Fr., 11.10.2019

Staatsschutz ermittelt – Polizei verstärkt Präsenz nach Angriffen in Halle Jüdische Kultusgemeinde Bielefeld erhält Drohbrief

»Die sichtbare Polizeipräsenz ist gut und wichtig«, sagt Irith Michelsohn (Jüdische Kultusgemeinde).

»Die sichtbare Polizeipräsenz ist gut und wichtig«, sagt Irith Michelsohn (Jüdische Kultusgemeinde). Foto: Bernhard Pierel

Von Stefan Biestmann

Bielefeld (WB). Nach dem Anschlag auf eine Synagoge in Halle/Saale und der Tötung von zwei Menschen durch einen schwerbewaffneten Täter wird die Bielefelder Synagoge von der Polizei stärker geschützt. So bewachen Uniformierte unter anderem die Eingangsschleusen für Besucher des Gebäudes an der Detmolder Straße.

»Ich empfinde sehr große Bestürzung, dass es soweit gekommen ist, dass in Deutschland eine jüdische Gemeinde angegriffen wird«, sagt Irith Michelsohn, Vorsitzende der Jüdischen Kultusgemeinde Bielefeld. Nach den Angriffen in Halle verspürten vor allem ältere der insgesamt 320 Gemeindemitglieder Angst. »Ich habe ihnen gesagt, dass wir beschützt werden. Die sichtbare Polizeipräsenz ist gut und wichtig«, sagt Irith Michelsohn. Aber sie weiß auch: »Eine hundertprozentige Sicherheit gibt es nicht.«

»Die jüdischen Gemeinden dürfen nicht einknicken«

Die jüdische Gemeinde beschäftige bereits einen eigenen Sicherheitsmitarbeiter, der vom Land bezahlt werde und unter anderem alle Besucher am Eingang kontrolliere. Vor den Angriffen in Halle soll es nach Angaben von Michelsohn zuletzt keine 24-Stunden-Präsenz der Polizei an der Synagoge gegeben haben. Die Polizei sei aber regelmäßig Streife gefahren. »Zu den einzelnen Schutzmaßnahmen machen wir keine Angaben«, sagt Polizeisprecherin Sonja Rehmert.

Aber sie betont, dass die Polizei zuletzt bei allen Gottesdiensten der Gemeinde präsent gewesen sei. Zudem seien zusätzlich auch Zivilstreifen vor Ort gewesen. Die Gottesdienst nutzte die Gemeinde auch, um der Opfer der Angriffe in Halle zu gedenken. Michelsohn erläuterte den Gemeindemitgliedern zudem die verstärkten Polizeimaßnahmen. »Die jüdischen Gemeinden dürfen nicht einknicken«, sagt Michelsohn. »Wir wollen weiter ein aktives Gemeindeleben führen.«

Polizei übergibt Drohbrief an Staatsanwaltschaft

Dabei habe die Gemeinde erst in der vergangenen Woche einen anonymen Drohbrief erhalten. »Darin stand, dass wir hier verschwinden sollen«, berichtet Michelsohn. Der Verfasser habe unter anderem kritisiert, dass die jüdische Synagoge in der ehemaligen evangelischen Paul-Gerhardt-Kirche beheimatet sei. Sie habe den anonymen Brief dem Staatsschutz der Polizei übergeben, berichtet Michelsohn. »Der Staatsschutz hat die Ermittlungen aufgenommen«, bestätigt Polizeisprecherin Sonja Rehmert. In Kürze solle der Brief zur rechtlichen Bewertung an die Staatsanwaltschaft übergeben werden.

Ende April soll es zudem nach Angaben von Irith Michelsohn einen weiteren Vorfall gegeben haben. Ein Unbekannter soll versucht haben, gewaltsam in die Synagoge zu gelangen. Weil das misslang, soll er sich mit wilden Gesten vor die Überwachungskamera gestellt haben und nach Angaben von Michelsohn das Klingelschild bespuckt haben . Der Fall sei nicht zur Anzeige gebracht worden, da kein Sachschaden entstanden sei.

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