Do., 16.01.2020

Produzentengalerie präsentiert Werke von Angelika Rabe Den Gefühlen Struktur geben

Angelika Rabe verarbeitet aktuelle wie auch persönliche Themen in ihren Werken.

Angelika Rabe verarbeitet aktuelle wie auch persönliche Themen in ihren Werken. Foto: Bernhard Pierel

Bielefeld (uj). Taschentücher dienen nicht selten dem Trocknen von Tränen. In der Stoffvariante sind sie indes fast aus dem Alltag verschwunden. Die Künstlerin Angelika Rabe führt eine Reihe von Stofftaschentüchern einem neuen Verwendungszweck zu. Die textilen Quadrate dienen ihr als Bildträger für den kreativen Gestaltungsprozess. „Ich fand sie bei der Haushaltsauflösung in der Wohnung meiner Eltern und fand, dass sie zu schade zum Wegwerfen sind“, sagt die Bielefelder Künstlerin, die sich in einer Bildserie mit ihren biografischen Wurzeln befasst.

„Meine Eltern entstammen einer Kriegsgeneration, die Gefühle nicht gut zeigen konnten. Statt dessen gaben sie ihrem Leben eine strenge Struktur“, weiß Angelika Rabe. Sie hat sich künstlerisch mit dem Lebensweg ihrer Eltern auseinander gesetzt, etwa der Mutterschaft oder der Kriegsgefangenschaft. Dazu gesellen sich autobiografische Arbeiten. Entstanden sind poetische Collagen, wobei die Taschentücher unter anderem mit Kreuzstich-Mustern, einer typischen handarbeitlichen Kulturtechnik früherer Zeiten, verziert wurden.

Künstlerisches Schaffen als Heilprozess

In der frei assoziativen und kreativen Verarbeitung zum Teil traumatischer Kindheitserlebnisse liegt auch ein Heilprozess. „Jeder Gestaltungsvorgang ist ein offener, assoziativer Prozess, der zu einem guten Ende führen kann, wenn sich eine Struktur zeigt“, betont die Künstlerin, die sich in weiteren Mixtmedia-Arbeiten und Collagen mit ihrer Biografie und Familiengeschichte befasst.

Emotionen dienen ihr auch als Auslöser, sich mit aktuellen Themen zu befassen. Die Flüchtlingsproblematik bringt Angelika Rabe etwa in einem Papierobjekt mit dem Titel „240 von 2400“ zum Ausdruck. 240 Papierbote und eine daran hängende Traube aus Papiermenschen erinnert an die Flüchtlingsdramen im Mittelmeer.

Und es gibt weitere Arbeiten, die sich mit dem Thema Flucht befassen. Etwa ein Diptychon, das auf der einen Seite verschlossene Türen, auf der anderen eine abstrakt gehaltene Traumlandschaft zeigt.

Thema Flucht

Das Fluchtthema ist bei Angelika Rabe ebenfalls biografisch verankert. So wurde sie 1952 in Leipzig geboren und floh mit ihren Eltern später in die BRD. Sie lebte in Berlin, Krefeld, Gütersloh, Hamburg und Hannover ehe sie in Bielefeld sesshaft wurde und beruflich im Bereich Ergotherapie, Heilpädagogik und Supervision tätig war. Künstlerisch bildete sich Angelika Rabe unter anderem bei Woldemar Winkler und Yael Niemeyer fort. Seit 2002 unterhält sie ein eigenes Atelier und zeigt ihre Werke regelmäßig bei Ausstellungen.

Die Ausstellung in der Produzentengalerie, Rohrteichstraße 36, läuft bis zum 11. Februar und kann dienstags von 16.30 bis 18.30 Uhr und samstags von 12 bis 14 Uhr besichtigt werden.

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