Mo., 11.11.2019

Bielefelder »Bündnis gegen Rechts« zieht positive Bilanz – trotzdem wieder Kritik an der Polizei »Das ist Wahnsinn«

So wie diese Demonstranten zeigen am Samstag 14.000 Menschen, was sie vom Naziaufmarsch halten.

So wie diese Demonstranten zeigen am Samstag 14.000 Menschen, was sie vom Naziaufmarsch halten. Foto: Thomas F. Starke

Von Jens Heinze

Bielefeld (WB). 14.000 Menschen – 4000 mehr als bei den Anti-Rechtsdemos im Vorjahr – sind am Samstag gegen Rechtsextremismus auf die Straßen gegangen. Die große Zahl der Demonstranten, die sich dem Aufmarsch von 230, überwiegend auswärtigen Neonazis entgegen stellten, hat selbst die Initiatoren vom Bündnis gegen Rechts überrascht.

»Das ist Wahnsinn. Jung und Alt, alle Religionen und demokratischen Parteien waren auf den Beinen. Es gab große Solidarität mit der jüdischen Gemeinde in Bielefeld. Alle von uns angemeldeten Demos sind friedlich verlaufen«, zog Klaus Rees vom Bündnis eine erste Bilanz. Er habe noch nie so viele Menschen wie am Samstag bei der jährlichen Gedenkveranstaltung an die Novemberpogrome gesehen, als am 9. November 1938 auch die damalige jüdische Synagoge an der Turnerstraße niedergebrannt wurde.

»Entschlossenes, deutliches Zeichen«

Bündnissprecher Michael Gugat war mit dem Verlauf des großen Demosamstages ebenfalls hoch zufrieden. »Es war ein rundum guter Tag. 14.000 Gegendemonstranten sind die höchste Zahl, die meines Wissens das Bündnis gegen Rechts jemals auf die Beine gebracht hat«, sagte er. Die Bielefelder hätten ein »entschlossenes, deutliches Zeichen gegen den Faschismus« gesetzt.

1700 Polizisten mit Hubschraubern, Wasserwerfern, Reiterstaffeln und undurchlässige Straßensperren: Hatte es vergangenes Jahr nach dem Rechtsradikalenaufmarsch am 10. November 2018 massive Kritik aus den Reihen der damals 10.000 Gegendemonstranten an der Einsatztaktik der Polizei gegeben, hielten sich die Vorwürfe in Richtung der uniformierten Kräfte dieses Mal in Grenzen. »Da ist nach meinem Eindruck vieles besser gelaufen als im Vorjahr«, lautete eine erste Einschätzung von Michael Gugat.

Bündnis-Sprecher Klaus Rees warf der Polizei dagegen vor, sich im Gegensatz zu 2018 zwar »merklich zurück gehalten« zu haben, aber trotzdem Absprachen nicht eingehalten zu haben. So seien auswärtige Bereitschaftspolizei-Einheiten aus NRW nicht informiert gewesen. Rees: »Wir mussten die Polizei immer wieder daran erinnern, was vereinbart war.« Beispielsweise sei der Fußgängertunnel unter der Alfred-Bozi-Straße in Höhe der Gaststätte Stolander trotz Öffnungs-Zusicherung der Polizei doch zeitweise geschlossen gewesen.

Kritik an Aufstellung der Wasserwerfer

Wie schon im Vorjahr gab es erneut Kritik an der Aufstellung der Wasserwerfer. »Sie waren wieder auf die Gegendemonstranten gerichtet«, schilderte Rees eine Situation vor der OWD-Brücke über die Jöllenbecker Straße. Dort musste der große, vom Siegfriedplatz kommende Demozug mit bis zu 3000 Menschen auf dem Weg zum Landgericht warten, bis die vom Hauptbahnhof startenden Rechtsextremen über die Mindener Straße abmarschiert waren. Ein blauer Wasserwerfer der Polizei sei vorgefahren, die Kanone sei auf den Zug der Gegendemonstranten gerichtet gewesen, sagte Rees. »Das sind so Sachen vom vergangenen Jahr, die wir in unguter Erinnerung haben.«

Der Bündnis-Sprecher kündigte an, dass die grüne Bundestagsabgeordnete Britta Haßelmann die Ausrichtung der Wasserwerfer zum Thema bei der Polizei Bielefeld machen werde. Britta Haßelmann hatte am Samstag mit gegen den Aufmarsch der Rechtsextremisten demonstriert.

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