Di., 22.10.2019

Verein »Alt und Jung Süd-West« meldet Insolvenz an – 300 Mitarbeiter betroffen Pflegedienstleister in Schieflage

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Symbolfoto Foto: dpa

Von Heinz Stelte

Bielefeld (WB). Der Verein »Alt und Jung Süd-West«, seit mehr als 40 Jahren in Bielefeld in der Betreuung von älteren, behinderten und pflegebedürftigen Menschen engagiert, hat Insolvenz angemeldet . Dieser Schritt sei nötig geworden, um so mit einem »durchgreifenden Sanierungskonzept und umfassenden Strukturanpassungen« den Verein neu aufzustellen, teilt Geschäftsführer André Holtkotte mit. Zur Zeit beschäftigt der Verein mehr als 300 Mitarbeiter und betreut etwa 400 Menschen. Mehr als 100 Ehrenamtliche sind für den Verein tätig.

»Wir verhandeln seit mehreren Jahren mit Kostenträgern über eine auskömmliche Refinanzierung unserer Leistungen. Eine dauerhafte Vorfinanzierung aus Eigenmitteln, wie es bisher der Fall war, ist inzwischen leider nicht mehr möglich«, so Holtkotte weiter. Der Verein wolle sich nun mit schlankeren Strukturen und einem neuen Konzept neu aufstellen.

»Bielefelder Modell« mitentwickelt

Gemeinsam mit der Bielefelder Wohnungsgesellschaft (BGW) hat der Verein vor 23 Jahren das sogenannte »Bielefelder Modell« entwickelt. Dabei werden ältere oder behinderte Menschen in eigenen barrierefreien Wohnungen versorgt und betreut, zum Teil mit Wohncafé oder anderen Treffpunkten. Es gibt einen Servicestützpunkt und eine umfassende 24-Stunden-Betreuung. In sieben Bielefelder Anlagen mit mehr als 270 Wohnungen ist der Verein »Alt und Jung Süd-West« der Kooperationspartner der BGW.

»Die Versorgungssicherheit unserer Kunden bleibt zu jeder Zeit gewährleistet. Das werden wir auch während des Insolvenzverfahrens sicherstellen,« erklärt André Horstkotte. Möglichst alle Arbeitsplätze sollen langfristig gesichert werden. Auch Sabine Kubitza, Geschäftsführerin der BGW, bestätigte, dass die Versorgung in den von »Alt und Jung Süd-West« betreuten Einrichtungen des Bielefelder Modells zunächst unverändert weiterlaufe. Es werde nun geprüft, welche Leistungen tatsächlich noch benötigt würden oder verändert werden könnten.

1978 als »Freie Altenarbeit Alt trifft Jung – Jung trifft Alt« gegründet

Ob das gelingt, hänge nicht unwesentlich von den Verhandlungen mit den Kostenträgern ab. Holtkotte: »Unsere Beschäftigten brauchen eine angemessene Bezahlung und gute Arbeitsbedingungen.« Nur so könne man auch in Zukunft bei der stetig wachsenden Zahl pflege- und hilfsbedürftiger Menschen weiterhin eine hohe Qualität in der Versorgung anbieten. Auch müssten die über Jahre aufgebauten ehrenamtlichen Strukturen von Profis begleitet werden. »Das wird auch in Zukunft Geld kosten. »Wir hoffen, dafür bald Partner zu finden, da es hier keine geregelte Finanzierung gibt, die diesen wichtigen Teil unserer Arbeit nachhaltig unterstützt, so der Geschäftsführer.

Der Verein »Alt und Jung« wurde 1978 als »Freie Altenarbeit Alt trifft Jung – Jung trifft Alt« gegründet, 1980 wurde die erste Wohngemeinschaft gegründet. Anfang der 90er Jahre wurde das bundesweit beachtete »Bielefelder Modell« zusammen mit der BGW und der Stadt entwickelt. 2005 spaltete sich der Verein aufgrund seiner Größe auf, in »Alt und Jung Nord-Ost« und »Alt und Jung Süd-West«.

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