Do., 09.01.2020

Auf die Strafe des Verurteilten hat das aber keinen Einfluss Vergiftete Pausenbrote: Opfer stirbt nach drei Jahren im Koma

Von Wolfgang Wotke

Schloß Holte-Stukenbrock  (WB). Zehn Monate nach dem Urteilsspruch im Prozess um vergiftete Pausenbrote ist eines der Opfer gestorben . Nick N. hat drei Jahre lang im Wachkoma gelegen, nachdem ein Kollege ihm am Arbeitsplatz in Schloß Holte-Stukenbrock giftiges Pulver auf seine Brote gestreut hatte. Staatsanwalt Veit Walter hat den Tod des 26-Jährigen jetzt bestätigt.

Motiv bis heute im Dunkeln

Das Landgericht Bielefeld hatte den Täter Klaus O. (57) im März 2019 wegen versuchten Mordes zu lebenslanger Haft und anschließender Sicherungsverwahrung verurteilt , zudem auch die besonders schwere Schuld festgestellt. Die Richter waren davon überzeugt, dass er mehreren Kollegen ein Pulver mit Blei-, Quecksilber und Cadmiumverbindungen auf die Pausenbrote und ins Mineralwasser gestreut hatte. Bis heute liegt das Motiv im Dunkeln.

Student Nick N. erlitt durch die Vergiftung irreparable Hirnschäden. Bevor er ins Wachkoma fiel, baute er körperlich stark ab. In der Vergangenheit gab es mehrmals Komplikationen, sein Gesundheitszustand verschlechterte sich immer mehr. Am Dienstag starb er zu Hause. Seine Eltern hatten ihn bis zu seinem Tod gepflegt. Zwei andere Opfer kämpfen immer noch mit den Folgen – sie erlitten schwere Nierenschäden.

Revisionsantrag beim Bundesgerichtshof gestellt

Das Urteil gegen Klaus O. ist noch nicht rechtskräftig. Sein neuer Anwalt, Dr. Detlev Binder, hat einen Revisionsantrag beim Bundesgerichtshof gestellt, über den noch nicht entschieden ist. „Ich kenne mittlerweile das Motiv. Es ist auch Bestandteil der Revision“, sagt Strafverteidiger Binder, ohne Einzelheiten zu verraten.

Landgericht prüft mögliche Obduktion

Das Landgericht Bielefeld prüft in diesen Tagen, ob die Leiche des 26-Jährigen obduziert wird. Landgerichtssprecher Guiskard Eisenberg: „Die Entscheidung wird bald fallen.“ Staatsanwalt Walter hat einen entsprechenden Antrag bereits gestellt, um eventuell einen Zusammenhang zwischen dem verabreichten Gift und dem Tod des jungen Mannes festzustellen. Würde nämlich der Bundesgerichtshof den Fall nach Bielefeld zurückverweisen, müsste der Prozess neu aufgerollt werden. Dann könnte sich der Schuldspruch ändern. Nicht wegen versuchten, sondern wegen eines vollendeten Mordes könnte O. dann verurteilt werden.

21 Todesfälle aus den vergangenen 18 Jahren untersucht

„Nach einer erfolgreichen Revision durch den Angeklagten darf sich das Strafmaß allerdings nicht erhöhen“, erklärte Eisenberg. Da bereits wegen versuchten Mordes die Höchststrafe ausgesprochen worden sei, habe der Tod von Nick N. für den noch nicht rechtskräftig Verurteilen keine Folgen.

Die Kriminalpolizei hatte insgesamt 21 weitere ungeklärte Todesfälle aus den vergangenen 18 Jahren untersucht, bei denen die Betroffenen eine Verbindung zur Armaturenfabrik Ari hatten, in der O. gearbeitet hatte. Veit Walter erklärte, dass auch noch heute in einigen dieser Fälle ermittelt werde. „Damit ist die Rechtsmedizin in Münster beauftragt worden. In neun dieser Sachverhalte gibt es Gutachten, die Exhumierungen nicht notwendig machen.“

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