Bezirksvertreter-Mehrheit in Brackwede stimmt Rückbau zu – Gegner stellen Notwendigkeit infrage
Heftige Kritik an Stadtring-Plänen

Bielefeld (WB). Die Stadt hat es sichtlich eilig, die Planung für den Umbau des Brackweder Stadtrings voranzubringen. Um Fördergelder zu sichern, muss das Projekt 2020 durchgezogen werden – und hat dafür von der Mehrheit aus SPD, Grünen und Linke grünes Licht bekommen. Die Sorgen der Einzelhändler blieben ungehört, ebenso die Kritik von CDU und UBF.

Sonntag, 24.11.2019, 19:00 Uhr
Im Teilstück zur Gotenstraße wurde der Stadtring neu verschwenkt, um den Verkehr zu beschleunigen. Die Straße war hier auch vorher zweispurig. Der Radweg liegt separat auf der Fahrbahn. So sollen auch die übrigen zwei Kilometer umgebaut werden. Foto: Thomas F. Starke
Im Teilstück zur Gotenstraße wurde der Stadtring neu verschwenkt, um den Verkehr zu beschleunigen. Die Straße war hier auch vorher zweispurig. Der Radweg liegt separat auf der Fahrbahn. So sollen auch die übrigen zwei Kilometer umgebaut werden. Foto: Thomas F. Starke

Den Ärger zog sich die Verwaltung schon aufgrund der Art der Präsentation des Themas zu. Wie mit »heißer Nadel gestrickt« wirke die Vorlage, die den Fraktionen erst wenige Tage vor der Sitzung zugesandt worden sei, beklagte CDU-Fraktionschef Carsten Krumhöfner. Darin fehlten die eigentlich üblichen grafischen Darstellungen der Planung. Enthalten sei stattdessen »eine Filzstiftzeichnung«. Obwohl die überplante Straße zwei Kilometer lang sei, lägen Zeichnungen nur für Knotenpunkte vor. »Das habe ich in 15 Jahren hier nicht erlebt«, so Krumhöfner.

»Von Beginn an überdimensioniert«

Weil die Fraktionen aufgrund der Kurzfristigkeit keine Zeit gehabt hatten, sich darüber zu beraten, beantragte die CDU, das Thema als erste Lesung zu behandeln, also noch keinen Beschluss zu fassen. Das allerdings verhinderte die Mehrheit in der Bezirksvertretung.

Wie berichtet, will die Verwaltung den Stadtring für 1,6 Millionen Euro von vier auf zwei Fahrspuren zurückbauen , damit ein drei Meter breiter Gehweg und ein 3,10 Meter breiter Radweg Platz bekommen. Denn die bisherigen Breiten für Radler und Fußgänger seien nicht regelkonform. Verkehrsplanerin Nora Niebel vom Amt für Verkehr stellte fest, der Stadtring sei überdimensioniert für die aktuell bis zu 12.200 Fahrzeuge pro Tag. Selbst wenn der komplette Verkehr aus der Hauptstraße, rund 3800 Fahrzeuge täglich, ebenfalls vom Stadtring aufgenommen werden müsste, reiche eine Zweispurigkeit aus. Entscheidend seien die Knotenpunkte, die entsprechend leistungsfähig ausgestaltet würden.

Die SPD sieht angesichts der bereitstehenden Mittel die Chance auf den Rückbau. Fraktionschef Hans-Werner Plaßmann: »Der Stadtring war von Beginn an überdimensioniert. Ich bin erstaunt, wie damals gebaut wurde mit nur einem Meter Platz für Fußgänger.«

UBF und CDU stellten die Notwendigkeit dieser Maßnahme allerdings infrage. Auf dem Stadtring seien kaum Radfahrer und Fußgänger unterwegs, auch weil er an den Enden durch Gewerbegebiete verlaufe. Klagen von Radlern oder Fußgängern darüber, dass man sich auf zu schmalen Wegen behindere, seien nicht bekannt. Dr. Harald Brauer (UBF): »Was reitet die Verwaltung eigentlich, 1,6 Millionen Euro auszugeben, um eine funktionierende Straße umzubauen?« Carsten Krumhöfner verwies auf Schlaglöcher in anderen Straßen, die ein Fahrradfahren unmöglich machten. Das Amt für Verkehr tue da nichts, lasse Straßen in Wohngebieten verrotten. Das Geld wäre dort besser angelegt.

Stadtring muss Schienenersatzverkehr aufnehmen

Die CDU beanstandete zudem die Dimensionen der Planung: Bei künftig 3,25 Meter breiten Fahrbahnen würden ein Drittel des Straßenraums für Autos und Lastwagen, dagegen zwei Drittel für kaum vorhandene Radfahrer und Fußgänger vorgehalten.

Nora Niebel räumte ein geringe Nutzung ein: 250 Fußgänger und 120 Radfahrer waren in Höhe der Windelsbleicher Straße an einem Tag auf dem Stadtring gezählt worden. »Wir machen hier aber auch eine Angebots-, keine Nachfrageplanung«, sagt die Planerin. Soll heißen: Die Stadt setzt darauf, dass Rad- und Fußwege am Stadtring nach einem Umbau stärker genutzt werden. Das sieht die SPD auch so: Es gebe einen Grund, warum Radler und Fußgänger die Straße jetzt kaum nutzten, sagte Plaßmann.

Mit demselben Argument, sagt indes Carsten Krumhöfner, sei seinerzeit die Osningstraße zurückgebaut und mit breiten Radwegen ausgestattet worden. »Mit der Konsequenz, dass es keine zusätzlichen Radfahrer, dafür Staus von der Sieker-Kreuzung bis in die Bodelschwinghstraße gibt.«

Bei der Mehrheit in der Bezirksvertretung ungehört blieb die Bitte des Handelsverbandes, den Rückbau zumindest so lange aufzuschieben, bis die Hauptstraße umgebaut sei, um Anlieger nicht zusätzlich zu belasten. Immerhin, so sagte Peter Diekmann (CDU), soll der Schienenersatzverkehr für die dann 20 Monate ausfallende Stadtbahnlinie 1 über den Stadtring abgewickelt werden – »mit Kolonnen von Bussen.« Für die CDU ist der Stadtring-Umbau ein weiteres Beispiel für das repressive Vorgehen gegen den motorisierten Verkehr, um die Verkehrswende zu erzwingen.

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