Mi., 04.12.2019

Sennestädter beklagen zu geringe Radweg-Breiten entlang der Trasse Bürger-Kritik an den Plänen zur Linie 1

Knackpunkt Eikelmannkreuzung: Nach jetziger Planung können Fußgänger aus Richtung Famila (unten) nicht direkt die Paderborner Straße queren, um zur Haltestelle zu gelangen. Sie müssten Umwege nehmen. Grafik: Mobiel

Knackpunkt Eikelmannkreuzung: Nach jetziger Planung können Fußgänger aus Richtung Famila (unten) nicht direkt die Paderborner Straße queren, um zur Haltestelle zu gelangen. Sie müssten Umwege nehmen. Grafik: Mobiel

Von Peter Bollig

Bielefeld (WB). Zur geplanten Verlängerung der Stadtbahnlinie 1 nach Sennestadt hatten erstmals die Bürger das Wort. Bei einer Informationsveranstaltung stellten Mobiel und Amt für Verkehr Details zur Planung vor – und kassierten, wie schon von der Politik, auch von den Einwohnern Sennestadts Kritik.

Freude darüber, dass der Anschluss ans Stadtbahnnetz, auf den die Sennestädter seit Jahrzehnten warten, in greifbare Nähe kommt, war bei den rund 150 Bürgern in der Aula der Hans-Ehrenberg-Schule nicht spürbar. Dass die Stadtbahn auf nördlicher Seite staufrei neben der Paderborner Straße geführt, Verkehrsknotenpunkte wenig belastet, künftig auch die Verbrauchermärkte und das Industriegebiet an Hanse- und Industriestraße an den ÖPNV angebunden werden, wurde zur Nebensache. Von „Entsetzen“ sprachen Teilnehmer, und bezogen sich auf die Radwege, die in die Planung einbezogen wurden. Denn dort, wo der motorisierte Verkehr künftig auf zwei Spuren fahren soll, sind Radfahrstreifen geplant, die zwei Meter breit sind und auf Höhe der Fahrbahn liegen, ohne Trennung vom rollenden Verkehr. Aus Sicht der Kritiker ist das „lebensgefährlich“.

Denn Kraftfahrzeuge, auch Lastwagen, fahren dann mit Tempo 70 direkt an den Radlern vorbei. Auf der Nordseite sind Radfahrer dann zwischen Autos und Lkw auf der einen, Straßenbahn auf der anderen Seite unterwegs. Dort wo es bei vier Fahrspuren bleiben soll, teilen sich Radfahrer und Fußgänger auf einem Hochbord einen 2,50 Meter breiten Streifen. In beiden Lagen sei das zu wenig. Einwohner beklagten, dass die Situation für Radfahrer schon jetzt gefährlich sei, die Strecke durch den Umbau noch unattraktiver würde. „Das passt nicht dazu, dass diese Planung Teil der Verkehrswende sein soll“, sagte Thomas Kiper. Ein anderer Bürger sieht die Planung im Widerspruch zu maßgeblichen Richtlinien. Die Radwege müssten breiter oder von der Fahrbahn abgetrennt verlaufen, so die Einschätzung.

Erneut Kritik auch an Straßen NRW

Wie schon vor den Bezirksvertretern vergangene Woche machten die Planer die Rahmenbedingungen deutlich, die Straßen NRW vorgibt : Breite Fahrspuren, Tempo 70, Vierspurigkeit an Knotenpunkten und A 2. Innerhalb dieser Parameter habe man die Planung entworfen, wie Lea Gauthier von Mobiel betonte. Man sei aber überzeugt, sich im Rahmen der Richtlinien zu bewegen. Und in diesem Rahmen habe man versucht, Anlieger möglichst wenig zu belasten, sagte Cornelia Christian, Leiterin des Mobiel-Kundenmanagements. Denn bei abgetrennten, breiteren Radwegen müsse der Straßenraum um zwei bis vier Meter verbreitert werden. Grundstückseigentümer müssten mehr Fläche abtreten.

Die Kritik der Bürger richtete sich somit auch gegen den Landesbetrieb Straßen NRW und dessen Vorgaben. Godehard Franzen, Vorsitzender von Bielefeld Pro Nahverkehr, meldete sich zu Wort: „Wir appellieren an den Oberbürgermeister und die Planer von Mobiel und Stadt: Akzeptieren sie diese Vorgaben nicht.“

Hindernis an der Eikelmannkreuzung

Frank Homann vom Amt für Verkehr erläuterte den Standpunkt von Straßen NRW: Die geforderten Fahrbahnbreiten seien auch ein Aspekt der Arbeitssicherheit. Bei Bauarbeiten oder Havarien müsse der Verkehr Abstand halten. Dazu brauche es diese Maße im Straßenraum, um zumindest eine Fahrbahn offenhalten zu können. Andernfalls müsste die Paderborner Straße bei Unfällen oder Bauarbeiten komplett gesperrt werden.

Zweiter Knackpunkt ist die Eikelmannkreuzung, neben der in Höhe der Industriestraße und des Famila-Marktes eine Haltestelle geplant ist. Um vom Gewerbegebiet mit Famila, Aldi und Decathlon zur Haltestelle auf der gegenüberliegenden Straßenseite zu gelangen, können Fußgänger laut Planung nicht einfach an dieser Stelle die Paderborner Straße überqueren. Sie müssten einen Umweg über Verler Straße, Paderborner Straße vor dem Restaurant Eikelmann und Lämershagener Straße in Kauf nehmen. Lea Gauthier betonte aber, in derspäteren Entwurfsplanung seien Änderungen möglich.

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