So., 24.11.2019

Uni-Serie, Folge 44: Die Kaltschmidts betreiben seit 2008 Stammzellenforschung Ein Paar in doppelter Hinsicht

Sie sind eigentlich nur als Team denkbar: die Professoren Dr. Barbara und Dr. Christian Kaltschmidt, die »roten Biologen« der Universität Bielefeld, gehen seit der Hochzeit 1985 ihren Weg gemeinsam – längst auch beruflich.

Sie sind eigentlich nur als Team denkbar: die Professoren Dr. Barbara und Dr. Christian Kaltschmidt, die »roten Biologen« der Universität Bielefeld, gehen seit der Hochzeit 1985 ihren Weg gemeinsam – längst auch beruflich. Foto: Bernhard Pierel

Von Sabine Schulze

Bielefeld (WB). Wenn es irgendwann möglich ist, Alzheimer oder Parkinson zu heilen, ist das auch ein Verdienst von Prof. Dr. Barbara Kaltschmidt und Prof. Dr. Christian Kaltschmidt: Die Biologen der Universität Bielefeld haben es geschafft, in Gehirnen Zellen nachwachsen zu lassen. Das Ehepaar hat gezeigt, dass dem ein biochemischer Mechanismus zugrunde liegt. Aktiviert wird er durch einen Schalter auf der DNA, dem Träger des Erbgutes.

Seit 1985, dem Jahr ihrer Hochzeit, gehen die beiden Wissenschaftler ihren Weg gemeinsam – zunächst privat, längst aber auch beruflich. Deswegen wird hier ausnahmsweise nicht nur einer der beiden vorgestellt, sondern das Team: die Kaltschmidts.

Unterschiede in ihrem Lebenslauf, scherzen Barbara und Christian Kaltschmidt, gebe es in ihrer Jugend. Tatsächlich aber gibt es auch schon in jungen Jahren Parallelen im Leben von Prof. Dr. Barbara Kaltschmidt und Prof. Dr. Christian Kaltschmidt – wenn man davon absieht, dass Barbara Kaltschmidt eine Klosterschule besucht hat. Beide hatten sich für Biologie-Leistungskurse entschieden, beide haben ihr Studium an der TU München aufgenommen – »Du aber zwei Semester über mir«, betont sie und schaut ihren Mann an.

Kooperation mit Medizinern

Während Christian Kaltschmidt dann am Max-Planck-Institut in Martinsried im Bereich der Biomedizin – genauer: in der Virusforschung – seine Diplomarbeit schrieb, hat Barbara Kaltschmidt sich an einem Forschungsinstitut der LMU München mit klinischer Chemie befasst. »Zur Promotion sind wir beide dann zu einem Ehepaar gegangen«, erzählt Barbara Kaltschmidt lachend. Von München ging es über Freiburg und Bochum schließlich vor elf beziehungsweise zwölf Jahren an die Universität Bielefeld.

Seit 2008 befassen sich die Kaltschmidts mit Stammzellenforschung – und zwar ausschließlich mit adulten Stammzellen, deren Aufgabe die Erneuerung und Reparatur von Gewebe ist. »Wir sind die einzig ›roten‹ Biologen an der Universität«, erklären sie. Will heißen: Sie befassen sich mit roten Zellen aus Vertebraten (Wirbeltieren), die ideal für biomedizinische Projekte sind.

»Für unsere Arbeit sind wir immer auch auf die Kooperation mit Medizinern angewiesen«, sagen die Kaltschmidts. Die neue Medizinfakultät ist für sie mithin ein großer Gewinn. »Sie wird bestimmt zu weiteren interessanten Projekten führen.« Mit Prof. Dr. Thomas Vordemvenne etwa, dem Chefarzt der Unfallchirurgie des Evangelischen Klinikums, und Prof. Dr. Andreas Hütten, einem Kollegen aus der Physik, arbeitet das Ehepaar bereits jetzt daran, aus Stammzellen Knochenzellen werden zu lassen. Sie könnten bei Verletzungen oder einem Tumor die Reparatur übernehmen, wenn quasi bei großen Schäden oder Verletzungen »überbrückt« werden muss.

