Fr., 11.10.2019

Bestürzung auch in OWL – Landespolitiker zeigen sich solidarisch Anschlag in Halle/Saale: Sorge bei den jüdischen Gemeinden in OWL

Ein Streifenwagen steht am Donnerstag vor Synagoge in Paderborn. Auch dort wurde der Schutz verstärkt.

Ein Streifenwagen steht am Donnerstag vor Synagoge in Paderborn. Auch dort wurde der Schutz verstärkt. Foto: Oliver Schwabe

Bielefeld/Minden/Paderborn (WB/sb/mba/fn/dpa). Wie sicher sind Synagogen? Nach dem Anschlag in Halle/Saale gibt es auch bei den jüdischen Kultusgemeinden in Ostwestfalen-Lippe Sorgen.

Bestürzung über die Tat in Halle herrscht auch in Paderborn. »Am Mittwoch haben wir noch mal erlebt, dass der braune Sumpf in Deutschland noch das Sagen hat«, sagt der Vorsitzende der Jüdischen Kultusgemeinde Paderborn, Alexander Kogan. Grundsätzlich fühlten sich die 56 Mitglieder der in den 1950er Jahren gegründeten Gemeinde aber sicher. »Wir arbeiten schon lange Hand in Hand mit der Polizei«, sagt Kogan. Aber die Politik müsse mehr gegen den Rechtsextremismus tun. Kogan: »Im Osten Deutschlands gibt es viel zu wenig Polizei.«

Nicht erst seit dem Anschlag von Halle sorgt sich die jüdische Kultusgemeinde in Bielefeld um ihre Sicherheit. Nach Angaben ihrer Vorsitzenden Irith Michelsohn gibt es einen eigenen Sicherheitsmitarbeiter der Gemeinde, der Besucher am Eingang kontrolliere. Die Personalkosten trage das Land. Mit 320 Mitgliedern ist die Bielefelder Gemeinde eine der größeren in NRW.

Eine Rund-um-die-Uhr-Präsenz der Polizei habe es vor dem Anschlag nicht gegeben, sehr wohl aber regelmäßige Streifenfahrten. Am Jom-Kippur-Feiertag am Mittwoch hätten gleich zwei Polizeiautos vor der Tür gestanden.

Bielefelder erhielten Drohbrief

Die Gemeinde, die auch schon Ziel rechtsextremer Demonstrationen war, hat erst in der vergangenen Woche einen Drohbrief erhalten. »Darin stand, dass wir hier verschwinden sollen«, berichtet Michelsohn. Hintergrund dieses Briefes ist offenbar der Umstand, dass die jüdische Gemeinde die ehemals evangelische Paul-Gerhardt-Kirche übernommen und zur Synagoge umgewandelt hat. Der Brief liegt beim Staatsschutz.

»Ich empfinde sehr große Bestürzung, dass es so weit gekommen ist, dass in Deutschland eine jüdische Gemeinde angegriffen wird«, sagt Irith Michelsohn. »Die jüdischen Gemeinden dürfen nicht einknicken. Wir wollen weiter ein aktives Gemeindeleben führen.«

Mindener Synagoge wird bewacht

Vor der Synagoge in Minden steht seit Mittwochnachmittag ein Streifenwagen. »Bis auf weiteres wird die Synagoge rund um die Uhr bewacht«, sagt Polizeisprecher Ralf Steinmeyer. Es würden Gespräche geführt, wie die Lage in Minden vor dem Hintergrund der aktuellen Geschehnisse zu bewerten ist. »Danach sehen wir, ob weitergehende Maßnahmen zu treffen sind«, sagte Steinmeyer. Der Kontakt zwischen Polizei und Mindener Gemeinde, der etwa 90 Gläubige angehören, ist erprobt. »Über viele Jahre praktizieren wir eine enge Abstimmung zur Sicherheit. Es gibt halbjährliche Besprechungen«, erläuterte der Polizeisprecher.

Mit einer Schweigeminute an der Neuen Synagoge in Düsseldorf setzten NRW-Spitzenpolitiker am Donnerstagmorgen ein Zeichen der Verbundenheit. Auch der Landtag gedachte der Opfer.

AfD nicht eingeladen

»Wir stellen uns gemeinsam schützend vor die Synagoge in Düsseldorf«, sagte Ministerpräsident Armin Laschet (CDU). Gemeinsam mit den Parteivorsitzenden Sebastian Hartmann (SPD), Mona Neubaur und Felix Banaszak (Grüne) sowie Joachim Stamp (FDP) legte er weiße Rosen auf die Treppe vor der Synagoge. »Judenhass darf in unserer offenen Gesellschaft keinen Platz haben – nicht heute, nicht morgen. Der Kampf gegen Antisemitismus und Rassismus eint alle demokratischen Kräfte in Nordrhein-Westfalen«, betonten die Parteichefs in einer gemeinsamen Erklärung.

Die AfD war nicht zu der Solidaritätsaktion eingeladen. Der neue NRW-Landesvorsitzende Rüdiger Lucassen nannte das »einen Schlag ins Gesicht aller Demokraten und eine Missachtung der immer zahlreicher werdenden AfD-Wähler«. Die AfD stehe »unverbrüchlich hinter den jüdischen Gemeinden in Deutschland«.

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