Der Queller Biohof lehnt eine Wohnbebauung direkt vor der Hofmauer ab
Bobbert braucht den nahen Acker

Bielefeld (WB). Fürs Neubaugebiet an der Augustastraße hat der Biolandbetrieb Bobbert zuletzt schon Flächen abgeben müssen, jetzt sollen weitere Acker- und Wiesenflächen des Hofes in Bauland umgewandelt werden. Rüdiger und Oda Bobbert sind nur Pächter des Hofes Meyer zu Borgsen, fühlen sich bei der Planung übergangen und hoffen nun auf einen Kompromiss.

Mittwoch, 08.01.2020, 12:00 Uhr
Gemeinsam mit seiner Frau Oda zieht Rüdiger Bobbert im Folienhaus Salat. Das Gewächshaus steht auf dem 0,9 Hektar großen Ackerstreifen, der unmittelbar an den Hof in Quelle grenzt und aufgrund dieser Nähe für den Betrieb besonders wichtig ist. Foto: Peter Bollig
Gemeinsam mit seiner Frau Oda zieht Rüdiger Bobbert im Folienhaus Salat. Das Gewächshaus steht auf dem 0,9 Hektar großen Ackerstreifen, der unmittelbar an den Hof in Quelle grenzt und aufgrund dieser Nähe für den Betrieb besonders wichtig ist. Foto: Peter Bollig

Denn vor allem ein Ackerstreifen direkt am Hof ist für den Betrieb wichtig. Dort steht ein Gewächshaus, wachsen Salat und Gemüse, die vom Feld direkt in den Hofladen kommen. Diese hofnahe Fläche sei auch deshalb so wichtig, weil sie ohne großen Aufwand bewässert werden könne, sagt Rüdiger Bobbert.

Wie berichtet, will ein Investor auf dem 2,5 Hektar großen Areal zwischen der bestehenden Bebauung an der Wilfried­straße, der Osnabrücker Straße und dem Biohof rund 70 Wohneinheiten schaffen, dafür 30 ein- bis zweigeschossige Einzel- und Doppelhäuser sowie vier Mehrfamilienhäuser errichten. Die Brackweder Bezirksvertretung hatte dem in einer ersten Abstimmung bereits zugestimmt, ohne dass sich Rüdiger Bobbert dazu vorab äußern konnte.

Häuser lägen nur 30 bis 50 Meter von Ställen entfernt

In einem Schreiben an die Fraktionen hat er das jetzt nachgeholt, verweist darin auf die Folgen für den Biohof und eine „nicht mehr tragfähige Einschränkung unserer Bewirtschaftung“. Auf das hintere Stück des jetzt überplanten Areals, eine 1,5 Hektar große Grünlandfläche, auf der seine Schafe weiden und Gänse gehalten werden, würde er verzichten, sagt Rüdiger Bobbert, wenn dem Betrieb die 0,9 Hektar große Ackerfläche unmittelbar neben dem Hof bleibe.

Dabei gehe es auch um den Eindruck, den Kunden und Besucher vom Hof erhalten, sagt Oda Bobbert. „Der Einkauf soll ein Erlebnis sein“, Besucher sollten nebenan auf dem Feld sehen könne, was sie im Hofladen kaufen. Dass statt dessen Wohnhäuser bis auf wenige Meter an die Hofmauer hinterm Hofladen heranrücken, passe dazu nicht. Dazu komme der ökologische Aspekt, dass die Feldfrüchte aufgrund der Nähe gar nicht erst zum Transport verpackt werden müssten sondern gleich in die Kisten gelegt werden könnten, in denen sie im Laden angeboten würden.

Rüdiger und Oda Bobbert befürchten zudem Konflikte mit den Bewohnern von Häusern, die unmittelbar neben dem Hof stünden: „Schweine riechen, Gänse machen Lärm“, sagt der Landwirt, und auch an Wochenenden oder am Abend liefen Maschinen. Die geplante Bebauung würde nur 30 bis 50 Meter von Schweine- und Rinderställen entfernt entstehen.

Pachtdauer könnte Baupläne lange Zeit verhindern

Auch Bielefelder Naturschutzverbände hatten unlängst darauf verwiesen, dass die Rechtslage einen Mindestabstand von 100 Metern vorsehe. Sie hatten sich auch aus ökologischen Gründen gegen eine Bebauung der Flächen ausgesprochen . Konflikte befürchten die Bobberts auch, weil die großen Eichen am Rande des Hofes nur wenig Licht auf die dort geplanten Baugrundstücke ließen, dorthin im Herbst aber ihr Laub abwerfen.

Vor 2039 ist eine Bebauung nach Einschätzung von Rüdiger Bobbert nicht möglich, weil sein Pachtvertrag bis dahin laufe. Gleichwohl betont er das gute Verhältnis zum Grundstückseigentümer Hermann Meyer zu Borgsen und hofft auf eine einvernehmliche Lösung, bevor die Politik abschließend über die Pläne berät. Für Oda und Rüdiger Bobbert geht es auch darum, den Naherholungswert des Hofes nahe dem Queller Ortskern für Spaziergänger und Radfahrer zu erhalten.

Im Jahr 2000 haben Oda und Rüdiger Bobbert den Hof Meyer zu Borgsen, später weitere Flächen im Umland gepachtet. Sie bewirtschaften mit 35 Mitarbeitern 140 Hektar Acker- und Grünland sowie den Hofladen, haben 90 Schweine, 65 Rinder und 400 Gänse.

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