250.000 Euro für mögliche weitere Zahlungsverpflichtungen vorgesehen
Westfälische Kirche will Kampf gegen sexuellen Missbrauch verstärken

Bielefeld (epd). Die westfälische Kirche will Opfer von sexualisierter Gewalt stärken und die Prävention ausbauen. Es gehe darum, weiterzuentwickeln und umzusetzen, wie Gemeinden, Einrichtungen und Schulen zu Schutz- und Kompetenzorten werden, sagte die hauptamtliche Beauftragte für den Umgang mit Verletzungen der sexuellen Selbstbestimmung, Daniela Fricke, am Dienstag vor der westfälischen Synode in Bielefeld.

Dienstag, 19.11.2019, 10:58 Uhr aktualisiert: 19.11.2019, 11:06 Uhr
Symbolbild. Foto: Hendrik Schmidt/dpa
Symbolbild. Foto: Hendrik Schmidt/dpa

Gemeinsam mit den Betroffenen sei zu klären, wie individuelle und institutionelle Aufarbeitung besser gelingen könne. Genaue Fallzahlen von Opfern sexualisierte Gewalt könnten derzeit noch nicht präsentiert werden, erklärte Fricke. Noch gebe es keine Meldepflicht, und entsprechende Kriterien, nach denen »wir Fälle als Fälle definieren und zählen könnten«. Das reine Zählen von Verfahren, in denen Strafanzeige erstattet wurde oder Disziplinarverfahren geführt würden, könne auch ein falsches Bild vermitteln. Zudem würden Opfer-Kontakte, die unter der seelsorglichen Schweigepflicht stünden, ohnehin außerhalb der Statistik stehen, bis die Betroffenen selbst es anders entschieden.

Ansprechpartner zur Stärkung der Prävention

Zur Stärkung der Prävention sollen in der westfälischen Kirche künftig rund 30 hauptamtliche Ansprechpartner und Multiplikatoren zur Verfügung stehen, erläuterte die Kirchenrätin. Nach ihrer Schulung sollen sie ehrenamtliche und hauptamtliche Mitarbeiter in Gemeinden, Kirchenkreisen, Ämtern, Schulen, Einrichtungen und Werken zum Thema sexualisierte Gewalt schulen. Für die Qualifizierung habe die Landessynode im vergangenen Jahr 45.000 Euro zur Verfügung gestellt.

In ihrem Bericht hatte die westfälische Präses Annette Kurschus am Montag erklärt, dass die Landeskirche die individuelle Aufarbeitung in den Mittelpunkt rücke. Diese solle mit einem professionellen Anerkennungs- und Unterstützungssystem verbunden werden, das auch nach Verjährung und ohne strenge Nachweispflichten zum Tragen kommen solle.

Unterstützung für anwaltliche Beratung

Laut dem Zwischenbericht wurden seit 2014 im Bereich der Diakonie und der westfälischen Kirche rund 60 Anträge auf Anerkennung von Leid bewilligt und insgesamt Zahlungen in Höhe von 305.000 Euro geleistet. In einem ergänzenden Hilfesystem für Menschen, die als Kinder oder Jugendliche in kirchlichen Einrichtungen sexuell missbraucht wurden, würden mit Beträgen bis jeweils 10.000 Euro Therapien und andere Sachleistungen unterstützt. Die westfälische Kirche habe die bislang sieben gestellten Anträge anerkannt. Für mögliche weitere Zahlungsverpflichtungen habe die westfälische Kirche in diesem Jahr weitere 250.000 Euro vorgesehen.

Außerdem werden in glaubhaften Fällen die Kosten für anwaltliche Beratungen übernommen, wie Fricke erklärte. Dafür stellt die westfälische Kirche seit diesem Jahr 10.000 Euro pro Jahr zur Verfügung.

Die westfälische Landessynode tagt bis Mittwoch, am Dienstagabend sollte der Haushalt verabschiedet werden.

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