Di., 29.10.2019

Erneute Erkrankung nach Todesfällen im August – 100 Bewohner müssen umziehen Weiterer Legionellen-Fall: AWO schließt Seniorenheim

In dem Seniorenheim der AWO in Bielefeld-Baumheide leben 100 Menschen, die in andere Heime umziehen sollen.

In dem Seniorenheim der AWO in Bielefeld-Baumheide leben 100 Menschen, die in andere Heime umziehen sollen. Foto: Bernhard Pierel

Von Hendrik Uffmann

Bielefeld (WB). Nachdem in einem Seniorenheim der Arbeiterwohlfahrt in Bielefeld-Baumheide Ende August zwei Menschen durch Legionellen gestorben waren, ist dort nun, wie berichtet , erneut ein Bewohner an den Erregern erkrankt. Deshalb schließt die AWO die Einrichtung vorübergehend – die etwa 100 Bewohner sollen auf andere Heime verteilt werden.

Ende August waren ein Bewohner (86) und eine Mitarbeiterin (52) des Seniorenzentrums der Arbeiterwohlfahrt (AWO) im Bielefelder Stadtteil Baumheide nach einer Infektion mit Legionellen gestorben – die Staatsanwaltschaft Bielefeld hatte die Ermittlungen aufgenommen.

Am 13. Oktober war nun ein weiterer Bewohner des Heims krank geworden und in ein Krankenhaus gebracht worden. Am Montag bestätigte das Gesundheitsamt der Stadt Bielefeld dann, dass bei dem Mann ebenfalls eine Legionellenerkrankung diagnostiziert wurde.

Keine Erklärung für erneute Infektion

Eine Erklärung, warum es erneut zu einer Infektion mit den gefährlichen Keimen kommen konnte, habe die AWO nicht, so Berit Peek, Sprecherin des AWO-Bezirksverbands Ostwestfalen-Lippe. Seit dem Bekanntwerden des ersten Falls seien in enger Absprache mit dem Gesundheitsamt alle nach dem Stand der Technik erforderlichen und auch darüber hinausgehende Maßnahmen ergriffen worden um zu verhindern, dass es zu weiteren Erkrankungen kommt.

»Wir haben mehrfach mit Hitze desinfiziert, weiterhin die Wasserleitungen beprobt, Filter an allen Abnahmestellen eingebaut und eine Gefährdungsanalyse erstellen lassen. Angesichts dieser Maßnahmen können wir uns diese Erkrankung eines Bewohners nicht erklären«, sagt Berit Peek.

Die Stadt Bielefeld bestätigt, dass die AWO alle Auflagen zur Behebung des Problems erfüllt habe. Nach Inaugenscheinnahme durch das Gesundheitsamt seien keine Fehler in der Handhabung der Filter festgestellt worden, auch die Umsetzung des Sanierungsplans sei bislang wie vereinbart gelaufen.

Betrieb des Seniorenzentrums eingestellt

Gerade weil es derzeit keine greifbare Ursache für die Infektion gebe, habe sich die AWO deshalb zum Schutz der Bewohner sowie der Beschäftigten am Montag dazu entschlossen, den Betrieb des Seniorenzentrums Baumheide vorübergehend einzustellen.

Zuvor hatte es am Montagmittag eine schnell einberufene mehrstündige Sitzung gegeben. Beteiligt daran waren auch das Bielefelder Sozialdezernat, das Gesundheitsamt, die Heimaufsicht und die Feuerwehr, die bei den anstehenden Transporten der Heimbewohner in andere Einrichtungen möglicherweise helfen soll. Die Entscheidung, das Heim vorübergehend zu schließen, habe jedoch die AWO selbst getroffen, betont Berit Peek.

Die Mitarbeiter des Seniorenheims waren am Montagmittag in einer Versammlung über die Entscheidung informiert worden, für die Bewohner sowie die Angehörigen gab es am Montagabend eine Informationsveranstaltung.

Bewohner ziehen in andere Einrichtungen um

Derzeit werde an einem Konzept gearbeitet, in welche anderen Einrichtungen die Bewohner umziehen sollen und wann dies geschehen soll, erklärt Berit Peek. »Einen Zeitrahmen dafür gibt es noch nicht, dies soll aber auf jeden Fall sicher in einem ruhigen und geordneten Verfahren geschehen.« Bis dahin gelte zunächst ein Duschverbot in dem Heim.

Die AWO muss nun Plätze für die 100 Bewohnerinen und Bewohner der Baumheider Einrichtung finden. Geschehen soll dies in Zusammenarbeit mit anderen AWO-Häusern. Gesucht werde aber auch in Einrichtungen anderer Träger, da die eigenen Kapazitäten der AWO nicht ausreichen werden. Für eine so große Zahl an Menschen werde es jedoch nicht einfach, vorübergehende Plätze zu finden, sagt Berit Peek. »Einen solchen Fall hat es in Bielefeld noch nicht gegeben.«

Auch Bielefelds Sozialdezernent Ingo Nürnberger befürwortet die Schließung des Heims und will am Mittwoch zu einem Treffen mit anderen Heim-Trägern einladen um zu klären, wo es freie Plätze gibt.

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