Überschuldungsquote in Ostwestfalen-Lippe auf Höchststand
Jeder Zehnte nicht zahlungsfähig

Bielefeld (WB). Die Zahl der Menschen in Ostwestfalen-Lippe, die zumindest zeitweise für ihre Schulden nicht mehr aufkommen, steigt. Nach einer Statistik der Auskunftei Creditreform erreichte sie im vergangenen Jahr mit 168.730 (Vorjahr: 168.143) einen Höchststand. Das sind 9,97 Prozent der Menschen in OWL, die mindestens 18 Jahre alt sind – also fast jeder zehnte. 2018 waren es 9,94 Prozent, bundesweit 10,00 Prozent.

Mittwoch, 15.01.2020, 20:50 Uhr aktualisiert: 15.01.2020, 20:58 Uhr
Symbolbild. Foto: dpa
Symbolbild. Foto: dpa

Auffallend sind die großen Unterschiede innerhalb der Region. Im Postleitzahlbezirk 33602 – Innenstadt Bielefeld – beträgt die Überschuldungsquote 17,31 Prozent. Sie ist damit sogar höher als in Oberhausen und Krefeld, die in Nordrhein-Westfalen in negativer Hinsicht die Plätze 4 und 5 einnehmen. Höher ist sie noch in den Ruhrgebietsstädten Herne (18,3 Prozent), Gelsenkirchen (18,0) und Duisburg (17,5).

Überschuldet ist jemand, der auch in absehbarer Zeit seinen Zahlungsverpflichtungen nicht gerecht werden kann. Abgeleitet wird dies daraus, dass der Betroffene mindestens zweimal – meist öfter – von mehreren Gläubigern vergeblich gemahnt wurde. Schwerwiegende Zahlungsprobleme liegen dann vor, wenn Personen in den amtlichen Schuldnerverzeichnissen auftauchen (früher eidesstattliche Versicherung bis hin zur Haftanordnung) oder Privatinsolvenz anmelden mussten.

Laut Creditreform wächst vor allem die erste Gruppe der leichteren Fälle. „Zu befürchten ist aber, dass viele von ihnen auf Dauer stärker in die Überschuldung abdriften“, erklärte Udo Roggenbuck (Creditreform Bielefeld) am Mittwoch. Traditionell seien Männer und jüngere Menschen häufiger zahlungsunfähig. Allersdings steige der Anteil der Frauen und Älteren Jahr für Jahr.

Dass Bewohner der Bielefelder City, aber auch der Innenstädte von Minden, Herford und Bad Oeynhausen besonders oft in die Überschuldung geraten, liegt Roggenbruck zufolge vor allem an der höheren Zahl an Langzeitarbeitslosen und an den steigenden Wohnungsmieten.

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