Mi., 15.01.2020

Spitzenverband GKV macht Mehrausgaben verantwortlich – mit Kommentar Krankenkassen: 2021 sollen Beiträge steigen

Eine Versichertenkarte der Allgemeinen Ortskrankenkasse.

Eine Versichertenkarte der Allgemeinen Ortskrankenkasse. Foto: dpa

Von Elmar Ries und Oliver Horst

Dortmund/Bielefeld (WB). Millionen Krankenversicherte werden im kommenden Jahr vermutlich höhere Beiträge zahlen müssen. Das hat der Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV) jetzt angekündigt. Nach Angaben der Verbraucherzentrale hatten Anfang dieses Jahres 18 vor allem kleinere Kassen ihre Zusatzbeiträge angehoben. „Wir gehen nun davon aus, dass 2021 ein nennenswerter Teil der Krankenkassen die Beiträge erhöhen muss“, sagte GKV-Sprecher Florian Lanz auf Nachfrage. In Deutschland gibt es insgesamt 105 gesetzliche Krankenkassen mit 73 Millionen Versicherten.

Deutlich gestiegene Mehrausgaben

Als Grund für die drohende Beitragserhöhung macht die GKV deutlich gestiegene Mehrausgaben verantwortlich. Zum einen bedingt durch den allgemeinen medizinischen Fortschritt, zum anderen aus Sicht der Kassen durch die zahlreichen Gesetze, die Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) auf den Weg gebracht hat – hier vor allem das Gesetz für mehr Pflegepersonal und das Termin-Service-Gesetz.

„Die Mehrausgaben durch die Spahn-Gesetze belaufen sich auf insgesamt zehn Milliarden Euro pro Jahr“, sagte der Sprecher der AOK Nordwest, Jens Kuschel, gegenüber unserer Zeitung. Spürbare Verbesserungen in der Versorgung hätten sie allerdings nicht gebracht.

2019 erstmals seit vier Jahren wieder Verluste

Im vergangenen Jahr hatten die Kassen erstmals seit 2015 wieder Verluste gemacht. Nach GKV-Angaben beliefen sie sich auf eine Milliarde Euro. 2018 hatten die gesetzlichen Krankenkassen noch ein Plus von zwei Milliarden Euro erzielt. Um das Defizit auszugleichen, hatte Spahn wiederholt auf die Reserven der Kassen in Höhe von derzeit rund 20 Milliarden Euro hingewiesen und die Kassen aufgefordert, die Reserven in Teilen abzubauen. „Rücklagen sind allerdings einmalig“, sagte der GKV-Sprecher. Die Ausgabensteigerung sei hingegen stetig. Für den Verband ist der Spahn-Vorschlag ein Spiel auf Zeit. „Wenn die Reserven aufgebraucht sind, führt an einer Beitragserhöhung kein Weg vorbei.“

Nur zwei Kassen haben Beitragssatz gesenkt

Wie diese Zeitung im Dezember exklusiv berichtet hatte, müssen Hunderttausende Versicherte der Kassen in Ostwestfalen-Lippe bereits im gerade begonnenen Jahr 2020 mehr zahlen. Allein die Hälfte der acht in der Region ansässigen Betriebskrankenkassen mit zusammen rund 500.000 Versicherten hat den individuellen Zusatzbeitragssatz erhöht. Am stärksten fiel die Steigerung – von 1,0 auf 1,35 Prozent – bei der BKK Herford-Minden-Ravensberg aus.

Bundesweit verlangen 14 weitere Versicherungen mehr Geld von ihren Mitgliedern. Nur zwei Kassen haben indes den Beitragssatz gesenkt: die Debeka BKK von 0,8 auf 0,7 Prozent und die regional geöffnete AOK Sachsen-Anhalt von 0,3 Punkte auf Null.

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