Protest gegen Neonazi-Demo: Altstadt-Kaufleute hängen Banner und Plakate auf
»Wir wollen ein Zeichen setzen«

Bielefeld (WB). Am Eingang zur Fußgängerzone an der Rathausstraße hängt ein fünf mal ein Meter großes Banner. »Kein Platz für Faschismus, Rassismus, Extremismus!« lautet die Aufschrift – als Anspielung auf die Neonazi-Demo am 9. November. Es ist eines von vier Bannern in der Altstadt.

Dienstag, 22.10.2019, 10:00 Uhr aktualisiert: 22.10.2019, 10:08 Uhr
Gemeinsame Aktion der Kaufmannschaft Altstadt (von links): Katja Führmann, Thomas Renken, Adem Türkan, Henner Zimmat, Niklas Meyer, Saskia Meyer und Jonas Vorbohle zeigen eines der insgesamt vier Banner für die Fußgängerzone. Foto: Markus Poch
Gemeinsame Aktion der Kaufmannschaft Altstadt (von links): Katja Führmann, Thomas Renken, Adem Türkan, Henner Zimmat, Niklas Meyer, Saskia Meyer und Jonas Vorbohle zeigen eines der insgesamt vier Banner für die Fußgängerzone. Foto: Markus Poch

»Wir wollen mit der Aktion ein Zeichen setzen«, sagt Thomas Renken, Vorstandsmitglied der Kaufmannschaft Altstadt . Die Kaufleute wollen zudem in dieser Woche die insgesamt 250 gedruckten Plakate verteilen – als weiteren Teil der Protestaktion. Bereits im vergangenen Jahr hatten die Altstadt-Kaufleute anlässlich der Neonazi-Demo eine Plakat-Aktion ins Leben gerufen.

Als die Geschäftsleute von der Genehmigung einer erneuten Neonazi-Demo erfuhren, habe man nicht lange gefackelt, sagt Henner Zimmat, Vorsitzender der Kaufmannschaft Altstadt. »Uns war sofort klar, dass wir wieder eine Aktion starten.« Und er betont auch, dass der Samstag der Neonazi-Demo im vergangenen Jahr für die Kaufleute umsatzmäßig katastrophal verlief. Schließlich war die Innenstadt durch die Demos über Stunden hinweg komplett geteilt und blockiert.

»Wir werden am 9. November in der Altstadt die Geschäfte öffnen.«

Einige Geschäfte öffneten damals erst gar nicht. »Einige Kaufleute und Kunden hatten damals Angst«, berichtet Zimmat. Vorteilhaft für die Kaufleute sei auch die im Vergleich zum Vorjahr geänderte Demo-Route der Neonazis. Wie damals exklusiv berichtet, hat die Polizei mit der Partei »Die Rechte« eine Marschroute vom Hinterausgang des Hauptbahnhofes im Neuen Bahnhofsviertel über die Mindener-, Elsa-Brändström-, Alfred-Bozi-Straße, den Adenauerplatz und die Kreuzstraße bis zum Landgericht am Niederwall ausgehandelt. Der zentrale Jahnplatz soll diesmal tabu sein.

Unterdessen kleben bereits im Neustädter Viertel die ersten Anti-Rassismus-Plakate der Kaufleute an den Geschäften. »Unsere Aktion ist im vergangenen Jahr gut bei den Kunden angekommen«, berichtet Vorstandsmitglied Katja Führmann. Sogar einige in der Altstadt wohnende Privatpersonen hätten damals Plakate mitgenommen und sie aufgehängt. Das sei auch in diesem Jahr wieder möglich. Plakate seien bei Optik Renken an der Obernstraße 22 erhältlich.

Ausgerechnet am 9. November, dem Gedenktag an die Reichspo­gromnacht 1938, wollen Neonazis erneut für die Holocaust-Leugnerin Ursula Haverbeck durch Bielefeld ziehen. Henner Zimmat stellt aber klar: »Bange machen gilt nicht. Wir werden am 9. November in der Altstadt die Geschäfte öffnen.«

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