Di., 12.11.2019

Neue Radaranlage spült in fünf Monaten 600.000 Euro in die Bielefelder Stadtkasse Superblitzer lichtet mehr als 22.000 Raser ab

Seit seinem ersten Einsatz am 8. Mai an der Ravensberger Straße hat Blitzer »Bernhard« 22.000 Raser abgelichtet.

Seit seinem ersten Einsatz am 8. Mai an der Ravensberger Straße hat Blitzer »Bernhard« 22.000 Raser abgelichtet. Foto: Peter Bollig

Von Jens Heinze

Bielefeld (WB). Der neue mobile Superblitzer »Bernhard« hat in den ersten fünf Einsatzmonaten 22.163 Raser auf den Straßen der Großstadt abgelichtet. Damit liege das lasergesteuerte, in beide Fahrtrichtungen messende Gerät in Form eines auffälligen dunkelgrauen Autohängers auf Platz 2 hinter der unerreichten Autobahn-Radaranlage am Bielefelder Berg, sagt Stefan Heiermann, Abteilungsleiter der Bußgeldstelle des städtischen Ordnungsamtes.

Seit dem 8. Mai ist »Bernhard« im Einsatz. Ausgewertet sind beim Ordnungsamt die Fallzahlen bis zum 11. Oktober. Ganz weit vorne in Sachen Tempoverstößen ist der Statistik zufolge nach wie vor die Babenhauser Straße. Dort wurde rund um das Senioren- und Pflegeheim Karl-Pawlowski-Haus zum Schutz der betagten Bewohner eine Tempo 30-Zone eingerichtet. Die Geschwindigkeitsbegrenzung für den lediglich 200 Meter langen Bereich besteht bereits seit Juli vergangenen Jahres.

»Unerklärlich« findet Abteilungsleiter Heiermann, dass auf der Babenhauser Straße der neue Superblitzer bei drei mehrtägigen Einsätzen 7468 Raser abgelichtet hat. Der Schnellste sei in der Tempo 30-Zone mit 73 Kilometern in der Stunde unterwegs gewesen. Konsequenzen: 200 Euro Bußgeld plus Bearbeitungsgebühr der Stadt Bielefeld, zwei Punkte und ein Monat Fahrverbot.

Kein Lerneffekt an Babenhauser Straße

Heiermann: »An der Babenhauser Straße ist noch gar kein Lerneffekt eingetreten. Die Tempo 30-Zone sollte sich langsam rumgesprochen haben.« Platz 2 in der Raserstatistik von Blitzer »Bernhard« belegt die enge und teils unübersichtliche Stapenhorst­straße. In der dortigen Tempo 30-Zone gab es 4436 Verstöße. Der »Spitzenreiter« wurde mit 77 Kilometern in der Stunde abgelichtet, berichtet Heiermann.

Tempo 30 herrscht tagsüber auch auf der Herforder Straße in Fahrtrichtung Innenstadt rund um die Hellingskamp-Grundschule, nachmittags bis morgens sind 50 Kilometer in der Stunde erlaubt. Dass trotzdem auf der vierspurigen Herforder Straße nicht nur gefühlt, sondern tatsächlich gerast wird, belegt die neue Laser-Radaranlage. 3239 Fotos wurden geschossen. Ein motorisierter Verkehrsteilnehmer war nachts mit Tempo 113 unterwegs (480 Euro Bußgeld, zwei Punkte, drei Monate Fahrverbot).

Und noch eine Lehre zieht der Abteilungsleiter aus dem Zahlenwerk. »Die Fallzahlen sind gestiegen. Das bestätigt, dass die Kontrollen im Stadtgebiet Sinn machen.« Zum Vergleich zieht er die Erfahrungen mit Testblitzer »Bernd« heran. Dieses mit »Bernhard« fast baugleiche Gerät war drei Monate lang im Sommer 2018 auf Bielefelds Straßen im Einsatz, lichtete aber nur 6037 Raser ab.

Zehn Prozent der Fotos nicht verwertbar

Bei Blitzer »Bernhard« waren es in fünf Monaten 22.163 Fälle. Etwa zehn Prozent der Fotos waren allerdings nicht verwertbar, weil sie mal zu dunkel waren, hochspritzendes Regenwasser oder Laub auf einem Kennzeichen Raserbilder unbrauchbar machten, sagt Heiermann. So seien unter dem Strich 20.936 Geschwindigkeitsverstöße zwischen Mai und Oktober übrig geblieben. Für das Ordnungsamt ein Spitzenwert.

Heiermann: »Bei den beiden mit alter Technik ausgestatteten städtischen Radarwagen ist die Fehlerquote mit 20 Prozent deutlich höher.« Kommendes Jahr, kündigt er an, würden die Radarwagen nach dem Vorbild des Superblitzers mit neuer Lasertechnik ausgestattet.

Diese dürfte sich angesichts steigender Raserzahlen ähnlich schnellt bezahlt machen wie der Kauf von »Bernhard«. 244.000 Euro hat das schuss- und feuerfeste sowie digital steuerbare Gerät mit GPS-Ortung den Angaben des Ordnungsamtes zufolge gekostet. Erblitzt habe die Anlage mit den zwei Kameralinsen für beide Fahrtrichtungen in den ersten fünf Monaten bereits Verwarn- und Bußgelder in Höhe von etwa 600.000 Euro.

Kommentare

Geschwindigkeitsüberwachung ist notwendig

Man könnte daraus z.B. auch die Kosten, die den Opfern der Raserei entstehen, dadurch ein bisschen abzudecken - nur mal so als alternativer Vorschlag, der mir schlüssiger erscheint.
Wer zu schnell fährt und geblitzt wird, hat m.E. kein Recht herumzujammern sondern sollte sich zuallererst an die eigene Nase fassen. Geschwindigkeitsüberwachung ist keine Wegelagerei oder Abzocke sondern - wie die Zahlen zeigen - leider sehr notwendig. Insofern kann die Stadt von mir auch gleich noch ein paar Brüder von Bernd hinzu kaufen.
In den Nachbarländern ist zu schnelles Fahren übrigens erheblich teurer und erstaunlicher Weise können sich die Autofahrer dort auch viel besser an die Vorgaben halten.
Frank

Radar

Also der "Bernhard" ist schon bezahlt. Werde gerne wissen, wie und für was wird das Geld verwendet. Vielleicht könnte man ein Teil für die Strassenrenovierung in Bielefeld verbrauchen? Man könnte natürlich noch so ein Gerät kaufen (was auch geplant ist) und weitere Einnahmen in die Stadtkasse flüssen lassen. Was geschieht jedoch mit dem Nettoeinkommen?

2 Kommentare

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