Mi., 23.10.2019

Nach tödlichem Unfall auf der Detmolder Straße in Bielefeld warnen Anwohner »Diese Straße ist eine Gefahrenquelle«

Thomas Seidenberg wohnt an der Unfallstelle. Er fordert mehr Geschwindigkeitskontrollen.

Thomas Seidenberg wohnt an der Unfallstelle. Er fordert mehr Geschwindigkeitskontrollen. Foto: Thomas F. Starke

Von Michael Schläger und Hendrik Uffmann

Bielefeld (WB). Zwei 16-Jährige sterben, fünf Menschen werden schwer verletzt bei dem Unfall am späten Sonntagabend auf der Detmolder Straße. Die Polizei ermittelt die genaue Ursache noch. Für Anwohner Thomas Seidenberg ist klar: »Auf der Straße wird viel zu schnell gefahren.«

Vier Grablichter und ein Strauß weißer Rosen erinnern an der Unfallstelle Ecke Teutoburger Straße an das tragische Geschehen. Der 35-jährige Fahrer eines silbernen Opel Zafira ist stadtauswärts unterwegs, als er mit seinem Fahrzeug auf der regennassen Straße ins Schleudern gerät. Das Fahrzeug prallt frontal gegen eine Steinmauer und gegen einen Ampelmasten. Die sieben Insassen sind auf dem Heimweg von einer Hochzeit.

Thomas Seidenberg. früherer FDP-Chef und Kommunalpolitiker der Liberalen, wohnt gleich neben der Unfallstelle. Er wird am Sonntag gegen 23.30 Uhr von dem Aufprall aufgeschreckt, informiert sofort die Polizei, die aber schon unterrichtet gewesen sei. Helfer seien sofort an Ort und Stelle gewesen. »Es ist ein Wunder, dass es erst jetzt zu einem so schweren Unfall gekommen ist«, findet Seidenberg. Er geht davon aus, dass der Fahrer viel zu schnell gefahren ist. »Das ist in den Abend- und Nachstunden das Hauptproblem auf dieser Straße.« Straßenbahnschienen und eine feuchte Fahrbahn machten die vierspurige Ausfallstraße dann zu einer gefährlichen Rennstrecke.

Polizei: »Es gibt dort keine Häufung von Unfällen

Vor allem an den Wochenenden sei dies ein wachsendes Problem. Nicht nur jugendliche Fahrer, auch Taxen und Lkw seien auf der Straße außerhalb des Berufsverkehrs zu schnell unterwegs. Ein Problem auch: der anhaltend hohe Verkehrslärm spätabends.

Für die Bielefelder Polizei ist der Abschnitt der Detmolder Straße im Bereich zwischen August-Bebel-Straße und Teutoburger Straße allerdings keine besonders auffällige Strecke. »Es gibt dort keine Häufung von Unfällen«, erklärt Polizeisprecherin Hella Christoph. In den vergangenen drei Jahren haben sich nach ihren Worten in diesem Bereich fünf Unfälle ereignet. Hella Christoph: »Da die Straße dort vierspurig ist und sehr viel Verkehr herrscht, ist dies keine außergewöhnlich hohe Zahl.«

Die subjektive Wahrnehmung jedoch scheint eine andere zu sein. Vor der Sanierung galt auf der Straße zwischen der Sieker Endstation und dem Landgericht durchgängig Tempo 30, jetzt darf 50 Stundenkilometer gefahren werden. »Wenn sich alle daran hielten, wäre es ja gut«, meint Seidenberg. Aber seine Nachbarn und er könnten bestätigen: Dies sei nicht der Fall. »Vielleicht helfen Tempo 30 und eine bessere Tempoüberwachung.«

»Dort ist es unsicher, wenn es feucht wird.«

Diese Meinung teilt auch Martin Schmelz, Kommunalpolitiker der Wählergemeinschaft »Bürgernähe« und aktiv in der Bürgerinitiative »Sichere Detmolder Straße«. Er verweist auf Messungen der Verwaltung, wonach auf der Straße im Schnitt zwischen 63 und 65 Stundenkilometer schnell und nicht 50 gefahren werde. Das sei fatal, gerade in Kurvenbereichen, wie dem, wo am Sonntag der Unfall passiert ist. Auch er sagt: »Die Detmolder ist eine Gefahrenquelle. Dort ist es unsicher, wenn es feucht wird.«

Die Ermittlungen nach dem Unfall von Sonntagnacht dauern unterdessen an. Bislang gebe es noch keine neuen Erkenntnisse, sagt Polizeisprecherin Christoph. Der Gesundheitszustand der besonders schwer verletzten 25-jährigen Beifahrerin sei weiter kritisch, die Frau befinde sich nach wie vor in Lebensgefahr.

Kommentare

Bei Nässe - Schienen sau glatt ...

Ich befahre den besagten Abschnitt der Detmolder Straße z.Z. jeden Dienstag in den Abendstunden, sowohl Stadtein- wie Stadtauswärts - früher nutzte ich sie mehrmals die Woche. Wenn die Straße trocken ist, dann lässt sich auf der neu sanierten Straße sowohl auf der rechten wie linken Spur sehr gut fahren. Auf meinem Fahrzeug sind z.Z. gute Sommerreifen montiert, ich meide allerdings die linke Spur in den Kurvenbereichen wenn es feucht oder nass ist, denn auf den Schienen fühlt es sich dann wie auf Schmierseife an.
Das war vor der Sanierung ebenso, nur die Straße vermittelt nun trügerischer Weise durch den neuen glatten Belag und ohne die zuvor vorhandenen Beschädigungen eine höhere Sicherheit. Wenn ich dann mit Tempo 50 km/h - gerade in den späteren Abendstunden dort fahre, komme ich mir nicht selten wie ein Schleicher vor, denn man wird rechts wie links nahezu konstant von anderen Verkehrsteilnehmern überholt. Sollte dann links noch eine Straßenbahn hinzukommen wird es richtig interessant, denn dann versuchen vielen Fahrzeuglenker vor die Straßenbahn zu gelangen, um nicht bei jedem Halt dieser an einer Roten Ampel festzuhängen.
Das sind meine Bebobachtungen, die als Nutzer der Straße über viele Jahre machen durfte. Geblitzt wurde ich noch nie auf der Detmolder Straße, obwohl gefühlt früher viel stärker die Geschwindigkeit dort im Gegensatz zu heute kontrolliert wurde.

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