Mo., 16.12.2019

Lasergeräte zählen die Besucher in der City – keine Rekorde am verkaufsoffenen Sonntag Schätzen war gestern

Mit speziellen Lasergeräten, die an drei Gebäuden in Bahnhofstraße und Stresemannstraße montiert sind, wird seit Oktober die Besucherfrequenz in der Innenstadt gemessen. Am Sonntag gab es einen neuen Besucherekord.

Mit speziellen Lasergeräten, die an drei Gebäuden in Bahnhofstraße und Stresemannstraße montiert sind, wird seit Oktober die Besucherfrequenz in der Innenstadt gemessen. Am Sonntag gab es einen neuen Besucherekord. Foto: Bernhard Pierel (Montage)

Von Heinz Stelte

Bielefeld (WB). Besucherekorde wurden nicht aufgestellt am verkaufsoffenen Sonntag. Den hält weiterhin der letzte Samstag im November, gefolgt vom sogenannten „Black Friday“ einen Tag zuvor. Mehr als 96.000 Besucher wurden an jenem Samstag am südlichen Ende der Bahnhofstraße gezählt. Am vergangenen verkaufsoffenen Sonntag waren es an gleicher Stelle ungefähr 50.000 Besucher. Zufrieden war die Händler dennoch (siehe Kasten).

Seit dem Sommer misst das Start-Up-Unternehmen „Hystreet“ auch in Bielefeld an drei Punkte (Stresemannstraße, Bahnhofstraße-Mitte, Bahnhofstraße-Süd) die Besucherströme – 24 Stunden rund um die Uhr. In 52 Städten hat das Unternehmen inzwischen Laserscanner installiert, die mit modernster Technik die Besucherströme messen, nach eigenen Angaben mit 99-prozentiger Genauigkeit. Den kleinen, grauen Kästen, angebracht in sechs bis 20 Metern Höhe und kaum zu erkennen, entgeht fast nichts. Erfasst werden alle Personen ab einer Größe von 80 Zentimetern. Personenbezogene Daten werden nach Firmenangaben nicht erhoben.

Bielefeld im November auf Platz 21

Das Angebot von „Hystreet“ richtet sich in erster Linie an den Einzelhandel oder Immobilieneigentümer. Nicht ganz ohne eigenes Interesse. Denn „Hystreet“ gehört zum Konsortium der Aachener Grund, einer Fondsgesellschaft, die indirekt mehreren katholischen Bistümern gehört. Der Gesellschaft gehören auch in Bielefeld mehrere Objekte, so beispielsweise das Wameling-Haus („Sport Scheck“) oder das Karstadt-Areal und das an das Loom grenzende Gebäude („Görtz“). Anhand der Besucherfrequenzen lässt sich die Attraktivität von Standorten ermitteln, die sich auf Mietpreise auswirken kann.

Jeden Monat veröffentlicht „Hystreet“ auch Hit-Listen mit den besucherstärksten Einkaufsstraßen Deutschlands. Im November lag der Messpunkt Bahnhofstraße-Süd (Höhe Karstadt) mit 1,133 Millionen Besuchern auf Platz 21. Auf Platz 1: die Neuhauser Straße in München mit 2,7 Millionen Besuchern.

Anhand der Daten lassen sich auch Auswirkungen von bestimmten Ereignissen auf die Besucherfrequenz der Innenstadt ablesen. Ein Beispiel: die Demonstrationen von Neo-Nazis und Gegnern am 9. November. An diesem Tag wurden in der Bahnhofstraße 45.765 Besucher gemessen, am Samstag davor waren es mehr als 72.000.

Verkaufsoffener Sonntag: 10.000 Passanten pro Stunde

Am verkaufsoffenen Sonntag wurden am Messpunkt Bahnhofstraße-Süd gut 50.000 Besucher gezählt (Stresemannstraße knapp 32.000, am Punkt Bahnhofstraße-Mitte 36.400). Zwischen 15 und 16 Uhr passierten knapp 10.000 Passanten das Lasermessgerät. Den „Stundenrekord“ hält auch der 30. November, zwischen 16 und 17 Uhr waren es an jenem Tag an gleicher Stelle gut 200 Menschen mehr.

Die Bielefelder sowie die Besucher aus dem Umland nutzten am Sonntag besonders die Nachmittagsstunden zum Shoppen und Bummeln: Der Schwerpunkt lag an allen drei Messstationen zwischen 15 und 16 Uhr.

Die Geschäftsinhaber können die Zahlen dazu nutzen, die Attraktivität von Schaufenstergestaltungen zu messen oder die Besucherströme mit dem Umsatz zu vergleichen, um daraus Schlüsse zu ziehen. Auch kann ermittelt werden, ob sich beispielsweise Baustellen auf die Attraktivität der Innenstadt auswirken oder Maßnahmen zur Verkehrsberuhigung. Kaufmannschaften in anderen Städten wollen zudem die Hystreet-Zahlen dazu nutzen zu beweisen, dass verkaufsoffene Sonntag ihre Berechtigung haben. Die Gewerkschaft Verdi hatte in der Vergangenheit erfolgreich gegen solche Sonntage geklagt mit der Begründung, dass nicht ausreichend belegt werden könne, dass der Anlass dieser Sonntage mehr Besucher anziehe, als die Geschäfte selbst.

Die Besucherzahlen in den deutschen Innenstädten sind hier einsehbar.

 

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.

Google-Anzeigen

© WESTFALEN-BLATT
Vereinigte Zeitungsverlage GmbH

Alle Inhalte dieses Internetangebotes, insbesondere Texte, Fotografien und Grafiken, sind urheberrechtlich geschützt. Verwendung nur gemäß der Nutzungsbedingungen.

Anzeige


https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7135954?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198387%2F2513179%2F