Sa., 12.10.2019

Gegendemos sollen Charakter des 9. November wahren – Mahnwache vor Synagoge am Sonntag Bündnis will »angemessen« demonstrieren

Die Demos gegen den Aufmarsch der Rechten am 9. November sollen in diesem Jahr dem Gedenktag angemessen ausfallen. Das »Bündnis gegen Rechts« will auf Musik und fröhliche Stimmung verzichten.

Die Demos gegen den Aufmarsch der Rechten am 9. November sollen in diesem Jahr dem Gedenktag angemessen ausfallen. Das »Bündnis gegen Rechts« will auf Musik und fröhliche Stimmung verzichten. Foto: Stelte (Archiv)

Von Heinz Stelte

Bielefeld (WB). Das »Bündnis gegen Rechts« will am 9. November »dem Tag angemessen« gegen den geplanten Aufmarsch der Rechtsextremen protestieren. »Es wird keine fröhlichen, bunten Demos geben, dafür ist der Charakter des 9. November zu ernst,« erklärt Ratsmitglied Michael Gugat, einer der Sprecher des Bündnisses. Auch das antifaschistische Bündnis Bielefeld hat Gegendemonstrationen für den 8. und 9. November angekündigt.

Wie mehrfach berichtet, hat die Partei »Die Rechte« für den 9. November eine Demonstration anlässlich des Geburtstages der in der JVA Brackwede einsitzenden Holocaust-Leugnerin Ursula Haverbeck (90) angemeldet. Das Verwaltungsgericht Minden hatte eine Verfügung der Bielefelder Polizei gekippt, die Demo an einem anderen Tag durchzuführen.

Gedenkdemo bereits am 8. November

Der 9. November, Jahrestag der Novemberpogrome, sei nicht geeignet für fröhlichen Gegenprotest, erklärte Gugat. Dies habe man bei einem Treffen des Bündnisses gegen Rechts entschieden. Man werde wohl auch auf musikalische Beiträge verzichten. Der genaue Umfang und Ablauf der Gegenproteste, so Michael Gugat, sei noch in der Planung. »Es wird aber etwas stattfinden.« So seien Kundgebungen am Bahnhof und am Landgericht (von der Initiative »Wir sind mehr«) bereits fest geplant.

Das antifaschistische Bündnis Bielefeld wird bereits am Freitag, 8. November, wie schon im vergangenen Jahr eine Gedenkdemonstration für die Opfer des Faschismus veranstalten.

»Über 500 Demonstranten und eine sehr positive Resonanz im letzten Jahr, haben uns in der Entscheidung bestärkt, dieses Jahr erneut eine Gedenkdemonstration zu organisieren. Wir laden alle Menschen ein sich unserem Gedenken am Freitagabend anzuschließen«, erklärt Anna Schmidt, Pressesprecherin des Bündnisses. Für den folgenden Tag planen die Antifaschisten direkte Proteste gegen den Aufmarsch der Rechten. Schmidt: »Gerade nach dem rechten, antisemitischen Terroranschlag von Halle ist es für uns unerträglich, dass hunderte Antisemiten gerade an diesem Datum durch Bielefelds Straßen laufen wollen.«

Jüdische Gemeinde kritisiert Demo-Genehmigung

Auch Irith Michelsohn, Vorsitzende der Jüdischen Kultusgemeinde , übt scharfe Kritik an der für den 9. November geplanten Neonazi-Demo. Die Genehmigung an dem geschichtsträchtigen Tag sei für die jüdische Gemeinde nicht nachzuvollziehen – zumal der Geburtstag von Ursula Haverbeck bereits am 8. November sei.

● Das »Bündnis gegen Rechts« organisiert in Absprache mit der jüdischen Gemeinde an diesem Sonntag von 12 Uhr bis 12.30 Uhr eine stille Mahnwache mit dem Motto »Gegen Antisemitismus – Solidarität mit unseren jüdischen Mitbürger*innen!« vor der Synagoge in der Detmolder Straße. Die Bielefelder sind aufgerufen, daran teilzunehmen. Die Mahnwache wird eine ausdrücklich stille Mahnwache sein. Es sind keine Reden geplant.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.

Google-Anzeigen

© WESTFALEN-BLATT
Vereinigte Zeitungsverlage GmbH

Alle Inhalte dieses Internetangebotes, insbesondere Texte, Fotografien und Grafiken, sind urheberrechtlich geschützt. Verwendung nur gemäß der Nutzungsbedingungen.

Mehr zum Thema

Anzeige


https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6994493?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198387%2F2513179%2F