Stammzellen, erklären die Biologen, seien aber ebenso für Lern- und Gedächtnisprozesse wichtig. »Wenn etwas abstirbt, muss das aus adulten Stammzellen nachgebildet werden.« Und kann, wie die Kaltschmidts gezeigt haben, tatsächlich nachgebildet werden. Dabei sind einige Stammzellen sehr wandlungsfähig: »Die Zellen, die wir in Kooperation mit Prof. Dr. Holger Sudhoff vom Klinikum Bielefeld aus den Nasenmuscheln gewinnen, haben ein hohes Differenzierungspotential: Sie können zu Fett-, Knochen- oder Nervenzellen werden. Gerade letzteres ist wichtig bei neurodegenerativen Erkrankungen.«

Ebenso aber erforschen die Kaltschmidts beispielsweise die Mechanismen, die bei einer Sepsis ablaufen – ihre Behandlung ist ein Kampf gegen die Zeit – oder untersuchen, was das Wachstum von Tumoren auslöst und warum die Zellteilung außer Kontrolle gerät. »Gerade bei den Tumoren von Lunge und Darm sind viele Stammzellen aktiv.« Aber warum? Und wie sind sie gezielt zu blockieren? In Kulturen aus isolierten Zellen geht das Ehepaar diesen Fragen nach oder suchen – auch dies ist ein Kooperationsprojekt – nach einer Therapie gegen das Glioblastom, den häufigsten bösartigen Hirntumor. Operativ kann er kaum entfernt werden. »Wir setzen darauf, natürliche Killerzellen zu vermehren und sie irgendwann gezielt ins Gehirn spritzen zu können.«

Redeverbot vom Sohn

Für Barbara Kaltschmidt – Gleichstellungsbeauftragte der Bio-Fakultät – ist auch interessant, dass schon in den Stammzellen geschlechtsspezifische Unterschiede angelegt sind: »Männliche und weibliche Stammzellen verhalten sich unterschiedlich.« Ein interessanter Mechanismus, der noch analysiert werden müsse. Und genetische Unterschiede, ergänzt sie, gebe es schon vor der Pubertät.

Ein Gespräch mit Barbara und Christian Kaltschmidt bedeutet, dass die Aufmerksamkeit stets vom einen zur anderen und zurück wandert. »Wir haben jahrzehntelange Erfahrung im Ausdiskutieren. Ein kurzer Schlagabtausch, und alles ist wieder klar«, sagen beide lachend. Auch die Studenten sind es längst gewöhnt, dass hier ein Team zusammenarbeitet.

Der Sohn allerdings hat sich für ein anderes Fach entschieden: Er promoviert aktuell in der Physik. »Ich habe von ihm manchmal Redeverbot, weil ich nicht abschalten kann und sich immer alles um Forschung dreht«, erzählt Christian Kaltschmidt schmunzelnd.

Ein gemeinsames Hobby ist das Segeln und Wandern, darüber hinaus schwärmt Barbara Kaltschmidt von Yoga mit Tuch. »Außerdem kochen wir sehr gerne, vor allem italienisch, französisch und asiatisch.«

Kommentare

Nacfrage

Mit Verlaub, woran macht der Autor seinen Lobgesang hier fest. Wissenschaftlich bergründet ist das sicher nicht. Gerade einmal 7 (Sieben!) validierte Publikationen in mittelmäßigen Wissenschaftjournalen seit Januar 2017 (Quelle Pubmed), in denen eine(r) von beiden tatsächlich als Letzt- oder Erstautor*in fungiert, mithin der Hauptautor ist, darf man getrost im Wissenschaftbetrieb als unterdurchschnittliche Performance bezeichnen. Keine Deutsche Forschungs Gemeinschaft (DFG) eingeworbenen Forschungsgelder für Projektarbeit seit 2007. Wenn hier eins sicher ist, dann wohl eher, daß die Fakultiät Biologie in der "roten" Biologe weder regiaonal, national und schon gar nicht international vertreten ist. Aber es ist schön zu lesen, daß das Team beim Kochen offensichtlich besser aufgestellt ist.

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