Fr., 06.12.2019

Vor allem in Senne sind Anlieger der geplanten Stadtbahnstrecke betroffen Emotionale Debatte zur Linie 1

Knackpunkt an der Brackweder Straße: Direkt am Autohaus, das dafür Ausstellungsflächen im Außenbereich opfern soll, soll eine Haltestelle entstehen.

Knackpunkt an der Brackweder Straße: Direkt am Autohaus, das dafür Ausstellungsflächen im Außenbereich opfern soll, soll eine Haltestelle entstehen. Foto: Peter Bollig

Von Peter Bollig

Bielefeld (WB). Als Mobiel und Amt für Verkehr am Montag in Sennestadt über die geplante Verlängerung der Stadtbahnlinie 1 und den dazu notwendigen Umbau der L 756 (Brackweder und Paderborner Straße) informierten, haben viele Einwohner sachlich und engagiert mit den Planern debattiert. Bei der gleichen Veranstaltung in Senne am Mittwochabend kochten indes die Emotionen hoch. Denn vor allem dort geht die Planung den Anliegern an die Grundstücke.

Rund 70 Anwohner der geplanten Trasse auf der Nordseite der L 756 sind betroffen, sollen geänderte Grundstückszufahrten in Kauf nehmen, teilweise kleinere Stücke ihrer Gärten abtreten. Bei anderen fallen größere Flächen weg, und vier Gebäude sollen der Stadtbahn komplett weichen, darunter Mimmos Pizza-Haus oder die Shell-Tankstelle. In Höhe des Feuerbachwegs etwa könnte die Straßenbahn in einigen Jahren direkt an den Fenstern der Anwohner vorbeirauschen, fielen ganze Gärten weg.

Vor dem Autohaus an der Buschkampstraße soll eine Haltestelle dort stehen, wo jetzt noch Autos ausgestellt werden. Und der Buschkamp-Grill dürfte ohne Parkplätze vor der Tür auskommen müssen. „Auf keinen Fall“ würden sie Flächen abgeben, sagten betroffene Anlieger, ein anderer kündigte gar an, man müsse ihn „schon erschießen“, um ihn aus seinem Haus zu vertreiben. Ein weiterer forderte zur Gründung einer Bürgerinitiative gegen die Stadtbahn auf.

Wieder Kritik an den Radwegen

Viel Kritik mussten die Planer auch aufgrund geänderter Verkehrsführungen einstecken. Um Platz im Straßenraum zu sparen, soll es, jeweils stadteinwärts, keine Rechtsabbiegespur in den Spiegelsberger Weg, keine Linksabbiegespuren in die Bretonische Straße und den Hafnerweg mehr geben. Das Abbiegen würde jeweils verboten, der Verkehr müsste sich andere Wege suchen. Davon betroffen wären etwa das Lebensmittelgeschäft Buschmann und der Netto-Markt. Wer dorthin möchte, muss durch Wohnstraßen fahren, vorbei an der Arche-Kita und der Buschkampschule.

Weil man innerhalb der Vorgaben des Landesbetriebs Straßen NRW, Baulastträger der L 756, plant, wären zusätzliche Abbiegespuren nur dann möglich, wenn der Straßenraum insgesamt verbreitert würde, sagte Cornelia Christian, Leiterin des Mobiel-Kundenmanagements. Die Folge: Noch mehr Anwohner müssten Flächen abgeben. Vor allem die schon jetzt betroffenen würden zusätzlich belastet. Das gelte auch, wenn die mit zwei Metern Breite knapp bemessenen Radwege verbreitert würden – so eine Forderung bei der Bürgerinformation im Senner Realschulforum.

Wie schon in Sennestadt lag auch dieses Planungsdetail bei den Kritikern im Fokus, weil Radfahrer zwischen der Stadtbahn auf der einen, Lastwagen auf der anderen Seite auf zwei Metern fahren müssten, das Ganze bei Tempo 70 des motorisierten Verkehrs. Immerhin, so das Signal aus dem Amt für Verkehr, sei eine Reduzierung auf 50 Stundenkilometer nicht ausgeschlossen.

