So., 10.11.2019

Meschede: »Kunsthalle verdient Weltkulturerbestatus« Liebeserklärung und Abrechnung

Mit Eröffnung der Ausstellung »L’homme qui marche« nimmt Dr. Friedrich Meschede Abschied von der Kunsthalle – hier mit einer Skulptur von Thomas Schütte.

Mit Eröffnung der Ausstellung »L’homme qui marche« nimmt Dr. Friedrich Meschede Abschied von der Kunsthalle – hier mit einer Skulptur von Thomas Schütte. Foto: Bernhard Pierel

Von Burgit Hörttrich

Bielefeld (WB). Dr. Friedrich Meschede eröffnete am Freitagabend in der Kunsthalle seine letzte Ausstellung (»L’homme qui marche – Verkörperung des Sperrigen«), nachdem sein Vertrag auf Betreiben der Politik nicht verlängert worden war.

Der 64-Jährige nutzte seine Rede zum einen als eine Art Liebeserklärung an die Kunsthalle, zum anderen auch als Abrechnung – vor allem mit der Bielefelder Politik . Leitfaden seines Handelns, so Meschede, sei stets gewesen, die Möglichkeit zu Entdeckungen zu bieten »statt Bestätigung des Bekannten«.

Er habe Neugierde wecken, nicht das Herkömmliche aufwärmen wollen. Meschede: »Die heutige Situation der Kunsthalle wurde von einer Handvoll Brunnenvergiftern verursacht, die in dieser Stadt unsere Freiheit im Denken und Handeln für die Kunst nicht ertragen wollen.«

Zäsur und Paradigmenwechsel

Den anstehenden Wechsel in der Leitung der Kunsthalle bezeichnete Meschede als Zäsur und Paradigmenwechsel. Das Museum habe seine Ausstellungen immer auch als Forschungsauftrag und als Bildungsarbeit verstanden. Es fehle inzwischen aber die Geduld, sich auf längere Wahrnehmungsmomente einzulassen . Meschede: »Design wird wichtiger als Inhalt, das Zeitalter des Digitalen sorgt für Zerstückelung.«

Meschedes Nachfolgerin Christina Végh wird, so sagte Georg Fortmeier, Vorsitzender des Aufsichtsrates der Kunsthalle, in seinem Grußwort, ihr neues Amt »zum 1. Februar 2020, möglicherweise bereits zum 20. Januar antreten«.

Er sprach von einem voraussichtlichen Sanierungsbeginn der Kunsthalle 2022/23: »Bis zu diesem Zeitpunkt werden Ausstellungen möglich sein.« Er lobte die Arbeit des Aufsichtsrates, die dafür gesorgt habe, dass die Politik die Kunsthalle in Zukunft wieder finanziell auf festere Beine gestellt und erstmals seit 1996 mit 150.000 Euro pro Jahr einen Ankaufsetat bewilligt habe.

»Kunsthalle war Kathedrale auf Zeit«

Friedrich Meschede dagegen befürchtet, dass der vom Aufsichtsrat immer wieder beschworene »Neustart« nur beinhalte, das Programm der Kunsthalle stärker zu kontrollieren und auf die kuratorische Intendanz und kunstwissenschaftliche Freiheit Einfluss zu nehmen.

Er selbst habe stets ein »Mehr-Sparten-Programm« mit Malerei, Design, Installation, Fotografie geboten, aus »Platzmangel zeitlich nacheinander«. Seine persönliche Lieblingsausstellung sei die mit Lichtskulpturen von Dan Flavin gewesen. »Die Kunsthalle war eine Kathedrale auf Zeit.«

Friedrich Meschede sagt, dass trotz der Widrigkeiten sich die Jahre in der Bielefelder Kunsthalle für ihn gelohnt hätten. Für ihn sei die Kunsthalle »das MoMa von Ostwestfalen-Lippe«. Bielefeld habe ein neues Bewusstsein für den Wert der Kunsthalle entwickelt.

Friedrich Meschede versprach »sperrig zu bleiben«

Seine Anregung: Die Stadt solle sich darum bemühen, die Kunsthalle zum UNESCO-Weltkulturerbe erklären zu lassen. »Das Zeug dazu hat sie.«

Friedrich Meschede versprach, passend zum Titel der Ausstellung , die er gemeinsam mit Dr. Jutta Hülsewig-Johnen kuratiert hat, »sperrig zu bleiben«.

Gekommen zur Eröffnung der Schau (bis 8. März 2020) waren neben Leihgebern auch zahlreiche Künstler, die dem Haus und dessen Noch-Direktor verbunden sind wie Pia Stadtbäumer, Johannes Wald, Esther Kläs, Asta Gröting, Harald Klingelhöller, Ayse Erkmen, Bernard Frize und Natasza Niedziolka.

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