Sa., 12.10.2019

Christina Kampmann könnte es in die Stichwahl um den Parteivorsitz schaffen Kommt die neue SPD-Chefin aus OWL?

Die NRW-Landtagsabgeordnete Christina Kampmann aus Bielefeld.

Die NRW-Landtagsabgeordnete Christina Kampmann aus Bielefeld. Foto: Bernhard Pierel

Bielefeld (WB). In München enden an diesem Samstag die SPD-Regionalkonferenzen. 23 Mal hat sich die NRW-Landtagsabgeordnete Christina Kampmann aus Bielefeld im Duo mit Europastaatsminister Michael Roth der Basis präsentiert. Im Gespräch mit Andreas Schnadwinkel zieht sie Bilanz.

Wenn ich auf meinem Rechner bei Google »Christina« eingebe, ergänzt der Algorithmus zuerst »Kampmann« und dann »Aguilera«. Wie viel bekannter hat Sie die Kandidatur für den SPD-Vorsitz gemacht?

Christina Kampmann: Innerhalb der SPD bin ich jetzt natürlich bekannter, auch in meiner Heimatstadt Bielefeld. Im Rest Deutschlands ist noch einiges zu tun, wenn Michael Roth und ich gewählt werden sollten.

Die Ersten, die Jüngsten, die Digitalsten: Sind das die Vorteile bei Ihrer Kandidatur?

Kampmann: Ich denke schon. Beim Feedback hören Michael Roth und ich häufig, dass wir für einen Aufbruch stehen. Und danach gibt es in der SPD offenbar eine große Sehnsucht. Die Umfragen sind nicht gut, die letzten Wahlergebnisse waren es auch nicht. Wir brauchen jetzt eine neue Zeit für die SPD. Ich bin überzeugt, dass wir für diese neue Zeit stehen können.

»Nicht zu den Grünen geschielt

Bei den Regionalkonferenzen haben Sie viel gute Laune versprüht. Haben Sie das von den Grünen gelernt?

Kampmann: Da haben wir nicht zu den Grünen geschielt. Das kann man auch nicht künstlich herstellen, Michael Roth und ich sind so. Und ich denke, dass diese positive Grundhaltung der SPD gut tut und auch der Politik insgesamt. Denn viele in der Partei waren angesichts des Ergebnisses bei der Europawahl ein bisschen verzagt. Gute Laune heißt ja nicht, dass es keine guten Inhalte gibt. Michael Roth und ich haben dafür viele gute Konzepte ausgearbeitet.

Das Format der 23 Regionalkonferenzen mit sieben Kandidatenpaaren steht in der Kritik, weil zu wenig Zeit für Inhalte bleibe und nur Slogans verbreitet würden. Wie ist Ihre Bilanz?

Kampmann: Unter den gegebenen Bedingungen ist es das beste Format, das der SPD einfallen konnte. Ich war anfangs auch etwas skeptisch, aber es hat sich bewährt. Außerdem macht die Parteizentrale mit allen Kandidatenpaaren Podcast-Formate, bei denen es inhaltlich stärker in die Tiefe geht.

In einer SPD-internen Umfrage während der Regionalkonferenzen liegen Michael Roth und Sie mit 23 Prozent vorne. Hat Sie das überrascht?

Kampmann: Überrascht hat es mich nicht, es hat mich sehr gefreut. Man muss vorsichtig mit solchen Umfragen sein, aber natürlich ist das ein Motivationsschub. Am Ende entscheiden ja aber nicht Umfragen und Wahlempfehlungen, sondern unsere rund 430.000 Mitglieder.

»Stütze der Gesellschaft«

Fallen Sie nach der letzten Veranstaltung in München in ein Loch wie Musiker nach einer Tournee?

Kampmann: Die Wochen waren schon anstrengend, weil natürlich noch meine Arbeit als NRW-Landtagsabgeordnete dazukam. Nach München fahre ich direkt in den Urlaub, und dann geht es im Landtag und im Wahlkreis weiter.

Ist Olaf Scholz im Gespann mit Klara Geywitz noch der Favorit, weil er als Bundesfinanzminister das größte politische Gewicht hat?

Kampmann: Das ist schwer einzuschätzen. In jedem Fall ist er ein Favorit für die Stichwahl. Und die spannende Frage ist, wer es als zweites Paar in die Stichwahl schafft.

20.000 Besucher bei den 23 Regionalkonferenzen sind nicht 430.000 SPD-Mitglieder, und die Mitglieder sind nicht die Millionen Wähler. Ist das der Grund, warum sich der Aufwand, den die SPD betreibt, noch nicht in Umfragen niederschlägt?

Kampmann: Zunächst ist das ein Verfahren in der SPD, was viele außerhalb mit Spannung verfolgen. Aber die Wähler wissen ja noch nicht, wohin die SPD mit den neuen Vorsitzenden geht. Wenn das Vorsitzpaar einen Aufbruch glaubwürdig verkörpert, dann haben wir die Chance, in Umfragen und bei Wahlen wieder besser abzuschneiden. Und eine starke Sozialdemokratie ist eine Stütze der Gesellschaft.

»Das darf kein Selbstzweck sein«

Forsa-Chef Manfred Güllner hat das Ende der SPD prophezeit, wenn die Partei weiter nach links rückt. Das befürchten Sie nicht, oder?

Kampmann: Das sehe ich anders als Herr Güllner. Es ist wichtig, dass wir uns stärker von der Union abgrenzen. Wir begreifen uns weiter als linke Volkspartei.

Die Kandidaten, die das sofortige Ende der Großen Koalition versprechen, haben bei den Regionalkonferenzen den meisten Applaus bekommen. Ist der Frust wirklich so groß, oder liegt das an den bei den Konferenzen stark vertretenen Jusos?

Kampmann: Viele Mitglieder sehen, dass es so wie jetzt einfach nicht weitergehen kann. Während dieser Großen Koalition sind wir in Umfragen und bei Wahlen immer weiter abgesunken. Aber bei den Regionalkonferenzen wollen die Mitglieder auch ganz konkret wissen, wie der sofortige Ausstieg aus der Bundesregierung überhaupt funktionieren soll. Das darf kein Selbstzweck sein und geht auch nicht Hals über Kopf. Ich habe den Eindruck, dass die Mitglieder sich eine Entscheidung über den Verbleib in der Großen Koalition auf dem Parteitag wünschen. So, wie wir es vorgesehen haben.

Sollten Sie SPD-Vorsitzende werden: Müssten Sie ein Mandat oder ein Amt auf Bundesebene in Berlin anstreben?

Kampmann: Nein, überhaupt nicht, ganz im Gegenteil. Michael Roth hat angekündigt, im Falle unserer Wahl sein Amt als Europastaatsminister aufzugeben. Aber wir beide würden natürlich weiter Abgeordnete in Düsseldorf und Berlin bleiben. Wir haben uns ja bewusst dafür entschieden, als Bundespolitiker und Landespolitikerin zu kandidieren, um unsere unterschiedlichen Erfahrungen und Sichtweisen einzubringen.

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