59-Jährige soll Flugblätter an Herforder Gesamtschule verteilt haben
Üble Nachrede? Lehrerin nach Suizid einer Schülerin angeklagt

Herford (WB). Im Zusammenhang mit dem Suizid einer 17-Jährigen muss sich eine Lehrerin der Gesamtschule Friedenstal demnächst vor Gericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft Bielefeld wirft der Pädagogin üble Nachrede vor.

Freitag, 18.10.2019, 07:07 Uhr aktualisiert: 18.10.2019, 07:30 Uhr
An der Gesamtschule Friedenstal soll die Lehrerin die Flugblätter verteilt haben. Die 17-Jährige, die Suizid begangen hat, war Schülerin des Friedrich-List-Berufskollegs. Foto: Moritz Winde
An der Gesamtschule Friedenstal soll die Lehrerin die Flugblätter verteilt haben. Die 17-Jährige, die Suizid begangen hat, war Schülerin des Friedrich-List-Berufskollegs. Foto: Moritz Winde

Auf Nachfrage bestätigte das Herforder Amtsgericht ein entsprechendes Verfahren gegen die 59-Jährige. Konkret gehe es um einen Vorfall am 25. Januar. »An diesem Tag soll sie Flugblätter an ihrer Schule verteilt haben, auf denen sie die Familie der 17-Jährigen indirekt für deren Selbstmord verantwortlich gemacht haben soll«, sagt Strafrichterin Dr. Tanja Schwöppe-Funk.

Sinngemäß heißt es darin unter anderem: »Es läuft etwas schief in unserer Gesellschaft, wenn ein 17-jähriges Mädchen keinen anderen Ausweg mehr weiß, als sich umzubringen.« Die muslimische Familie sah dies als ehrenrührig an, wollte das offenbar so nicht stehen lassen und zeigte die Bielefelderin an.

Pädagogin engagiert sich in vielen Initiativen

Ein zeitlicher Zusammenhang zwischen dem Suizid und der Flugblatt-Aktion ist nicht von der Hand zu weisen. Die junge Frau hatte sich am 13. Januar das Leben genommen. An ihrer Schule, dem Friedrich-List-Berufskolleg, hatte ihr Tod für Entsetzen und Trauer gesorgt. »Wir waren alle schockiert. Mitschüler hatten uns davon erzählt. Ich kann mich daran erinnern, der Familie eine Kondolenzkarte geschrieben zu haben und weiß auch noch, dass die Polizei damals ermittelt hat«, sagt Schulleiter Ulf Kleine-Piening.

Nicht nur auf Flugblättern, auch online soll die Lehrerin Bezug zum Suizid genommen haben – ohne in beiden Fällen allerdings Namen zu nennen. In ihrem damaligen Eintrag auf ihrer Facebook-Seite spricht sie davon, die Umstände müssten dringend genau untersucht werden. »Aber daran haben etliche offenkundig wenig Interesse. Der Mantel des Schweigens wird darüber ausgebreitet und hinter den Kulissen wird überall darüber geredet.«

Die 59-Jährige engagiert sich seit Langem in zahlreichen Initiativen – unter anderem gegen Rechtsextremismus und für Frauen- und Menschenrechte. »Ihr Mut ist bewundernswert, kann aber auch gefährlich werden. Ich habe sie schon mehrmals gewarnt«, sagt einer ihrer Kollegen, der anonym bleiben möchte.

Das Motiv für den Suizid der 17-Jährigen ist völlig unklar. Im Raum steht, sie habe in der Silvesternacht sexuelle Kontakte gehabt. Ob die Hintergründe in der Hauptverhandlung erörtert werden, ist unwahrscheinlich. In erster Linie wird es darum gehen, ob die 59-Jährige der muslimischen Familie tatsächlich übel nachgeredet hat oder ob ihre Aktion mit freier Meinungsäußerung zu rechtfertigen war.

Einspruch gegen Strafbefehl und 5000 Euro Geldstrafe

Manches deutet jedoch darauf hin, dass dies nicht der Fall ist: »Ich habe am 20. September einen Strafbefehl erlassen und eine Geldstrafe in Höhe von 5000 Euro ausgesprochen. Dagegen hat die Lehrerin fristgerecht Einspruch eingelegt und es kommt zur Hauptverhandlung, in der sie zu dem Anklagevorwurf Stellung nehmen kann«, sagt Richterin Schwöppe-Funk.

Die nun angeklagte Pädagogin – sie lässt sich anwaltlich vertreten – soll den Handzettel nicht nur an der Gesamtschule verteilt, sondern zudem online gepostet, nach kurzer Zeit jedoch für die Öffentlichkeit unsichtbar gemacht haben. Dazu schreibt sie auf ihrer Facebook-Seite: »Wie erwartet, bekam ich üble Anwürfe, dass ich eine ›Islamhasserin‹ sei. Kaum spricht frau die bestehende Doppelmoral und den pathologischen Umgang mit Sexualität in bestimmten Communities an, ist sie sofort angeblich eine ›Lügnerin‹, eine ›Haterin‹ und wird beschimpft.« Genau das sei es, was den Mädchen das Leben innerhalb dieser religiösen Gemeinschaften und dem Gehetze von Nachbarn und Verwandten so schwer mache. »Da können die Eltern noch so liberal und offen sein, das Umfeld macht irren Druck.«

Nach Informationen dieser Zeitung war weder das Herforder Schulamt noch die Bezirksregierung Detmold als Aufsichtsbehörde über die Flugblatt-Aktion informiert. Auch der damalige kommissarische Gesamtschulleiter, Bernd Höner, war nicht einbezogen: »Mir ist davon nichts bekannt.« Könnte das Verhalten der 59-Jährige auch disziplinarische Konsequenzen nach sich ziehen?

Der Prozess gegen die Pädagogin soll in der Woche vor Weihnachten stattfinden. Üble Nachrede kann mit einer Geldstrafe oder mit bis zu zwei Jahren Freiheitsstrafe geahndet werden.

Kommentare

Baumann  schrieb: 19.10.2019 12:32
Michael Stützenberger hat recht.
Herr Stützenberger hat vollkommen Recht ,der
politische lslam ist brutal und brandgefährlich,sowie frauenverachtend.Der Koran beschreibt dies ausführlich.Bald alle Staaten die keine Bodenschätze besitzen und islamisch regiert werden sind wirtschaftlich nicht konkorenzfaehig.
Noack Thomas  schrieb: 18.10.2019 13:49
Was ist daran falsch?
Ich verstehe gerade nicht, was an diesem Satz falsch sein soll. Sie hat weder konkrete Personen angesprochen, noch hat Sie etwas Falsches gesagt: Nun sieht man ja in der jüngeren Vergangenheit, zu welchen seltsamen und unverständlichen Gerichte heute kommen. Künast Urteil oder die Genehmigung für eine Demo von Holocaust Leugnern. Die Frau tut mir einfach leid.
warburger  schrieb: 18.10.2019 13:05
Nicht mehr viel übrig
Es ist offensichtlich nicht so sehr weit her mit der vielgepriesenen Meinungsfreiheit !
In diesem Fall gleich mit einer so beträchtlicher Geldstrafe zu schiessen, geht doch völlig über das Ziel hinaus.
3 Kommentare
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