Di., 01.10.2019

Geflohener Häftling Daniel V. aus Bielefeld in Serbien gefasst »Unser Sohn braucht Hilfe«

Die Vollzugsanstalt Werl: Hier saß Daniel V. vor seiner Flucht in Sicherungsverwahrung.

Die Vollzugsanstalt Werl: Hier saß Daniel V. vor seiner Flucht in Sicherungsverwahrung. Foto: dpa

Von Christian Althoff

Bielefeld (WB). Häftling Daniel V., (32), der im März in Bad Salzuflen zwei Justizbeamten entkommen war, ist nach Angaben seiner Familie in Serbien festgenommen worden.

Dort soll er sich seit längerem in dem 18.000-Einwohner-Ort Futog aufgehalten haben. Er wohnte zuletzt offenbar völlig unbehelligt in einem Haus, das seinen in Bad Salzuflen lebenden Eltern gehört. Daniel V. soll jetzt in Novi Sad hinter Gittern sitzen.

Die Bielefelder Polizei sagte gestern, ihr sei von einer Festnahme nichts bekannt. Das Bundeskriminalamt lehnte mit Hinweis auf Datenschutz Auskünfte zu dem Fall ab.

Nach der Flucht des psychisch kranken Mannes am 20. März hatte die Polizei Schutzvorkehrungen getroffen, weil ihr Racheakte gegen Richter und andere Prozessbeteiligte nicht ausgeschlossen schienen. Daniel V. hatte 2014 einen Mann niedergeschossen, weil der ihn ignoriert hatte. Das Opfer überlebte. Daniel V., vorbestraft wegen Raubüberfällen, wurde wegen gefährlicher Körperverletzung verurteilt. Weil er weiter als Gefahr für die Allgemeinheit galt, kam er nach Verbüßung der Haft in die Sicherungsverwahrung, eine spezielle Abteilung der Justizvollzugsanstalt Werl (Kreis Soest).

Daniel V. nutze Besuch bei seinen Eltern zur Flucht

Begleitet von zwei Justizbeamten durfte V. im März seine Eltern besuchen. Nach einem überwachten gemeinsamen Einkaufsbummel in Bad Salzuflen ging es zum Reihenhaus der Eltern. Dort saßen die Justizbeamten mit den Eltern beim Kaffee, als V. ins Bad ging. Er schloss ab und floh durchs Fenster, was erst später bemerkt wurde. V. entkam mit dem Opel seines Vaters, und er hatte Geld dabei. Das hatte ihm seine Mutter zugesteckt, weil er sie darum gebeten haben soll: »Er sagte, er wollte für seine Freunde in Werl CDs kaufen.«

Daniel V. schaffte es, ohne Papiere Serbien zu erreichen und meldete sich dort bei einer Verwandten. Etwa fünf Tage nach der Flucht rief diese Verwandte die Eltern in Salzuflen an und sagte ihnen, ihr Sohn sei in Serbien. Dieses Telefonat war der deutschen Polizei bekannt.

»Er braucht doch ärztliche Hilfe«

Vor etwa drei Wochen fuhr der Vater des Gesuchten mit dem Wagen eines Bekannten zu seinem Sohn nach Serbien. Die Mutter: »Wir wollten, dass Daniel zurückkommt. Er braucht doch ärztliche Hilfe.« Er habe in Serbien ohne seine Medikamente einen Rückfall gehabt, und es gehe ihm nicht gut. »Unser Sohn gehört nicht in die Sicherungsverwahrung, er gehört in Behandlung!« Dem Gesuchten soll in der vergangenen Woche zum Verhängnis geworden sein, dass er keine Personalpapiere besaß und mit dem Auto eines Verwandten unterwegs war. Die Mutter: »Er kam in eine Kontrolle und konnte sich nicht ausweisen. Da haben sie ihn mitgenommen.«

Nach Angaben der Mutter soll die Polizei nach einem Blick in den Computer gesehen haben, dass ihr Sohn gesucht wird. »Er hat jetzt einen Anwalt in Serbien. Wir wissen nicht, wie es weitergeht. Am liebsten wäre uns, Daniel käme zurück.«

Sein Vater sagte gestern Abend am Telefon, dass sein Sohn bereit sei, freiwillig nach Deutschland zurückzukehren: »Er ist sehr enttäuscht, dass man ihm zugetraut hat, er würde etwas gegen Richter oder Anwälte unternehmen. Das hat ihn sehr getroffen. So ein Mensch ist er nicht.« Sein Sohn wolle jetzt optimistisch nach vorne sehen.

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