Mi., 06.11.2019

»Ich hatte einen Schutzengel« – Unfall auf der Eckendorfer Straße in Bielefeld DRK-Altenpfleger wird Opfer eines illegalen Autorennens

Völlig demoliert ist das Auto des Deutschen Roten Kreuzes. Jens Niewöhner erlitt nur eine leichte Prellung.

Völlig demoliert ist das Auto des Deutschen Roten Kreuzes. Jens Niewöhner erlitt nur eine leichte Prellung. Foto: Christian Müller

Von Stefan Biestmann

Bielefeld (WB). »Wenn ich etwas später gebremst hätte oder nur einen halben Meter weiter auf die Kreuzung gefahren wäre, dann wäre ich jetzt wohl tot«, sagt Jens Niewöhner.

Der 36-jährige Mitarbeiter des Deutschen Roten Kreuzes war in Bielefeld auf der Eckendorfer Straße unverschuldet in ein illegales Autorennen geraten. Der VW war nach dem Crash total demoliert, aber Niewöhner kam mit einer leichten Prellung davon.

Der Altenpfleger, der für den ambulanten DRK-Pflegedienst in Bielefeld-Heepen arbeitet, begann am 1. November um 6 Uhr mit seinem Dienst. Morgens versorgte er die ersten Patienten.

Um kurz nach 10 Uhr war er dann mit seinem weißen VW Up auf dem Weg zurück zum DRK-Büro. An der Einmündung zur Eckendorfer Straße zeigte die Ampel Rot. Niewöhner stoppte und fuhr, als er Grün bekam, langsam auf die Kreuzung. »Dann habe ich nur noch gesehen, dass von der rechten Seite ein weißes Auto angerauscht kam. Und dann knallte es.«

Auf die Kreuzung gerast

Ein 33-jähriger Mercedesfahrer und ein 32-jähriger Golf-Fahrer waren trotz roter Ampel auf die Kreuzung gerast. Dort krachte der Mercedes-Fahrer gegen den VW von Jens Niewöhner und prallte dann gegen den VW Golf. Doch der Mercedes erwischte Niewöhners Auto nur an der rechten Frontseite. »Ich konnte sofort aussteigen«, sagt er. Unterdessen hatten auch die Insassen der beiden anderen Fahrzeuge schon ihre Autos verlassen. »Es hat sich aber niemand von ihnen nach meinem Befinden erkundigt oder sich entschuldigt«, berichtet Niewöhner.

Unter den Insassen der anderen Autos waren Mitglieder der Rockerszene – unter anderem der Hells Angels. Deswegen leitete die Polizei einen Großeinsatz ein. Es blieb aber alles friedlich. Später landete auch der Rettungshubschrauber Christoph 13 am Unfallort. »Der Notarzt war ganz überrascht, dass mir nichts Ernsthaftes passiert ist«, sagt Niewöhner.

Der Unfallverursacher, der Mercedes-Fahrer, und ein Beifahrer wurden leicht verletzt und mussten ins Krankenhaus. Niewöhner weiß, dass der Unfall ganz anders hätte enden können. »Es hätte auch eine Familie mit Kindern oder Fußgänger treffen können«, sagt er. Der Altenpfleger beklagt die Gewissenlosigkeit der Teilnehmer des illegalen Autorennens. »Es muss alles getan werden, um die Raserszene einzudämmen. Man sollte solchen Leuten den Führerschein auf Lebenszeit entziehen.«

Gedanken gehen immer wieder zurück

Der Golf- und der Mercedes-Fahrer mussten am Unfallort zumindest vorläufig den Führerschein abgeben. Zudem wurden die Autos beschlagnahmt – und unter anderem wegen der Teilnahme an einem illegalen Autorennen Anzeige erstattet. »Auch ich werde wohl Anzeige erstatten«, kündigt Niewöhner an. Er habe nach dem Unfall nur »leichte Schmerzen in der Seite« – vermutlich eine kleine Prellung. Aber viel mehr als seine Gesundheit interessierte ihn direkt nach dem Unfall seine Arbeit. »Ich liebe meinen Job als Altenpfleger. Mein erster Gedanke nach dem Unfall war: Ich muss meine Tour noch zu Ende fahren und alle Patienten besuchen.« Doch DRK-Pflegedienstleiterin Daniela Schwarz habe ihn toll unterstützt – und natürlich musste er an jenem Tag nicht mehr arbeiten.

Jetzt, ein paar Tage später, denkt Niewöhner immer noch an den Unfall zurück. »Ich traue mich momentan noch nicht, wieder ins Auto zu steigen«, sagt er. Seine Familie war sehr erleichtert, dass Niewöhner den Unfall so glimpflich überstanden hat. »Ich habe gesagt, dass ich meinen zweiten Geburtstag feiere. Da hat mich meine siebenjährige Tochter Ella gefragt: Papa, was heißt das?« Jens Niewöhner erklärte ihr dann die Umstände des Unfalls.

Wahrscheinlich wird für seine Familie jetzt der 1. November immer eine besondere Bedeutung haben, denn Jens Niewöhner weiß: »Ich hatte einfach einen großen Schutzengel.«

Kommentare

Solche Idioten, (ja Idioten) wie die Unfallverursacher müsste man für immer aus dem Straßenverkehr ziehen. Die haben ja keinen Verstand und eignen sich nicht ein Auto zu lenken. Ein Glück, dass nichts schlimmeres passierte. Alles Gute für Herrn Jens Niewöhner

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