Dreirad für Zwei soll Menschen mobil machen
Nach zehn Jahren wieder auf dem Rad

Bielefeld  (WB). Martin Homann strahlte: „Das macht Spaß. Und man kann etwas für seine Kondition tun.“ Zehn Jahre lang ist der 84-Jährige, der vor 32 Jahren nach einer Operation erblindete, nicht mehr geradelt, am Mittwoch hat er mit „Pilot“ Reinhard Marx eine Probefahrt mit einem dreirädrigen Fahrrad für Zwei unternommen. Und er war begeistert.

Donnerstag, 19.12.2019, 06:00 Uhr
Martin Homann (links) hat viel Spaß an der flotten Fahrt mit dem Dreirad-Tandem. „Pilot“ Reinhard Marx ist bereits versiert im Umgang mit dem Gefährt. Foto: Thomas F. Starke
Martin Homann (links) hat viel Spaß an der flotten Fahrt mit dem Dreirad-Tandem. „Pilot“ Reinhard Marx ist bereits versiert im Umgang mit dem Gefährt. Foto: Thomas F. Starke

Menschen mit Beeinträchtigungen oder Senioren, die sich alleine nicht mehr so recht trauen, möchte der Verein „Fahrräder bewegen Bielefeld“ mit seinem neuesten Projekt wieder „fahrradmobil“ machen, wie es der Vereinsvorsitzende Stefan Mielke nennt. Dazu hat der Verein mit Unterstützung von Spendern ein erstes Pedelec für Zwei angeschafft. Knapp 10.000 Euro hat es gekostet, Einsatzort wird ab Frühjahr das AWO-Aktivitätenzentrum an der Meinolfstraße. Dort kann man sich das Rad dann zunächst an zwei Tagen in der Woche leihen – und den Piloten dazu.

Bis zu 25 Stundenkilometer schnell

Den Piloten benötige es, weil solch ein Dreirad etwas Erfahrung brauche, erklärt Mielke. Schließlich ist es breiter, da ja Pilot und Beifahrer nebeneinander sitzen – was auch unweigerlich zum Schwätzchen führt –, da man zudem lernen muss, den Bordstein bei der Kurvenfahrt nicht mitzunehmen und das Gefährt (mit Motorunterstützung) immerhin bis zu 25 Stundenkilometer schnell sein kann.

„Man muss Vertrauen zum Piloten haben“, gesteht Martin Homann zu. Denn bei flott genommener Linkskurve wirken schon Fliehkräfte. Aber dafür kann man sich ja anschnallen. Martin Homann sieht nun vor allem die Chance, wieder mit Kindern und Enkeln Radausflüge zu machen.

„Wir haben früher alles mit dem Fahrrad gemacht“, erzählt seine gleichaltrige Frau Gitta. Auch nach der Erblindung ihres Mannes blieb das Rad – dann als Tandem mit Sätteln hintereinander – die erste Wahl. Aber das ist Brigitte Homann nun zu anstrengend, zumal auch eine Tandemfahrt einem Menschen, der erblindet ist, nicht leicht fällt: Er weiß nicht recht, wann und wie weit er sich in die Kurve legen muss. „Und unterhalten kann man sich auch nicht.“

Spenden für zweites Rad

Da bietet das neue Dreirad des Vereins „Fahrräder bewegen Bielefeld“ mehr Chancen. „Wir planen deshalb, mit Hilfe von Spenden ein zweites anzuschaffen“, sagt Mielke. Als Piloten werden (zunächst) sein Stellvertreter Hamza Al Cherif und Marx, der 30 Jahre lang Krankenpfleger war, ehrenamtlich zur Verfügung stehen und mit ihren Fahrgästen Ausflüge etwa zu den Stauteichen unternehmen.

Unterstützt wird das Projekt unter anderem von der Gemeinschaftsstiftung Freie Scholle. „Wir finden, dass Wohnen und Mobilität zusammengehören“, sagt Scholle-Vorstand Kai Schwartz. Bus und Carsharing seien zwei Bausteine, das Fahrrad aber ein wichtiger dritter. „Uns ist es auch wichtig, ein solches Angebot im Quartier zu machen und damit vielleicht einen Anreiz für Menschen zu schaffen, die sich das für sich nicht (mehr) vorstellen können.“

Zu diesem Angebot gehört auch die kleine Fahrrad-Werkstatt „Sattelbar“ am AWO-Aktivitätenzentrum – acht Stunden pro Woche von einem Projektmitarbeiter sowie von einer Kraft, die nach dem Teilhabechancengesetz beschäftigt wird, betreut –, dazu gehören Lastenräder und nun eben auch zwei kippsichere Dreiradtandems.

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