Seit 40 Jahren gibt es die Grünen in Bielefeld – Geburtstagsausstellung im Rathaus
»Ein bisschen wie Greta heute«

Bielefeld (WB). Für das Bielefelder politische Establishment war es ein Schockmoment, als am 30. September 1979 das vorläufige amtliche Endergebnis der Kommunalwahl vorlag: Mit 5,6 Prozent war die »Initiative Bunte Liste Bielefeld« in den Rat eingezogen.

Freitag, 08.11.2019, 16:00 Uhr
Hängen die Bilder der Grünen-Jubiläumsausstellung: (von links) Silvia Bose, Bernd Ackehurst und Elisabeth Lasche Foto: Bernhard Pierel
Hängen die Bilder der Grünen-Jubiläumsausstellung: (von links) Silvia Bose, Bernd Ackehurst und Elisabeth Lasche Foto: Bernhard Pierel

So richtig ernst hatten die Alteingesessenen die bunte Truppe lange nicht genommen, die sich im Februar desselben Jahres gegründet hatte. Aber auf einmal saßen die Vorläufer der heutigen Grünen im Stadtparlament. An diesem Freitag feiern sie ihren runden Geburtstag. Sie sind in die Jahre gekommen. Im besten Sinne.

Die Stadtsanierung, die Anti-Atomkraft-Bewegung und die Nachwirkungen des »Deutschen Herbstes« mit seinen Terroranschlägen und Bürgerrechtsdebatten ließen die »IBLB« entstehen.

»Wir waren gewissermaßen das gute Gewissen einer städtischen bürgerlichen Elite, die sich in Fehlplanungen verrannt hatte«, sagt Reinhard Krämer, der zum ersten Ratsquartett gehörte. »Und in gewisser Weise waren wir wie Söhne und Töchter aus gutem Hause, die man sehr gut verstehen konnte. Ein bisschen so wie Greta Thunberg heute.«

19 Autoren, 20 Fotos

Krämer, der jetzt im NRW-Kulturministerium arbeitet, ist einer von 19 Autoren, die sich in einer Ausstellung zur Geschichte der Grünen in Bielefeld äußern oder sich mit ihrer Zukunft auseinandersetzen. Zu ihrem besonderen Geburtstag haben die Grünen eine Schau mit 20 Fotografien, die für die Historie der Partei und ihrer Vorläuferin in Bielefeld stehen, und Texten zusammengestellt. Maßgeblich daran beteiligt war Silvia Bose, Mitarbeiterin der grünen Ratsfraktion.

Ulla Brockmeyer, Uschi Dresing, Paul Hartjens, Martin Langer, Veit Mette und Hermine Oberück sind die Fotografinnen und Fotografen, die dafür ihre Archive geöffnet haben und thematisch spannende Ansichten in Schwarz-Weiß zur Verfügung gestellt haben.

Die protestierenden Besucher in einer Ratssitzung, die Veit Mette ins Bild setzte, stehen für den neuen Geist, der mit den Grünen ins Rathaus einzog. Uschi Dresing fotografierte die Frau, die traurig auf die Abriss-Häuser im Bielefelder Westen, die der Stadtsanierung weichen mussten, blickt. 

Hermine Oberück zeigt geballte Frauen-Power, grüne Politikerinnen, die im Wahlkampf 1984 vor dem Rathaus eine Baumaschine »besetzen«. Und Uschi Dresing porträtiert 1986 Dr. Uwe Lahl, Bielefelds ersten grünen Umweltdezernenten, mit den Füßen auf dem Beistelltisch seines Schreibtisches, der wiederum voll gepackt ist mit Akten. »Das Bild täuscht eindeutig. Füße stillhalten war ganz gewiss nicht die Sache von Dr. Uwe Lahl«, schreibt Pit Clausen dazu. Bielefelds jetziger SPD-Oberbürgermeister war damals noch Student an der hiesigen Universität und schildert seine (Außen-)Wahrnehmung: »Grüne Umweltverwaltung in Bielefeld war noch höchst umstritten. Im Zweifel war man (und frau auch) wohl aus Prinzip dagegen.«

Davids Innenansicht

Eine (Innen-)Ansicht bietet Eberhard David, CDU-OB von 1989 bis 1994 und von 1999 bis 2009. Er schreibt zu einer Fotografie von Veit Mette über die Zusammenarbeit mit Mehmet Kilicgedik. Der Grüne war 1994 Bielefelds erster Bürgermeister mit Migrationshintergrund, was manche mit Bewunderung sahen, andere noch als Provokation betrachteten. David sieht das anders: »So entspannt und freundlich wie auf dem Bild habe ich Herrn Kilicgedik kennengelernt und wahrgenommen.«

Im Katalog kommen auch viele zu Wort, die über die Bielefelder Grünen einen »Marsch durch die Institutionen« zu Spitzenämtern in diesem Land angetreten haben: Michael Vesper, Vize-Ministerpräsident in NRW und später Chef des Deutschen Olympischen Sportbundes, Annelie Buntenbach, heute im DGB-Bundesvorstand, oder Britta Haßelmann, inzwischen Erste Parlamentarische Geschäftsführerin der grünen Bundestagsfraktion.

Warum eine Reihe Bielefelder Grünen »grüne« Karrieren gemacht haben? Ratsfraktionschef Jens Julkowski-Keppler und Kreissprecherin Shahina Gambir versuchen im Ausstellungskatalog eine Antwort: »Hier kann man Lust auf Politik bekommen, Lust sich zu engagieren.«

Die Ausstellung ist von diesem Freitag an drei Wochen im Alten Rathaus zu sehen.

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