Gespräche mit Betroffenen stehen noch aus

Während sich vor allem die Menschen in Sennestadt seit Jahrzehnten den Anschluss ans Stadtbahnnetz wünschen, kam unter den 170 Teilnehmern der Informationsveranstaltung in Senne die Frage auf, ob es die Stadtbahn „überhaupt braucht“. Zu Fragen nach den Kosten und den erwarteten Nutzern blieb Mobiel die Antwort allerdings schuldig. Moderator Jens Stachowitz verdeutlichte aber, dass es noch eine Kosten-Nutzen-Analyse geben werde. Stimme die Wirtschaftlichkeit nicht, werde es keine Fördergelder und damit auch keine Stadtbahn geben.

Außerdem entscheide die Politik bei den einzelnen Planungsschritten mit, und letztlich entscheide die Bezirksregierung Detmold im Planfeststellungsverfahren über die Genehmigung des Stadtbahnausbaus. „Das sind bislang nur Vorschläge, sagte Stachowitz. Und auch Sennes Bürger sollen wieder einbezogen werden, wenn es um ein Nahverkehrskonzept für die Buslinien geht, die an die Stadtbahn angebunden werden sollen.

Unmut machte sich breit, weil offenbar von den rund 13.000 per Post verschickten Einladungen zu der Informationsveranstaltung viele nicht angekommen waren. Außerdem wollten Mobiel und Stadt bereits im Vorfeld mit allen Anwohnern, deren Grundstücke von der Planung direkt betroffen sind, Gespräche geführt haben. Das, räumte Cornelia Christian ein, habe nicht ganz geklappt.

Details zur Planung gibt es auf der Internetseite von Mobiel .

Kommentare

Unmöglich

Unmöglich. Sennestadt ist ausreichen durch die Linie 135 angebunden. Bis in die späten Abendstunden verkehrt der jus. Die 36 kn senne nicht.
Vielleicht darüber nachdenken, mit mehr Busverkehr , den Wunsch der sennestädter nachkommen.
Hier sollen Leute ihr Heim abgeben. Teilweise werden Existenzen zerstört, damit der einzelne 3 min schneller in der Innenstadt ist. Bereits einmal wurde es im Bürgerentscheid deutlich abgelehnt. Man macht trotzdem weiter.
Mehr Busse, wäre mein Vorschlag. Vermutlich braucht man dafür auch nicht die Zustimmung aus detmold

Sinnvoll

Sinnvoll ist eine Verlängerung der Stadtbahn auf jeden Fall, ist ja eigentlich seit bestimmt 40 Jahren schon "versprochen".
Zumal mobiel ja auch offensichtlich vollkommen überfordert damit ist, die Ankunftszeiten der Busse an der Endstation in Senne mit den Abfahrtszeiten der Stadtbahnen zu synchronisieren.
Selbst in ganz verkehrsschwachen Zeiten wie Sonntags in den Schulferien sieht man aus dem ankommenden Bus an der Endstation gerade noch die Stadtbahn davonfahren.Immer wieder sehr ärgerlich, und das sind keine Einzelfälle !

Sinnvoll

Sinnvoll ist eine Verlängerung der Stadtbahn auf jeden Fall, ist ja eigentlich seit bestimmt 40 Jahren schon "versprochen".
Zumal mobiel ja auch offensichtlich vollkommen überfordert damit ist, die Ankunftszeiten der Busse an der Endstation in Senne mit den Abfahrtszeiten der Stadtbahnen zu synchronisieren.
Selbst in ganz verkehrsschwachen Zeiten wie Sonntags in den Schulferien sieht man aus dem ankommenden Bus an der Endstation gerade noch die Stadtbahn davonfahren.
Immer wieder sehr ärgerlich, und das sind keine Einzelfälle !

3 Kommentare

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