Viele Hebammen stellen Gefahrenanzeigen
Personalnot: Kreißsäle gesperrt

Bochum (dpa/WB/fw). Kliniken, die Frauen in den Wehen abweisen müssen, und Hebammen, die Alarm schlagen: Eine NRW-weite Untersuchung liefert aktuelle Zahlen zur Lage. Nicola Bauer, die Studienleiterin, spricht von einer »besorgniserregenden Situation«.

Mittwoch, 20.11.2019, 20:46 Uhr aktualisiert: 21.11.2019, 08:26 Uhr
Eine Hebamme hört die Herztöne eines Babys im Mutterleib ab. Foto: dpa
Eine Hebamme hört die Herztöne eines Babys im Mutterleib ab.

Die Hochschule für Gesundheit in Bochum hat Tausende Mütter und Hebammen zur Teilnahme aufgerufen. Antworten von 1783 Müttern sowie 1924 Hebammen flossen in die Untersuchung ein. Jede vierte der befragten Hebammen gab an, dass ihr Kreißsaal in den vergangenen vier Wochen vorübergehend geschlossen werden musste, weil Personal fehlte oder kein Platz da war. Jede siebte befragte Mutter hätte sich während der Geburt mehr Betreuung durch die Hebamme gewünscht – eine Mehrheit von 78,3 Prozent war zufrieden.

Ein geringer Anteil von 1,1 Prozent der Frauen berichtete, zu Geburtsbeginn von der Wunschklinik abgewiesen worden zu sein. Deutliche Worte kommen dazu vom Hebammenverband: »Dass eine Hochschwangere vor verschlossenen Türen steht, darf einfach nicht passieren«, kritisierte Daniela Erdmann, Vizevorsitzende des Hebammenverbandes NRW.

Hohe Arbeitsbelastung

Auch bei Schwangeren- und Wochenbettbetreuung offenbart die Befragung Engpässe: Im Schnitt mussten Schwangere vier Hebammen kontaktieren, um eine Betreuung für das Wochenbett sicherzustellen. Das könne Frauen überfordern, warnen die Forscherinnen. »Vor allem müssen Schwangere frühzeitig daran denken: Fast jede zweite Hebamme gibt an, für die nächsten sechs Monate ausgebucht zu sein«, sagt Bauer.

Die Studie legt außerdem eine sehr hohe Arbeitsbelastung vieler Hebammen in den Kliniken offen, betont Bauer: Mit 43 Prozent gab fast die Hälfte aller im Krankenhaus tätigen Geburtshelferinnen an, in den vergangenen vier Wochen per sogenannter »Gefahrenanzeige« Alarm über die Zustände geschlagen zu haben. Viele erfahrene Kräfte kehrten den Kreißsälen daher den Rücken, weiß Bauer. Die Folge sei ein sich verstärkender Fachkräftemangel.

Problem auch in OWL bekannt

Auch in Ostwestfalen-Lippe kennt man diese Probleme. Fälle, in denen ein Kreißsaal geschlossen werden musste, gebe es auch in der Region, sagt Barbara Blomeier, die Vorsitzende des NRW-Hebammenverbandes. »Das betrifft zum Beispiel Kliniken im Kreis Gütersloh und Höxter sowie in Bielefeld«, sagt sie.

Im Klinikum Herford musste der Kreißsaal aufgrund von Krankheit und unbesetzten Stellen im Mai 2019 für mehrere Tage geschlossen werden. Oft gebe es aber auch finanzielle Gründe für Schließungen, sagt Blomeier. »Die Kliniken wollen schwarze Zahlen schreiben, und das können sie mit der Geburtshilfe nicht.«

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