Regisseur Reza Sam Mosadegh will nach erfolgreichem Kurzfilm sein Spielfilmdebüt in Bielefeld drehen
Der Holocaust als Kammerspiel

Bielefeld/Schloß Holte-Stukenbrock (WB). Die Familie formt hektisch Brotkugeln, in denen sie ihre Wertsachen verstecken will. Doch da hämmert es schon gegen die Tür. Die Soldaten sind da. In seinem Kurzfilm „Stolpersteine“ zeigt Reza Sam Mosadegh den Holocaust als Kammerspiel, als intimen Mikrokosmos, der durch den Nationalsozialismus implodiert.

Mittwoch, 11.12.2019, 15:00 Uhr
Regisseur Reza Sam Mosadegh möchte unter anderem auf dem Bolzplatz in Sieker, auf dem er früher selbst oft Fußball spielte, seinen Film drehen. Foto: Kerstin Panhorst
Regisseur Reza Sam Mosadegh möchte unter anderem auf dem Bolzplatz in Sieker, auf dem er früher selbst oft Fußball spielte, seinen Film drehen. Foto: Kerstin Panhorst

Der in Schloß Holte-Stukenbrock aufgewachsene Regisseur feiert mit seinem Projekt, das auf den steigenden Antisemitismus und Rassismus in Europa aufmerksam machen soll, gerade große Erfolge. Der Film mit Markus Knüfken in der Hauptrolle wird gerade weltweit auf Festivals präsentiert. Beim Dehli International Short Festival (Indien) hat er damit bereits den Preis für die beste Regie gewonnen, in New York (Greenwich Village Festival) war der Film in der „official selection“, und das renommierte South African International Film Festival Rapid Lion in Johannesburg hat den Film für 2020 nominiert.

Jetzt will der als Flüchtlingskind mit fünf Jahren aus dem Iran nach Deutschland gekommene Reza Sam Mosadegh seinen ersten Spielfilm drehen – und zwar in Bielefeld. Denn dort hat er als Jugendlicher viel Zeit verbracht, vor allem auf dem Bolzplatz der so genannten Conti-Bronx in Sieker, an der Ecke Stralsunder Straße und Roggenkamp.

In seinem Kurzfilm „Stolpersteine“ erzählt Reza Sam Mosadegh mit Markus Knüfken in der Hauptrolle die Geschichte einer jüdischen Familie als Kammerspiel. Foto: Reza Sam Mosadegh/Stolpersteine

„Ich will den Film unbedingt in Bielefeld drehen. Hier habe ich früher mit den Jungs Fußball gespielt, hier leben noch viele meiner Freunde und es fühlt sich immer wie nach Hause kommen an“, erzählt der 36-Jährige während er den inzwischen torlosen Käfigplatz betrachtet. Fußball wird auch in dem zu 90 Prozent auf autobiografischen Tatsachen beruhenden Film eine Rolle spielen. „Es wird ein Fußballfilm, aber der Fokus liegt nicht auf dem Platz, sondern daneben“, erklärt Reza Sam Mosadegh.

In seinem Drehbuch geht es um den ehemaligen Fußballprofi Jamal-Akbar, Spitzname „Jonny“. Der Ruhm vergangener Jahre scheint verflogen, das Gettoleben hat ihn wieder verschluckt. Doch dann bietet sich ihm eine zweite Chance – beim deutsch-türkischen Amateurclub Bosporus Bielefeld.

Reza Sam Mosadegh, der ursprünglich selbst Fußballprofi werden wollte, musste aufgrund einer Verletzung den Traum einer Profilaufbahn aufgeben. Für ihn ist Fußball aber mehr als ein Spiel, es ist Sinnbild für das ganze Leben. Wenn man auf dem Platz hinfällt, steht man wieder auf, wenn der Schiri eine unfaire Entscheidung trifft, muss man diese akzeptieren, und wenn man andere foult, gibt es meist Konsequenzen: „Du musst bis zur 90. Minute kicken, genau wie du auch in deinem Leben bis zum letzten Augenblick kämpfen musst.“

„Ich möchte einen positiven Helden mit Migrationshintergrund zeigen“

Auch er musste kämpfen, um seine Träume zu verwirklichen, angefangen von der Zeit der Flucht aus Teheran, weil sein Vater dort politisch verfolgt wurde, bis zu seiner Zeit auf einer deutschen Hauptschule in einem System, das einem Flüchtlingskind wie ihm nur Perspektivlosigkeit bot. Gegen alle Erwartungen machte er sein Abitur und studierte Medienwirtschaft. Mit seinem Film will er zeigen, dass man im Leben alles schaffen kann, dass es für jeden eine Perspektive gibt.

„Ich möchte einen positiven Helden mit Migrationshintergrund zeigen, fern von allen Klischees und Gangsterszenarien. Einen Film, der die unterschiedlichsten Menschen anspricht, ihnen Mut macht oder auch Verständnis erzeugt und dabei als humorvolles Drama auch unterhält“, sagt der Regisseur. Deshalb will er die Dreharbeiten auch mit einem sozialen Projekt verbinden und Jugendlichen aus Ostwestfalen, die in sozialen Brennpunkten leben, die Chance auf ein Praktikum in seiner Filmcrew geben.

„Der regionale Bezug ist mir wichtig, ich möchte zum Beispiel auch für den Soundtrack überwiegend regionale Musiker haben“, erzählt Reza Sam Mosadegh. Momentan befindet sich der in Hamburg lebende Regisseur gerade auf der Suche nach geeigneten Drehorten, im kommenden Sommer wird er Kontakt zu verschiedenen Schulen aufnehmen wegen der Praktikumsplätze. Die Dreharbeiten sollen dann 2021 starten.

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