Uni-Serie, Folge 41: Dr. Susan Banihaschemi unterstützt junge Doktorandinnen
Sie kämpft für Chancengleichheit

Bielefeld (WB). Rückenwind und Ermutigung soll das Programm »Movement« der Universität Bielefeld für Studentinnen und Wissenschaftlerinnen sein. Dr. Susan Banihaschemi begleitet vor allem junge Doktorandinnen auf ihrem Weg.

Donnerstag, 07.11.2019, 18:00 Uhr aktualisiert: 07.11.2019, 18:50 Uhr
Dr. Susan Banihaschemi weiß, was es heißt, Beruf und eine Familie mit drei Kindern unter einen Hut zu bringen. In dieser Phase ihres Lebens überwiege die »Rush Hour«, sagt sie lachend.

»Movement ist ein Mentoring-Programm«, erklärt die 40-Jährige. Jeder teilnehmenden Doktorandin wird ein Professor oder eine Professorin als Ansprechpartner und Mentor zur Seite gestellt, daneben gibt es Workshops zur Begleitung und Reflexion und werden Treffen zum »Netzwerken« angeboten. Diese Workshops sollen Impulse geben und Strategien für die eigene Karriereplanung vermitteln. »Unser Ziel ist, qualifizierte Frauen in der Wissenschaft zu halten und ihnen in der akademischen Welt Perspektiven zu bieten«, sagt Susan Banihaschemi.

Das Gros der Studienanfänger ist weiblich

Dass das nötig ist, belegt sie mit Zahlen aus der Medizin: Das Gros der Studienanfänger ist weiblich, der Anteil der Frauen an den Professoren betrage aber nur etwa 15 Prozent. »Die Frauen gehen auf dem Weg nach oben verloren – je höher, desto mehr. Wir sprechen von einer löcherigen Pipeline«, erklärt Banihaschemi. Um Chancengleichheit herzustellen, gebe es mittlerweile an fast allen Universitäten und Hochschulen geschlechtersensible Personalentwicklungsprogramme – wie eben »Movement«, das sich nicht nur an Doktorandinnen, sondern auch an Studentinnen mit Promotionswunsch, an bereits promovierte sowie internationale Wissenschaftlerinnen richtet.

Susan Banihaschemi freut sich, dass sie bei der Ausgestaltung des Programmes relativ freie Hand habe. »Man hört sich auch an anderen Universitäten um, nimmt Anregungen auf, passt die Inhalte den jeweiligen Gruppen an und reagiert auf Bedürfnisse.« In der aktuellen Gruppe etwa sei ein Thema, dass die Teilnehmerinnen oft die Ersten in ihren Familien seien, die promovieren. Das macht die Eltern meistens stolz, kann aber auch für Unverständnis sorgen.

Einzige Tochter studiert nicht Medizin, sondern Sozialwissenschaften

Susan Banihaschemi selbst wuchs in Duisburg auf. Ihr Vater, der zum Studium aus dem Iran nach Deutschland gekommen war, hatte eine Arztpraxis in Oberhausen. Anders, als von den Eltern erhofft, studierte die einzige Tochter aber nicht Medizin, sondern Sozialwissenschaften. »Angefangen habe ich das Studium in Duisburg/Essen, zum Hauptstudium bin ich aber wegen der Soziologiefakultät nach Bielefeld gekommen.«

Ihre Dissertation hat die Mutter dreier Kinder – einer Tochter und eines Zwillingspärchens – in der Geschlechtersoziologie geschrieben, genauer: über Elternschaft und besonders Vaterschaft in der Reproduktionsmedizin. »Ich habe mir dazu den Diskurs der vergangenen 30 Jahre angeschaut und analysiert, wie das, was anfangs als sittenwidrig galt, irgendwann zum legitimen Standard wurde.«

Nach Jahren in der Wissenschaft – zuletzt als Studiengangskoordinatorin – wechselte Susan Banihaschemi Anfang 2016 in das Wissenschaftsmanagement, ist halb im Gleichstellungsbüro der Universität Bielefeld und halb im Mentoring-Programm beschäftigt. Wer sich beruflich mit Geschlechtergerechtigkeit befasst, achtet auch privat zwangsläufig darauf – vor allem, wenn es um die Erziehung der eigenen Kinder geht.

»Ich habe ihre Entwicklung natürlich im Auge«, sagt die dreifache Mutter, die sicher sein kann, mit ihrem Mann an einem Strang zu ziehen. Aber sie sei sich bewusst, dass es eine Vielzahl anderer Einflüsse gebe: in der Kita, in der Schule, in Elternhäusern von Freunden oder durch die Medien. »Und natürlich habe ich auch unbewusst Geschlechterbilder im Kopf...«, schmunzelt sie.

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