Mo., 11.11.2019

Bielefelder Weihnachtsmärchen »Der Zauberer von Oz« entführt in einen fantasievollen Wilden Westen mit Herz Eine Reise ins Abenteuerland

John Wesley Zielmann (Blechmann), Alexander Stürmer (Strohmann), Charlotte de Montcassin (Dorothy und, Nicole Paul (Hexe) kurz vor dem Happyend von »Der Zauberer von Oz« im Bielefelder Stadttheater.

John Wesley Zielmann (Blechmann), Alexander Stürmer (Strohmann), Charlotte de Montcassin (Dorothy und, Nicole Paul (Hexe) kurz vor dem Happyend von »Der Zauberer von Oz« im Bielefelder Stadttheater. Foto: Philipp Ottendörfer/Theater

Von Burgit Hörttrich

Bielefeld (WB). Zugabe! Weil’s soooo schön ist, singen Dorothy, Löwe, Strohmann, Blechmann und der ganze Rest noch einmal »Geh’n wir auf die Reise...«, das Mutmacherlied im Bielefelder Weihnachtsmärchen »Der Zauberer von Oz«.

Die Premiere erlebte die 119 Jahre alte Geschichte im ausverkauften Stadttheater, gefeiert mit Ovationen. Ausdrücklich empfohlen wird »Der Zauberer von Oz« für Kinder ab fünf Jahren. Was seine Berechtigung hat. Zu sehen ist zwar ein kunterbuntes Roadmovie, eine zu Herzen gehende Geschichte einer Freundschaft von vier vermeintlichen Losern und Außenseitern mit Happyend und Musik, die wunderbaren Wortspiele, das Zauberhafte, erschließt sich allerdings erst in voller Schönheit beim genauen Zuhören.

Nichts lieber als zurück nach Hause

Im Mittelpunkt: ein starkes Mädchen namens Dorothy, das im staubtrockenen Kansas auf der Farm von Tante Em und Onkel Henry lebt. Da ist es nicht nur öde und langweilig, sondern alles ist trist Beigegrau – bis hin zu den »frisch gewaschenen« Unterbüxen auf der Leine. Dorothy, anrührend-selbstbewusst gespielt von Mezzosopranistin Charlotte de Montcassin, wünscht sich nichts so sehr, wie an einem Ort zu sein, »wo ich Freunde habe und wo alles, alles farbig ist«. Aber wie das nun mal so ist mit den Wünschen – werden sie erfüllt, stellt sich heraus, dass das doch nicht genau das war, was das Herz begehrt. Dorothys vertraute Welt nämlich verschwindet, als sie mitsamt dem Farmhaus von einem Wirbelsturm in die Luft gehoben und in das Land Oz katapultiert wird. Oz ist zwar kunterbunt, aber Dorothy möchte jetzt nichts lieber als zurück nach Hause.

Dass das Farmhaus bei der Landung als eine Art Kollateralschaden die böse Hexe des Ostens unter sich begräbt und somit eine Schreckensherrschaft beendet ist, bringt ihr immerhin ein paar rote Pailletten-Stiefeletten ein. Dass die gewissermaßen ihre Rückfahrkarte sind, erfährt sie erst zum guten Schluss. Denn zwischendurch macht sie sich auf die Reise zum großen und mächtigen Zauberer von Oz und findet auf dem Weg drei ungewöhnliche Gefährten: einen Strohmann, der naturgemäß nur Stroh im Kopf hat und sich ein Hirn wünscht, einen Blechmann, dem das Herz und einem Löwen, dem der Mut fehlt. Dabei ist alles anders, als es scheint: Alexander Stürmer spielt ein cleveres Kerlchen, John Wesley Zielmann mimt mitfühlend und hilfsbereit und Löwe Jan Hille scheut keinen Kampf, um die Freunde retten. Das Trio hat die Rollen regelrecht verinnerlicht: Stürmer spielt eben wie ein Typ ohne Rückgrat, Zielmann steif wie ein Soldat aus der Blechbüchsenarmee und Hille ist athletisch und ohne Höhenangst.

Weil’s soooo schön ist

Von diversen Hexen (alle verkörpert von Nicole Paul, zum Teil belohnt mit Szenenapplaus) gibt es Hilfe oder Hindernisse, eine dicke Mäusekönigin sorgt für überschäumende Heiterkeit und der große und mächtige Zauberer von Oz stellt sich als liebenswerter, ein wenig aufgeblasener Illusionskünstler heraus, von dem Zuschauer lernen können, nicht auf Fakes herein zu fallen. Und, klar, Dorothy singt auch das legendäre »Over the Rainbow« – zwei Mal. Genau: Weil’s soooo schön ist.

Christian Schlüter als Regisseur hat auf dem »Zauberer von Oz« jedoch kein sentimentales Rührstück gemacht, sondern eine spannende Abenteuer-Geschichte, die dank Ausstatterin Julia Hattstein im Fantasie-Wilden Westen spielt. Was die Musik, die Oliver Siegel dazu komponiert hat und live zu Gehör bringt, noch fetzig unterstreicht. Für alle, die Action brauchen: Ein bisschen Puff und Peng gibt’s auch.

Angebote für Kinder

Das Theater Bielefeld zeigt »Der Zauberer von Oz« bis zum 5. Januar 2020. Die Einzelkarten kosten 11 oder 16 Euro. Für die meisten Vorstellungen gibt es nur noch Restkarten (zwei bis maximal zehn), einige sind komplett ausverkauft. Noch Tickets zu haben sind für die Termine 15. November, 14 Uhr; 27. November, 14 Uhr; 5. Dezember, 11 Uhr; 4. Januar, 11 und 14 Uhr, 5. Januar, 11, 14 und 17 Uhr.

Infos und Karten (5/8,50 Euro) unter Telefon 0521/515454 oder hier.

Das Theater Paderborn spielt in diesem Jahr zu Weihnachten »Die Bremer Stadtmusikanten«. Restkarten gibt es nur noch für die Vorstellung am 22. Dezember, 15.30 Uhr.

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