Unzulässige Kennzeichen am Auto: 20-Jähriger rast mit 180 km/h vor der Polizei davon
Freiheitsentzug für Fahranfänger

Bielefeld (WB). Das Urteil lautet auf ein Jahr Führerscheinsperre, 1000 Euro Geldstrafe, Verpflichtung zur Teilnahme an einem Verkehrserziehungskurs und zwei Tage Freiheitsentzug in einer Gerichtszelle – die Flucht vor der Polizei in einem geliehenen Luxus-SUV ist für einen Bielefelder (20) beim Prozess vor dem Amtsgericht richtig teuer geworden. Der Deutsch-Türke, Lehrling auf Probe in einem hiesigen Autohaus, flüchtete am späten Abend des 16. August diesen Jahres mit Tempo 180 und mehr vor einer Streifenwagenbesatzung der Polizei.

Samstag, 07.12.2019, 06:00 Uhr
Das Amtsgericht in Bielefeld. Foto: Peter Bollig
Das Amtsgericht in Bielefeld. Foto: Peter Bollig

Bei der Tat gegen 22.45 Uhr raste der 20-Jährige im Zickzack-Kurs über die Fahrspuren des Ostwestfalendamms in Richtung A33 und hätte fast andere Autos gerammt. „Es ist nur ein Zufall, dass nichts passiert ist“, heißt es in der Anklage.

Linksabbieger ignoriert Ampelrotlicht und fährt auf Geradeausspur davon

Die dreiköpfige Polizeibesatzung eines Streifenwagens wurde an jenem Freitagabend erstmals auf der Alfred-Bozi-Straße auf den Deutsch-Türken am Steuer des mehr als zwei Tonnen schweren BMW X5 aufmerksam. Der Deutsch-Türke hatte sich mit dem Luxus-SUV (sechsstelliger Kaufpreis, bis zu 625 PS und maximal 250 km/h schnell) zum Linksabbiegen auf die Notpfortenstraße eingeordnet. Zum Erstaunen der Streifenwagenbesatzung fuhr der BMW bei Ampelrotlicht plötzlich nicht links, sondern geradeaus davon. Die Polizisten nahmen mit Blaulicht und Martinshorn sowie rot blinkendem Anhalte-Signal sofort die Verfolgung auf.

Der Azubi stoppte jedoch nicht. Er ordnete sich vielmehr mit dem geliehenen Fahrzeug an der Ecke Alfred-Bozi-/Obernstraße/Waldhof wieder zum Linksabbiegen ein. Die Polizisten dahinter hielten ihren 3er BMW-Kombi an, stiegen aus, wollten den Fahrer kontrollieren – und sahen den X5 erneut bei Ampelrotlicht geradeaus durchstarten. „Der machte einen Kick-down und raste mit durchdrehenden Reifen davon“, sagte der Oberkommissar (39), der den Streifenwagen gesteuert hatte, vor Gericht.

Angeklagter will Blaulicht und Martinshorn nicht bemerkt haben

Die Verfolgungsfahrt führte auf den OWD. Dort sei der BMW X5 mit Tempo 180 und mehr im Zickzack-Kurs in Richtung A33 davon gerast und habe beinahe ein anderes Auto gerammt, sagte der Oberkommissar. Einzig vorm OWD-Blitzer habe der SUV-Fahrer gebremst. Dass die Verfolger im Streifenwagen den PS-Boliden überhaupt vor der Abfahrt Südring überholen und nach rechts auf die Standspur abdrängen konnten, lag am dichten Verkehr. „Wäre der OWD frei gewesen, hätten wir ihn nie wiedergesehen, obwohl ich alles aus dem Fahrzeug rausgeholt habe, was machbar war“, berichtete der Polizist.

Der 20-Jährige wollte sich vor Gericht nicht so recht erinnern. „Ich habe ein bisschen beschleunigt. Wie schnell ich gefahren bin, weiß ich nicht mehr“, sagte der Azubi. Er warf vielmehr den Polizisten vor, ihn auf dem OWD zur Vollbremsung gezwungen zu haben. Den Streifenwagen will der Azubi trotz Blaulicht und Martinshorn der Verfolger nicht bemerkt haben. „Der Kollege hat am Fahrzeug alles angemacht, was er anmachen konnte“, sagte dagegen eine Polizistin (40), die bei der Verfolgungsfahrt auf dem Beifahrersitz saß.

Polizei beschlagnahmt Führerschein auf Probe des 20-Jährigen

Amtsrichterin Muna Eid warf dem wegen seines Alters nach Jugendrecht verurteilten Angeklagten vor, sich bis heute nicht mit der Raserei im Luxus-SUV auseinander gesetzt zu haben. „Das Auto ist eine Waffe mit enormer Kraft. So etwas können Sie nicht kontrollieren“, sagte die Richterin. Dass der Azubi den Streifenwagen nicht gesehen haben will, nahm die Juristin dem Deutsch-Türken nicht ab: „Der Streifenwagen hat wie ein Weihnachtsbaum geleuchtet.”

Motiv für die Flucht vor der Polizei sei gewesen, dass sich am BMW rote, nicht zulässige Überführungskennzeichen befunden hätten, sagte Richterin Eid. Diese waren im Autohaus, wo der Azubi seine Lehre macht, entwendet worden. Der junge Mann hat seit dem 16. August keine Fahrerlaubnis mehr. Der Führerschein auf Probe wurde nach der Tat von der Polizei beschlagnahmt.

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