Schülercard für 29 Euro soll Familien finanziell entlasten
Ein Ticket für alle Fahrten

Bielefeld (WB). Gute Nachricht für die 44.000 Schülerinnen und Schüler in Bielefeld, die eigentlich nicht „beförderungsberechtigt“ sind, also nicht kostenlos zur Schule fahren dürfen: Vom 1. August 2020 an wollen Mobiel und Stadt als Schulträger eine Schülercard zum Preis von 29 Euro pro Monat anbieten. Heute kostet eine solche Monatskarte 57 Euro.

Dienstag, 17.12.2019, 08:00 Uhr
Die Schülercard soll Kinder und Jugendliche auch dauerhaft für die Nutzung von Bussen und Bahnen gewinnen. Foto: dpa
Die Schülercard soll Kinder und Jugendliche auch dauerhaft für die Nutzung von Bussen und Bahnen gewinnen. Foto: dpa

Die rund 10.000 Schülerinnen und Schüler städtischer Schulen, die ein kostenloses Schulwegticket nutzen dürfen (ihre Schulwege sind – je nach Stufe – länger als 2, 3,5 oder 5 Kilometer), sollen ebenfalls profitieren. Um an sieben Tagen pro Woche jeweils 24 Stunden (inklusive Nachtbus) mit Bussen und Bahnen fahren zu können, sollen sie ein Ergänzungsticket bekommen können.

Das kostet für das erste Kind einer Familie zwölf Euro pro Monat, für das zweite Kind sechs Euro, für alle weiteren Kinder ist es kostenlos. Das Fun-Ticket (16 Euro pro Monat, 26.000 verkaufte Tickets plus 7700 als Jahres-Abo) wird dafür abgeschafft.

Weniger „Elterntaxi-Fahrten“

Oberbürgermeister Pit Clausen weist darauf hin, dass der Rat im September die Verwaltung beauftragt habe, ein Fahrkartensystem für Schüler zu schaffen. Für ihn sei es wichtig, angesichts der geplanten Mobilitätswende Kinder und Jugendliche für den öffentlichen Personennahverkehr zu gewinnen. Er erhoffe sich dadurch auch eine Reduzierung der „Elterntaxi-Fahrten“.

Mobiel-Geschäftsführer Martin Uekmann spricht von einer „Verbesserung des Angebotes für alle“, räumt aber gleichzeitig ein, dass die Verkehrsbetriebe „zusätzliche Fahrzeuge in den Spitzenzeiten“ benötigen würden, um des (erhofften) Andrangs Herr zu werden. Im Idealfall soll die Schülercard über Bielefelds Stadtgrenzen hinaus Gültigkeit haben. Projektleiter Hans-Jürgen Krain: „Unser Ziel ist es, die angrenzenden Kreise mit einzubeziehen, auf lange Sicht Westfalen insgesamt.“

Martin Uekmann sagt, die Handhabung der neuen Schülercard sei einfach, bringe sowohl eine zeitliche wie eine räumliche Ausdehnung mit sich. Clausen stimmt dem zu: „Eine enorme Verbesserung.“ Wenn die Schülercard eingeführt wird, könnten auch private Schulträger für sich entscheiden, ob sie weiter das Schulwegticket, die Schülermonatskarte oder die neue Schülercard nutzen möchten.

Schüler stellen 25 Prozent aller Fahrgäste

Schüler stellten, so Uekmann, 25 Prozent aller Fahrgäste in Bussen und Bahnen. Aktuell zahle die Stadt (es gibt auch Landesmittel für die Schülerbeförderung) pro Jahr zwischen sechs und sieben Millionen Euro an Schülerfahrkosten. Mit der Einführung der Schülercard würden diese Kosten „um einen mittleren sechsstelligen Betrag“ ansteigen. Positiv sehen es Clausen und Uekmann, dass mit Einführung der Schülercard – beschließen muss der Rat – die Entfernungsregelung wegfalle: „Die war immer hochumstritten.“

Ursprünglich angestoßen hatte die Idee, eine Schülercard zu schaffen, die FDP, die das auf ihren Parteitag Anfang des Jahres beschlossen hatte. Die SPD war dann mit ihrem „Bildungsticket“ nachgezogen.

FDP-Vorsitzender Jan Maik Schlifter sagt, er freue sich über den „Superfortschritt“, kritisiert allerdings den „hohen Preis“. Er erinnert daran, dass die FDP politisch mit ihrem Antrag, ein Schulticket für 20 Euro im Monat einzuführen, politisch mehrfach gescheitert sei – nur der Schulausschuss habe einstimmig dafür votiert. Schlifter bedauert, dass der Vorstoß von OB und Mobiel preislich hinter den Erwartungen liege: „Vielleicht ist ja während der politischen Beratungen noch etwas zu machen.“

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