien.

Ihre Bebauungspläne entsprechend angepasst haben Städte wie Halle/Westfalen , Heilbronn, Xanten und Waltrop. Weil Schotter- und Kiesflächen als teilversiegelt gelten, gibt es Kommunen, die solche Bereiche in die Berechnung der Gebühren für abfließendes Regenwasser mit einbeziehen. Selbst die Landtage von Niedersachsen und Baden-Württemberg haben sich schon mit Schottergärten beschäftigt.

Anzahl im vierstelligen Bereich

SPD, Grüne, Bürgernähe/Piraten weisen in ihrem Antrag darauf hin, dass Schottergärten »zu Lasten der Artenvielfalt, des Klimas, der Umwelt und auch der Menschen« gehen würden.

Deshalb werde die Verwaltung darum gebeten, in künftigen Bebauungsplänen die Anlage von Schottergärten zu verhindern, eine Kampagne zur Aufklärung über Schottergärten zu initiieren und, wenn möglich, Fördergelder einzuwerben.

Auch Martin Wörmann, der schätzt, dass die Anzahl von Schottergärten in Bielefeld inzwischen im vierstelligen Bereich liege, setzt auf Öffentlichkeitsarbeit und Aufklärung. Das Umweltamt arbeite an Tipps für Grundstücksbesitzer, wie pflegeleichte Vorgärten geschaffen werden könnten, ohne sie gleich in Steineinöden zu verwandeln. Wörmann: »Die Tipps sollen online abrufbar sein.«

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.

Google-Anzeigen

© WESTFALEN-BLATT
Vereinigte Zeitungsverlage GmbH

Alle Inhalte dieses Internetangebotes, insbesondere Texte, Fotografien und Grafiken, sind urheberrechtlich geschützt. Verwendung nur gemäß der Nutzungsbedingungen.

Mehr zum Thema

Anzeige


https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6956370?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198387%2F2513179%2F