Missbrauchsprozess geht mit überraschenden Urteilen zu Ende
Ein Freispruch, eine Haftstrafe

Bielefeld (WB/hz). Die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft waren gravierend. Elf Jahre lang sollen sich ein Bielefelder (56) und sein ehemaliger Lebenspartner (44) aus Detmold insgesamt 30 Mal an Kindern und jungen Männern sexuell vergriffen haben.

Mittwoch, 08.01.2020, 14:00 Uhr aktualisiert: 08.01.2020, 14:20 Uhr
Das Landgericht in Bielefeld. Foto: Friso Gentsch/dpa
Das Landgericht in Bielefeld. Foto: Friso Gentsch/dpa

Die Taten, die die Homosexuellen teils gemeinsam, teils alleine verübt haben sollen, sollen sich von den Jahren 2008 bis 2019 in Bielefeld, im Kreis Lippe, in Bayern und Baden-Württemberg ereignet haben. Der Bielefelder saß sogar wegen dringenden Tatverdachts von April vergangenen Jahres an mehrere Monate lang im hiesigen Gefängnis in Untersuchungshaft.

Verteidiger kritisiert Ermittlungen der Polizei

Nach drei Monaten Prozessdauer am Bielefelder Landgericht ging das Strafverfahren gegen die Homosexuellen am Dienstag mit überraschenden Urteilen zu Ende. Eine große Jugendschutzkammer sprach den Detmolder von allen Vorwürfen frei. Der wegen des Besitzes von jugendpornografischen Schriften vorbestrafte Bielefelder muss aber für zwei Jahre und drei Monate hinter Gittern.

Im Laufe des Prozesses hätten sich „die Vorwürfe gegen die Angeklagten erheblich entdramatisiert“, sagte Vorsitzender Richter Christoph Meiring. Ein Teil der Taten sei „nicht nachzuweisen“. Die Polizei habe nur in die Breite, aber nicht in die Tiefe ermittelt, kommentierte Rechtsanwalt Carsten Ernst, der den Detmolder verteidigt hatte, den Verlauf des Prozesses.

Bielefelder droht Gericht mit Befangenheitsantrag

Der 44-jährige Lipper nahm seinen Freispruch mit unbewegter Miene zur Kenntnis. Anders sah es beim Bielefelder aus. Der 56-Jährige, der während der Verhandlung rundweg alles bestritten und unmittelbar vor Prozessende der Strafkammer noch mit einem Befangenheitsantrag gedroht hatte, soll für zwei Jahre und drei Monate in Strafhaft.

Verurteilt wurde der Mann wegen sexuellen Missbrauchs eines zwölfjährigen Jungen. Außerdem habe sich der Bielefelder der sexuellen Belästigung sowie sexueller Übergriffe auf zwei junge Männer schuldig gemacht, befanden die Richter. Dennoch wurde der Haftbefehl gegen den 56-Jährigen, der während des Prozess bereits außer Vollzug gesetzt wurde, am Dienstag ganz aufgehoben.

Die Urteile sind noch nicht rechtskräftig.

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